639 —
„O Gott, das kann ich nicht allein tragen!" flüsterte sie aufspringend, „ich muß nach dem Gylfenhofe."
Aber eS war schon spät und dort lag ein Sterbender - sie mußte sich gedulden, eine lange Nacht.
Der Brief des Pfarrers lautete:
Mein liebes Fräulein!
Voll herzlicher Teilnahme habe ich seit unserem Abschied Ihrer gedacht und darum ließ ich eine sich bald bietende, günstige Gelegenheit nicht vorübergehen, im Schmalenberger Kirchenbuche nach den Namen Ihrer Eltern zu suchen. Wohl fand ich richtig den Namen Jungfrau Helene Rinne- wart, doch der des Bräutigams lautet nicht Wendelin, sondern: Erich von Gylfen. Sollte da doch ein Irrtum vorliegen? Sie werden es am besten wissen, ich gebe Ihnen diese Notiz, weil ich es versprochen habe, aber vielleicht ist sie ohne Wert für Sie. Mit herzlichem Gruße Ihr
gehorsamster Nolte, Pfarrer.
(Fortsetzung folgt.)
Gartenbetmchtungen für den Monat November.
------- (Nachdruck verboten.)
Zu Beginn des Winters soll der Rasen sauber und kurz sein, weil er sonst in nassen Wintern ausfault und dann im Frühjahr erneuert werden muß. Man entferne daher die ÄondenBäumengefallenen welken Blätter wiederholt mit Harke oder Besen vorsichtig, d. h. ohne Verletzung der Grasnarbe und beschneide das Gras bei trockenem Wetter möglichst noch ein letztes Mal mit der Maschine. Dann beginnt die Düngung - am besten wird gute Kompost- oder Miftbeeterde dünn über die grüne Fläche geworfen und dann mit der Harke so verteilt, daß das Gras nicht ersticken kann. Wo viel Moos auftritt, da lege man die Rasenflächen durch Auffüllungen höher und damit trockener oder sorge für rationelle Drainage des Bodens. Für vermooste Rasenflächen empfiehlt sich Holzasche.
Der November ist der beste Pflanzmonat für Obstbäume, besonders für alle leichteren, warmen Böden. Mit dem Einpflanzen beginnen wir so zeitig wie möglich, dann können die Obstbäume vor Winter noch neue Wurzeln bilden und treiben im kommenden Frühjahr rascher aus. Bei allen im Herbst gepflanzten Bäumen wird die Baumscheibe mit Dünger belegt, ein Angießen empfiehlt fich nur in sehr trockenen Böden.
Unsere sämtlichen Laubbäume zeigen eine Rindenbildung, die im höheren Alter Risse bildet und ganze Rindenplatten abstößt. Diese Risse und Rindenplatten sind natürliche Schlupfwinkel für Insekten und begünstigen in nassen Lagen das Ansetzen von Moos und Flechten. Es ist deshalb unbedingt erforderlich, alle 2 bis 3 Jahre diese lose Rinde zu entfernen. Die beste Zeit dazu ist jetzt gekommen. Als Instrumente dazu verwendet man Baumscharren, Stahldrahtbürsten oder stumpfe Reisigbesen. Die entfernten Rindenteile find wegen der anhaftenden Insektenbrut zu verbrennen. Man kratze aber nicht so heftig, daß man durch Bloßlegen der grünen Rinde den Baum schädigt.
Nach Beendigung dieser Arbeit ist der Baum von unten bis in die Hauptäste hinein mit frisch gelöschtem Kalk anzustreichen. Dieser Anstrich schützt die Bäume vor Frostschäden, hindert das Ablegen von Eiern der Schädlinge, vernichtet Moose und Flechten und erhält die Rinde glatt und lebensfähig. Liebt man die gespensterhaft bleichen Gestalten in seinem Garten nicht, so mische man etwas Ruß unter die Kalkmilch, die dadurch eine annähernd rindenfarbige Färbung erhält.
