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Brust, als erprobe er seine Kraft, dann tippte er auf die Glocke.

Niemand kam.

Erregt stampfte er mit dem Fuße und schlug mit der flachen Hand wiederholt auf den Drücker. Frau Opel kam erschrocken hereingestürmt.

Holaus hätte seinen Auftrag lieber an jemand anders erteilt.

Fräulein Marie soll zu mir kommen. Nun, auf was warte« Sie denn noch? Rasch! Rasch!*

Nur nicht zu rasch, Herr Holaus, wenn ich mir er­lauben darf/ meinte Frau Opel noch immer zögernd. Fräulein Marie ist nämlich nicht recht wohl zurückgekehrt von dem Ritt. Sie klagt über Kopfschmerzen, fie ist ganz schlecht bei einander. Aber ich hab's ja gleich g'sagt, das Reiten mit dem Herrmann wird ihr auf die Dauer kein gut thun, setzte die Frau in scharfem, accentuiertem Tone hinzu.

Ei, das ist ja das neueste," erwiderte etwas spöttisch Holaus.So viel ich weiß, waren Sie lange Zeit sehr eingenommen dafür. Doch das ist ja jetzt gleichgültig. Es wird besser sein, ich suche Marte selbst auf. Räumen Sie unterdes ein wenig hier auf und lüften Sie vor allem."

Holaus ergriff seinen Hut und stürmte an der sprach­losen Frau vorbei zum Zimmer hinaus.

Er hatte Marie ihren innigsten Wunsch erfüllt und ihr für den Sommer ein kleines, zierliches Gartenhaus, aus Holz aufgeführt und mit allem Komfort eingerichtet, welches mitten im Parke stand, eingeräumt.

Hier hauste sie in idyllischer Abgeschiedenheit mit ihrem Mutterle", Frau Opel.

Holaus überraschte fie im Gartensalon, auf dem Boden fitzend, das Haupt an eine Ottomane gelehnt.

Sie war noch im Reitkleide, nicht einmal die Hand­schuhe hatte sie abgelegt. Auf dem Boden lag eine Reit­gerte ein blauer Schleier.

Das ganze bot nichts weniger als bräutliche Stimmung.

Sie hörte ihn nicht einmal eintreten, und Holaus genoß einen Augenblick in männlichem Egoismus diesen Anblick, der ihm neue Hoffnung gab.

Marie!"

Sie sprang auf und warf sich schluchzend an seine Brust. Lange schwiegen beide.

Nur ein Wort, Marie liebst Du ihn?"

Sie fühlte das Zittern seiner Hand auf ihrem Scheitel, das Pochen seines Herzens an ihrer Brust.

Ich weiß es nicht."

Frage Dein Herz, lausche in Dein Inneres."

Laß mich ber»Dir bleiben immer immer."

Das wirst Du nicht immer können. Ein anderer wird Deiner begehren und wieder ein anderer, und einem mußt Du folgen. Wenn dieser Grund allein Dich leitet dann rate ich Dir selbst wenigstens werden wir uns immer nahe sein nicht ganz getrennt liebst Du ihn? Ich muß es wissen. Liebst Du ihn?"

Eisern umklammerte sie seinen Arm, die Sinne drohten ihr zu schwinden.

Ich bin ihm gut, er ist schön, er ist stark. Ist er bet mir, blickt ec mich an, dann glaube ich oft, ihn zu lieben. Ist er fort, ist alles vorbei, nur ein schwüler Traum. Ich verstehe mich selbst nicht- entscheide Du!"

Noch inniger schmiegte sie sich an den unter der süßen Last schwankenden Vater.

Er sollte urteilen, er der Richter sein. Ward je Qualvolleres auferlegt?

Und doch mußte es sein- er durfte seine Hilfe nicht versagen.

Trägst Du kein anderes Bild im Herzen, das neben dem Deines Gatten nicht bestehen dürfte?"

Nur eins, das Teuerste, Liebste, und das darf wohl ewig bestehen neben ihm Deines, Papa."

