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Eine ungeheure Angst befällt ihn,- denn er fühlt, so unschuldige, so liebeverklärte Augen können nicht täuschen.
„Anna", sagt er gepreßten Tones, „hast Du mir was zu verbergen?"
„Wenn Du mich so feierlich fragst, Otto, ja, ich habe Dir bisher etwas verborgen".
Die Herzschläge Hohensteins verlangsamen sich. Wird jetzt die Beichte kommen, die Bestätigung seiner Schande?" „Längst schon wollte ich Dir's sagen", fährt sie vertraulich fort, „aber ich fürchtete immer, Deinen Stolz zu verletzen".
Aha! denkt er, ihre Augen trügen dennoch.
„Du bist von altem Adel, und mich quälte die Angst, Du könntest am Ende Deine Verbindung mit unserer Familie bereuen; aber wir sind an der Sache wirklich unschuldig . . mein armer Vater hat Geduld genug gehabt und gethan, was er nur thun konnte ... es war alles vergeblich".
„Um Gottes willen, was meinst Du denn?"
„Nun, eben das, was ich Dir verbergen wollte: meine heimlichen Besuche . .
„Wo?"
„In der Rankestraße".
„Nummer 200?"
„So weißt Du schon, daß er dort wohnt?"
Wieder bohrt er seinen Blick in ihre Augen. Solche Augen können nicht lügen! Um vieles ruhiger fragt er zurück:
„Von wem sprichst Du denn?"
„Nun — von meinem Bruder, dessen Existenz Du nie erfahren solltest. Mein Vater hat ihn einst verstoßen wegen — wegen schlechter Streiche. Nun ist er nach jahrelanger Abwesenheit reumütig zurückgekehrt und sucht sich dem Vater wieder zu nähern. Er hat mich um meine Vermittlung bestürmt, und ich konnte es nicht übers Herz bringen, nein zu sagen. Da habe ich ihn heimlich in der Rankestraße eingemietet und bringe ihm ab und zu Nachricht . . ."
„Kennst Du den Grafen Meerburg?"
Noch einmal zittert seine Stimme vor Angst und Erwartung.
„Nur dem Namen nach. Ich habe sein Schild gelesener wohnt gerade unter meinem Bruder".
Hohenstein umarmt sein Weib und drückt es ungestüm ans Herz.
„Gott segne Dich, Geliebte! Du hast mir das Leben wiedergegeben! Ich muß fort. Der Allmächtige gebe, daß ich nicht zu spät komme!"
„Wohin denn, Otto? was hast Du?"
„Später, Anna, später! es handelt sich um ein Menschenleben !"
Und fort ist er und läßt sein Weib in Schreck und Bestürzung zurück.
* * *
„Der Graf hat befohlen, niemand mehr vorzulassen - er arbeitet am Schreibtisch".
„Gott sei Dank".
Wie ein Jubelruf ringt es sich aus Hohensteins atemloser Brust. Er schiebt den Diener gewaltsam zur Seite und stürmt in das Zimmer des Offiziers.
„Vergebung, Herr Graf! Seien Sie großmütig und barmherzig! In geistiger Umnachtung habe ich gehandelt . . ein Unzurechnungsfähiger konnte Sie nicht beleidigen ... zu jeder Abbitte, zu jeder Sühne bin ich bereit. Sie sind ein Gbrenmann und als Ehrenmann müssen Sie dem Reumütigen verzeihen".
Der Graf ist vom Schreibtisch, an dem er die Niederschrift seines letzten Willens beendigt hat, aufgestanden. Er kehrt aus der Ewigkeit, in der er gewissermaßen schon geweilt hat, in die Zeitlichkeit zurück und sieht den Eindringling befremdet an.
Hohenstein fährt dringlich fort:
„Dadurch, daß Sie noch leben, (haben Sie mir selbst Leben und Ehre wiedergegeben".
Er will in die Kniee sinken, doch der andere hindert ihn daran mit schneller Armbewegung.
„Lassen Sie das, Herr von Hohenstein! Haben Sie eingesehen, daß ich als Ehrenmann den Ruf einer mir vertrauenden Dame durch Nennung ihres Namens nicht bloßstellen durfte?"
„Sie waren im heiligsten Recht und ich war ein vom Wahn verblendeter Narr". Und er erzählt, was ihm seine Gattin mitgeteilt hat.
Der Graf lächelt milde.
„Da dies voraussichtlich streng unter uns bleiben wird, so will ich Ihnen freiwillig anvertrauen, daß die Gräfin Streitfeld bet mir war, eine Geldspende für ein Krankenhaus einzukasfieren. So! Ich vergebe Ihnen als Mensch und als Christ".
Wie berauscht von jungem Weine eilte Hohenstein nach Hause- nur den einen Vorwurf machte er sich noch, daß er nicht früher Annas Augen studiert und sich nicht des Wortes erinnert hatte: Frauenaugen trügen nicht.
GeineßiIiEtziges.
Japanische weiße seidene Taschentücher dürfen nicht so wie die Leinentaschentücher gewaschen werden, sollen sie nicht bald ganz unansehnlich werden. Man muß sie für sich in lauwarmem Seifenwasser gut waschen, bis sie sauber sind, dann auch lauwarm spülen, ein wenig bläuen und gut ausgerungen in weiße Leinentücher wickeln. In ihnen läßt man die Tücher etwa vier bis fünf Stunden, dann sind sie so weit abgetrocknet, daß man sie auf der linken Seite bügeln kann. Auf diese Weise gereinigte Taschentücher werden wie neu.
Gardinen zn färben. Die schöne Rahmfarbe kann man sich ganz leicht herstellen, indem man ungefähr 10 Gramm Rhabarber (für 10 bis 20 Pfennig) mit Liter kochendem Wasfer aufbrüht, durchseiht und der Stärke zusetzt. Diese Menge genügt für ein Paar Gardinen.
Gesundheitspflege.
Das Schwitzen des Körpers wird gefährlich, wenn man sich in den Schatten legt oder wenn die Sonne hinunter ist. Infolge einer solchen Plötzlichen Abkühlung kann man sich leicht eine Lungenentzündurg, Nervenschmerz, Rheumatismus, ja selbst den Starrkrampf zuziehen, Fälle, wie sie bei Arbeitern, namentlich auch zur Erntezeit, infolge von Erkältung eintraten, wenn sie in Schweiß gebadet, sich ins frische Gras oder an einen andern kühlen Ort legten. Solche Erkältungen sind in wollenen und baumwollenen Hemden viel weniger zu fürchten, als in leinenen. Bei der Rückkehr nach Hause soll man alsbald als möglich trockene Wäsche anziehen und so lange, als man es thun kann, sich in Bewegung erhalten, namentlich wenn der Wind geht.
Mundwasser gegen übelriechenden Atem erhält man aus einer Lösung von übermangansaurem Kalt, dasselbe liefert jedes Drogengeschäft. Für zehn Pfennig Kali genügt zu einer ^4 Liter enthaltenden Flasche, in welche die dunklen Körnchen htneingeschüttet werden. Durch Hin- und Herschütteln nimmt die Flüssigkeit eine rot-violette Färbung an. Es genügt sehr wenig von der Lösung, um ein Glas mit lauwarmen Mundwasser blaßrosa zu färben- ein Zuviel könnte leicht die Zähne dunkel färben, wenn dieselben nicht nachgeputzt werden.
Redaktion: «. Burkhardt. — Druck mtb Verlag der Brühl'scheu UmversitätS-Buch. und Steindruckcrei (Pietsch Erben) in Gieße«.