Aus dem Gemüsegarten werden nunmehr, wo es im Oktober noch nicht geschehen ist, alle Sorten, welche für den Winter in den Keller kommen sollen, herausgenommen, z. B. die roten Rüben, Kohlrüben, Möhren, Haferwurzeln, Rapontika rc. Zur Ueberwinterung ist ein guter, leicht
lüftbarer Keller, der nicht groß ist und in dem die Temperatur nicht unter den Gefrierpunkt sinkt und nicht über + 5 Grad. R. steigt, am geeignetsten. Auf aus Holz errichteten Stellagen legt man hier die Blumenkohl- und Krautköpfe dicht gedrängt und unter diese Stellagen, also an die dunkelste Stelle, bringt man die verschiedenartigen Bleichgemüse, indem man sie in den sandigen Boden einbettetet. Die Wurzelgemüse werden an die Wände in halbrunden oder nach der Mitte des Kellers hin auf runde Haufen derartig aufgeschichtet, daß alle Wurzelspitzen nach innen kommen und immer auf eine Wurzelschicht eine Sandschicht folgt. Sellerie und Lauch können im Freien eingeschlagen werden. Spinat, Feldsalat, Kerbel, Rosen- und Blätterkohl bleiben unberührt im Freien, sind aber gegen Hasenfraß zu schützen.
Mitte des Monats können wir die ersten Hyazinthen rc., wenn sie in den Töpfen und Gläsern gehörig durchgewurzelt find, zum Treiben ins warme Zimmer nehmen. Wer mit Luftwärme und Oberlicht arbeiten kann, ist freilich am besten daran, denn gerade bei dem Frühtreiben ist das Steckenbleiben der Blüten häufig. Wir stülpen also, um vor allem ein Hochwachsen der Triebe zu erzielen, Papierdüten über diese. Je höher der Trieb emporwächst, ehe er sich oben öffnet, desto vollkommener wird die Blume. Die Nahrungsaufnahme ist anfangs gering, stark dagegen die Wafferaufnahme, da die erste Entwickelung ja nur in der Streckung der vorbereiteten Zellen liegt, welche hauptsächlich durch Wasser bewirkt wird, deshalb vermögen wir solche Zwiebeln auf Wasser zu treiben, die viel Reservenahrung beherbergen. Die frühesten Hyazinthen find la Romaine blanche und Homerus, dann folgen die verschiedenen l’amie du coeur und die weißgefüllte la Tour d’Auvergne.
Von Tulpen nehmen wir die Duc van Tholl - Arten, deren früheste die gelbrandige ist.
Ein eigentümliches Knollengewächs ist Sauromatum venosum, eine Zimmerpflanze, die ohne Wasser und Erde eine ca. */2 Meter lange Blume entwickelt. Man lege die Knolle auf das Fensterbrett, es erscheint im Laufe deS Winters ein Schaft, der zum Schluß eine lange bräunliche Blüte entwickelt, die mit dunklen Streifen und Punkten belegt ist. Eine sehr interessante Pflanze.
Bei den Zimmerpflanzen, namentlich bei den größeren, wird von den meisten Pflanzenfreunden gewöhnlich ein großer Fehler begangen. In der Eile wird meistens das Beguß- wasser nach der Mitte, also an den Stamm, geleitet. Dort entsteht dann allmählich eine Höhlung. Das ist falsch und ungesund. Die Erde soll um den Stamm erhöht werden und nach der Seite hin abfallen. Dann senkt sich das Wasser an dem Topfrand in die Erde, also dort, wo die Saugwurzeln sich angelegt haben, welche vermittelst ihrer Wurzelhaare die Nahrung aufsaugen. Im anderen Falle wird das Wasser den inneren und älteren Wurzelteilen zugeführt und dadurch häufig Fäulnis verursacht.
I. C. Schmidt in Erfurt.
Gemeinnütziges.
Vergoldete Bilderrahme» und Spiegel zu reinige«. Man muß dabei äußerst vorsichtig verfahren, weil das Gold nur sehr dünn aufgetragen ist und bei seiner Weichheit leicht abgerieben wird. Wenn jedoch Fliegenschmutz oder sonstige Unreinigteiten eine Reinigung durchaus erforderlich machen, so bediene man sich einer Mischung von 10 Gramm Salnttak- geist und 40 Gramm SetfenspirituS, tauche Watte in diese Flüssigkeit und reibe damit nur ganz leicht die Vergoldung, bis dieselbe rein erscheint.
Futzdodenattstrich. Einen schönen dauerhaften Anstrich für weiche Dielen erhält man wie folgt: 1 Kilo Tischlerleim, 30 Gramm gepulvertes doppelchromsaures Kali, 100 Gramm Aniltnbraun, 10 Liter Wasser werden in einem Blechgefäß zusammengemengt und erst nach sechs Stunden allmählich bis