Alle List war umsonst, alle schlau gestellten Fallen ver­sagten. Dieses Herz liebte ihn über alle Maßen- aber mit der Reinheit eines Kindes. Vergebens suchte er den reinen Quell durch eine Leidenschaft zu trüben. Sie war und blieb sein Kind und wird nimmer seine Geliebte werden.

Was hindert Dich denn, seine Werbung anzunehmen," versetzte Holaus rauh, ihre Umarmung lösend, daß Marie, aus ihrer innigen Zärtlichkeit aufgeschreckt, ihn ängstlich anblickte.

Er ist ja reich, er wird Dich auf den Händen tragen, außerdem ist er mein Geschäftsfreund, Du wirst im Hause bleiben, in meiner Nähe. Du kannst Dir ja nichts Befferes wünschen."

Er sprach das alles so gereizt. Eine ernste Trauer umflorte seine Stimme. Nie erschien Marie dem Vater so schön von Antlitz, so liebenswert.

Also darf ich ihm Dein Jawort bringen?" fragte er dann nach einer längeren Pause, sich schon zum Gehen wendend.

Marie zögerte noch einmal. Es war ihr, als müffe sie in den lieben, ernsten Augen des Vaters, die starr auf sie gerichtet waren, ihr Schicksal lesen.Ja denn, es wird am besten sein."

Sie sprach es wie unter irgend einem inneren Zwange, gepreßt, Silbe für Silbe und floh hinaus.

Der Flieder duftete so stark wie einst, als er fie auf der Wiese haschte.

Holaus blickte lange gegen die Thür, welche sich hinter ihr schloß, dann schlug er sich, sich selbst verlachend, vor die Stirn und ging der Villa zu.

Es dunkelte bereits.

Plötzlich schrak er zusammen. Eine dunkle Gestalt löste sich von einem Busche und trat dicht zu ihm.

Ich warne Sie," flüsterte sie.Wollt nur ein wenig inspizieren, wo das Mädel wohnt. Habe alles gesehen und genug gehört. Es wird nichts daraus!"

Da war er schon spurlos verschwundenFichtner! Sie werden schweigen! Ich will, daß Sie schwelgen!" Holaus flüsterte es in die Dämmerung hinaus. Keine Antwort!Fichtner!"

(Fortsetzung folgt.)

Gartenbetrachtungen im Dezember.

------- Nachdruck verboten.

Wtnterstürme blasen pfeifend durch die kahlen Baum­kronen, und von den vereinzelten bunten Beeren, die vor Wochen einen so eigenartigen, leuchtenden Schmuck mancher Ziergehölze bildeten, ist nicht mehr viel zu sehen. Ruhe in der schneebedeckten Natur, jedoch keine Ruhe für den Garten­freund.

Der Garten ist wohl bestellt: alle Beete sind fertig umgegraben und mit Kompost versorgt. Alle zarteren Pflanzen, Blumenzwiebelbeete, Rosen, Klematis sind sorg­fältig mit Matten, Tannenreisig, Torfmull rc. eingedeckt.

Kommen einige schöne Tage mit warmer Witterung, sofort müssen wir tagsüber die Decken entfernen, damit keine Verweichlichung oder gar eine Fäulnis der Pflanzen Eintritt. Ständige Beobachtung ist ganz unerläßlich, da die Witterung im Dezember keinen einheitlichen Charakter zeigt.

Eines besonderen Augenmerks bedürfen unsere Vorräte im Ueberwinterungsraume. Die Knollenpflanzen sind nachzu­sehen, und alle faulenden Teile zu entfernen.

Den Gemüsen im Keller gebe man, so oft es nur die Witterung am Tage erlaubt, d. h. wenn die Luft trocken und rein ist, selbst bei 1 bis 2 Grad Kälte, doch nicht bei feuchtem, nebligen Wetter, und sei es auch nur auf kurze Zeit, frische Luft; man wird bemerken, wie sehr dadurch das Faulen nnd Modern verhütet oder wenigstens aufgehalten wird.