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Livree, die herrlichen Rappen vor der herzoglichen Equipage, die blitzenden Uniformen der Adjutanten, das blasse Antlitz des Fürsten, das ein freundliches Lächeln umspielte das alles hatte man in Benneckenstein noch niemals gesehen, und der Jubel des Volkes wollte kein Ende nehmen.

Endlich waren die Förmlichkeiten des Empfanges über­standen, und das Konzert begann, das dem Programm gemäß vortrefflich verlief. Die Benneckensteiner Siadrkapelle spielte in der That die Ouvertüre zu der OperDichier unb Sauer" und später das Finale aus Wagner'sLohengrin" ganz an­nehmbar, wenn auch die ersten Geigen etwas kratzten und der neue Paukenschläger einmal einen halben Ton zu früh eiusetzte, welcher Fehler ihm einen wütenden Blick des Kapell­meisters einbrachte und dem Hauptmann a. D. den Angst­schweiß auf die Stirne trieb. Aber Seine Hoheit der Herzog schienen den Fehler nicht zu bemerken/ ruhig, fast bewegungs­los saß er in dem Sessel, die Stirn auf die Hand gestützt, die Beine übereinander geschlagen. Sein Antlitz war von einer auffallenden Bläffe, in seinem dunklen Auge ruhte eine düstere Schwermut, und seine Lippen waren fest und ernst geschlossen. So lauschte er regungslos der Musik und ging über die Fehler der ersten Geige und des Paukenschlägers milde hinweg. Deshalb durfte auch Se. Exeellenz der Hof- theater-Jntendant und General z. D. Freiherr von Hannecken diesen Fehler nicht bemerken und die Adjutanten und Kammer­herren, welche den Herzog begleiteten, mußten ihr spöttisches Lächeln unterdrücken.

Der Männergesangverein und der Damenchor machten ja auch die Fehler der ersten Geigen und des Paukenschlägers wieder gut. Namentlich der erste Tenor, ein Bäckermeister von bemerkenswertem Körperumfang, schmetterte das hohe C mit einer Bravour heraus, daß Se. Hoheit im leichten Schreck zusammenfuhren, und die Solistin des Damenchors, die Tochter des Bürgermeisters und Hauptmanns a. D., sang mit solch schmetternder Stimme:Ach, wenn Du wärst mein eigen . .", daß der Herzog sich lächelnd gegen den auf dem Gipfel des Glückes schwebenden Bürgermeister und Hauptmann a. D. verbeugte.

Und dann die Glanznummer des Konzerts, die Lieder­vorträge Fräulein Elsie Hanneckens!

Elsie hatte einige einfache, volkstümliche Lieder gewählt, da sie wußte, daß der Herzog diese früher gern von ihr ge­hört hatte. Die Bravour-Arien und denErlkönig über­ließ sie neidlos der Tochter des Bürgermeisters und dem jungen gesangskundigen Gymnasiallehrer. Die kleinen, ein­fachen Lieder wußte sie aber mit solcher Innigkeit vorzu­tragen, daß eine atemlose Stille in dem bis zum letzten Platz gefüllten Saale eintrat, und alle mit tiefer Rührung und Entzücken der glockenreinen, zum Herzen dringenden Stimme und dem meisterhaften Vortrag der Künstlerin lauschten.

Ja, das war Musik! Die Tochter des Himmels, die dem kranken Herzen Trost und Erhebung zu bringen vermag, die uns hinweghebt über die Qual und die Not des Lebens, die uns die Welt vergessen läßt mit all ihrer Sorge, ihrem Leid, ihrem Kummer, ihrem Hasten und Streben!

Wie einfach, wie groß, wie erhaben stand Elsie da! Ein schlichtes, weißseidenes Gewand umschloß knapp ihre schlanke, edle Gestalt/ nur ein kleiner Strauß frischer, weißer Rosen zierte ihren Gürtel und ihr goldig leuchtendes, leichtge­welltes Haar, welches in schlichter Frisur das Haupt und das einer antiken Kamee gleichende blaffe Antlitz umgab. Wenn sich Elsie durch ihr stilles Wirken in den letzten Jahren nicht schon das Herz des Volkes gewonnen hätte, heute würde sie es im Sturme erobert haben.

(Fortsetzung folgt.)

Gemeinnütziges.

Rotweinflecke«. Frische Rotweinflecke entfernt ma« aus Tischwäsche am schnellsten durch kochende Milch. Der mit der heißen Milch begossene Fleck bleicht sofort/ je nach­dem Farbstoff im Wein vorhanden ist, muß der Aufguß wiederholt werden. Man reibe hierbei den Fleck etwas mit einem Läppchen. Veraltete Rotweinflecke entfernt man mittelst Schmierseife, indem man erst den Fleck einreibt und ihn durchziehen läßt, um ihn alsdann herauszuwaschen.

