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Geklirr zerbrochener Flaschen und Gläser die Fortsetzung des Kampfes hören ließ.

Der Wirt brüllte aus einem oberen Fenster nach der Polizei,- das Volk drängte den Kämpfenden in die Thür des Gasthauses nach, um den Spaß weiter mit anzusehen, zer­stob aber wie Spreu vor dem Winde, als der Neger mit dem Wrak der Guitarre um den Hals, verfolgt von seinen Genossen und einer ganzen Schar von Matrosen, heraus­stürzte. Alles stürmte nun die Straße entlang, und in wenigen Augenblicken war der ganze Haufen meinem Auge entschwunden.

Bekannte in Bahport aufzusuchen, hatte ich keine Lust. Es genierte mich, daß mein Vater eine gewöhnliche Schneiderin geheiratet hatte- außerdem war ich aber so gut wie ein Bettler und konnte nicht wissen, welcher Empfang mir werden würde. Dieser Gedanke erschreckte mich.

Seeleute sind in der That die empfindlichsten Menschen der Welt, aus Gründen, auf die hier näher einzugehen mich zu weit führen würde, und ich war keine Ausnahme von der Regel.

So kehrte ich also nach dem Gasthaus zurück mit der Absicht, den Abend im Rauchzimmer zu verbringen. Am nächsten Tage wollte ich mir eine richtige Vorderkastell-Aus­rüstung besorgen und mich am Montag nach den Ost - End- Docks begeben.

Als ich mich demWeißen Hirsch" näherte, bemerkte ich die brünette Schönheit, deren Augen mich am Morgen bezaubert hatten, auf einem Balkon fitzen, der sich über den Fenstern des Kaffee-Zimmers befand. Sie hatte die Arme auf das Balkon-Geländer gelegt und sah mit nachdenklichen, träumerischen Blicken hinaus auf die See. Der laue Wind spielte in ihrem weichen, dunklen Haar, und Haltung und Gesichtsausdruck zeigten, wie tief in Gedanken sie ver­loren war.

Ich würde viel darum gegeben haben, in ihrer Gesell­schaft sitzen zu können; es lag ein so zarter, weiblicher Schmelz auf ihrem Gesicht, der unendlich ansprechend war. Es wäre mir eine Wonne gewesen, ihre Stimme zu hören, ihr Auge auf mein Gesicht gerichtet zu sehen und zu ihr über mich sprechen zu können.

Eine Landratte würde es anzufangen gewußt haben, mit ihr bekannt zu werden, ich aber war zu schüchtern, auch nur daran zu denken, daß eine Vorstellung am Ende zu er­langen wäre, wenn ich mich darum bemühte. Ganz jämmer­lich fühlt man seine gesellschaftlichen Mängel, nachdem man lange Zeit auf See war.

Es giebt nichts Unbeholseneres unter Damen als einen Seemann, der eben von einer längeren Reise zurückgekehrt ist. Er, der mit Kaltblütigkeit ein Schiff im Sturm be herrscht und in der dünnen Speiche eines Rades so vieler Menschen Leben in seiner festen Hand hält, wird selten eine Taffe Thee auch nur einen Meter weiter zu reichen ver­mögen, ohne dieselbe über das Kleid einer Dame auszu­schütten oder über den Teppich zu stolpern und hinzuschlagen. Da kann es nicht wundernehmen, wenn Seeleute beim weiblichen Geschlecht nicht beliebt sind. Die Lieblings-Er­zählungen, unter Seeleuten, wenn sie einmal lachen wollen, behandeln in der Regel ihre Verlegenheiten und Ungeschicklich­keiten Damen gegenüber.

Ich fragte Transom, den ich hinter seiner GlaSthür sitzen sah, um den Namen der Dame mit den braunen Augen und roten Wangen, die engelhafte Schönheit. Ihr Gefährte ist ein hübscher Mann mit braunem Bart.

Ach, ich weiß schon, wen Sie meinen,/ entgegnete Transom, mußte aber schließlich, nach einigem Nachdenken, den Namen doch erst im Fremdenbuch suchen. Da stand derselbe verzeichnet: Miß Franklin.

Wer ist ihr Begleiter?"

Kapitän Lucius Franklin."

Ah! Wohl Bruder und Schwester?"