Ietd und Karten.

Obstfreunde muß ein Aufsatz interessieren, den der praktische Ratgeber im Obst- und Gartenbau" in seiner neuesten Nummer veröffentlicht. In Fermersleben bei Magde­burg hat sich ein Herr Bertling einen 2i/z Morgen große« Spalierobstgarten vor zehn Jahren angelegt, der ihm heute reichlichen Gewinn 1OOO Mark Ertrag pro Morgen bringt. Er hat viele Sortenversuche gemacht und ist zu dem Ergebnis gekommen, von Birnen die Sorten: Gute Luise, Diel, Clairgeau, Esperens Bergamotte und Ligels Winter­butterbirne, von Aepfeln: Wintergoldparmäne, Kasseler Rei­nette, Pariser Rambourreinette und Gelben Bellefleur sür besonders anbauwürdig zu empfehlen. Im vorigen Früh­jahre hat Herr Bertling zur Blütezeit sein kleines Obst- Paradies photographieren laffen und zeigen die Abbildungen noch besser wie die Beschreibung das fröhliche Gedeihen dieser schönen Anlage. Möchten sich doch viele, besonders kleinere Landwirte, an dem Obstgarten des Herrn Bertling ein Bei­spiel nehmen!

Gesundheitspflege.

Schwarzes Senfmehl zur Beseitigung des üblen Geruches aus leeren Flaschen. Um Flaschen und Ge­fäße, in welchen stark riechende Flüssigkeiten, Spiritus, Rum «., aufbewahrt wurden, vollkommen geruchlos und rein zu machen, daß man sie dann zum feinsten Wein u. dgl. verwenden kann, eignet sich vorzüglich das schwarze Sensmehl. Man schüttet ein wenig davon mit etwas lauwarmem Wasser in die be­treffenden Gefäße und spült sie hierauf mit Wasser aus und wiederholt, wenn nötig, das Verfahren.

Samen, welche zur Verherrlichung freudiger oder feierlicher An­lässe in Haus und Familie, sowie zur Unterhaltung in ihrem Verein oder Kränzchen beitragen wollen, finden imDtlettantentheoter für Samen", herausgegeben von Clara Eppert ^.Verlag von Levy und Müller in Stuttgart), stets neuen gediegenen Stoff in Hülle und Fülle. Das uns vorliegende neueste Heft 11 der Sammlung ent­hält wieder recht gelungene Piecen; wir nennen nur: das goldene Schweigen (Lustspiel in 1 Akt für 1 Herrn und 3 Damen). Der eingefangene Flüchtling, (dramatische Scene für 2 Herren und 2 Damen). Teufel spuk (Vortrag in bayrischer Mundarbeit.) Im Vermietungs- büreau (dramatische Scene für 5 Damen). Die Berliner Köchin am Sonntag (Soloscherz mit Gesang für 1 Dame). Die Reichhaltigkeit, sowie der gediegene Inhalt des Heftes werden zweifellos der beliebten Sammlung recht viele Freunde aus Damenkreisen zuführen, zumal der Preis des hübsch ausgestatteten Heftes nur 75 Pfg. (im Abonnement 60 Pfg.) beträgt.

Eine vollkommene Ueberstcht über die gegenwärtige Mode, gleich wertvoll sür die elegante Welt, wie für die praktische Hausfrau, welche manches Garderobenstück selbst zu fertigen pflegt, gewährt das soeben ganz neu erschienene reichhaltige Modenalbum und Schnittmuster­buch der internationalen Schnittmanufaktur, Dresden-N. (Preis 50 Pfg.) Ueber alle Einzelheiten der Damengarderobe, über Gesellschafts-, Straßen-, Sports-, Haus- und Ueberkleidung, über Mädchen- und Knabengarderobe, ja selbst über die moderne Herrenkleidung gewährt dieses vielseitige mit vielen hundert Abbildungen versehene Album einen vollkommenenUeberblick. Der besondere Wert dieses eine Modenzeitung ersetzenden preiswerten Albums liegt darin, daß man die dargestellten Modelle zu billigem Preise als praktisch ausprobierie Papierschnitte erhalten kann. Nichts Einfacheres und Praktischeres sür jede Dame sowie auch Schneiderin, als sich zur gründlichen Orientierung über die Mode eines solchen Modenalbums zu bedienen.

Redaktion: E. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.