Höchst wahrscheinlich. Er ist zu jung, um ihr Vater

zu sein. UebrigenS finde ich sie auch sehr schön, aber du lieber Gott, unsereins muß dem Geschäft nachgehen und hat anderes zu thun, als sich die Gesichter seiner Gäste viel anzusehen."

Haben Sie ihren Taufnamen erfahren?"

Erfahren gerade nicht, aber ich glaube, daß sieSutfe" heißt. Ich kann mich irren, mir ist aber so, als hätte er teSulu" genannt, als sie hierher kamen und Zimmer verlangten."

Ich hätte gern noch mehr Fragen gestellt, z. B. wie lange sie schon im Hotel waren, woher sie kamen, was der Mann für eine Stellung bekleidete u. s. w., aber ich dachte, ch könnte mich, ohne einen bestimmten Grund für meine Neugier zu haben, doch leicht lächerlich machen. Außerdem mußte ich auch befürchten, meinen Freund in seinen geschäft­lichen Angelegenheiten zu stören und mich ihm dadurch lästig zu machen,- so dankte ich ihm also nur für seine Auskunft und ging meiner Wege.

Fünftes Kapitel.

Ich finde eine Anstellung.

Ich brachte den Abend im Rauchzimmer zu, meine Füße auf einen Stuhl gelegt und schläfrig an meiner Pfeife ziehend. Das viele Umherlaufen hatte mich sehr müde gemacht.

Drei junge Leute, die einander fremd waren, als sie eintraten, hatten schnell Bekanntschaft gemacht und sich zu­sammen an einen Tisch gesetzt. Sie rauchten und sprachen über geschäftliche Dinge, denn ich hörte sie über Prozente debattieren. Daraus ersah ich, daß sie Handlungsreisende waren, und aus ihrer schlechten Sprache, ihrem lauten Lachen und Wesen und lächerlichen Prahlereien erkannte ich, daß sie sehr gewöhnliche Leute sein mußten.

Sie sprachen so laut, als ob sie wünschten, daß ich ihnen zuhören und eine hohe Meinung von ihnen bekommen sollte. So schüchtern war ich nun aber doch nicht, daß ich solchen Menschen nicht meine Verachtung gezeigt hätte. Ich rückte geräuschvoll mit meinem Stuhl so herum, daß ich ihnen den Rücken kehrte und hoffte, sie würden meinen Wink ver­stehen und leise mit einander sprechen.

Ob sie bemerkt hatten, was ich ihnen andeuten wollte, weiß ich nicht, jedenfalls standen sie aber zu meinem großen Vergnügen bald auf, leerten ihre Gläser, zündeten sich neue Zigarren und an betrachteten sich wohlgefällig im Spiegel. Dabei sprachen sie lang und breit davon, wie die Mädchen ihnen diesen Nachmittag nachgelaufen seien, ihnen Stelldicheins förmlich aufgedrungen hätten und nun wohl schon lange auf sie warten würden. Darauf verließen die Narren lachend das Lokal, gewiß ganz überzeugt, daß sie mir ungeheuer imponiert hätten, denn all ihr läppisches Gerede war doch eigentlich nur für mich bestimmt gewesen. Die Affen! einer war scheußlicher wie der andere, der eine hatte sogar eine zerbrochene Nase.

Da der ganze Raum mit dem Rauch ihrer schlechten Zigarren angesüllt war, hatte ich nach ihrem Weggang nichts Eiligeres zu thun, als das Fenster aufzureißen. Ich setzte mich an dasselbe, um frische Luft zu atmen, und war froh, wieder allein zu sein, als die Thür sich öffnete und der mir jetzt als Kapitän Franklin bekannte Herr eintrat.

Das haben Sie recht gemacht," rief er,ich sah Sie eben von draußen, wie Sie das Fenster öffneten, hier ist ja eine Luft, wie im Kielraum eines Schiffes, welches Guano geladen hat."

Er sprach etwas durch die Nase. Dies war mir nicht aufgefallen, als er mich auf den Dünen anredete- er sah heiß und ermüdet aus, wie ein Mann, der den ganzen Tag angestrengt gearbeitet hat. Sich einen Armstuhl holend und seine Beine auf einen anderen Stuhl legend, setzte er sich neben mich, danach rief er einen Kellner.

Trinken Sie etwas?" fragte er mich, als der Kellner kam. Ich bestellte mir ein Glas Grog.