Nachdruck verboten.

Die Sünden der Väter.

Roman von Osterloh.

(Fortsetzung.)

Zwei Stunden später ließ er sich noch einmal melden. Die Familie war beim Scheine der grünbeschirmten Hänge­lampe um den runden Tisch im Wohnzimmer versammelt. Konrad, der zehnjährige, zernagte gerade in Verzweiflung seinen Federhalter, denn die Reihe, dem Papa zu schreiben, war an ihm, und er suchte seit einer Viertelstunde vergeblich nach irgend einer mitteilenswerten Begebenheit.

Es will auch rein gar nichts passieren," jammerte er.Das letztemal war wenigstens ein Droschkenpferd durchgegangen, und bei Schulzes hatte der Blitz einge­schlagen."

Die Geschwister hatten ihm schon verschiedene Ratschläge erteilt, was er in Ermangelung solcher großen Naturereignisse dem abwesenden Vater berichten könne, ohne indessen Konrads Geschmack zu treffen.

Schreibe dem Papa, daß es uns gut geht, und daß ihr artig seid. Das ist genug und wird ihn freuen," rief die Mutter aus dem Nebenzimmer. Sie saß am Bett der kleinen Lotte, um mit ihr zu beten.

Lieber Gott, mach' den Papa ganz gesund, und er soll bald wieder kommen.Amen!" schloß das Kind und streckte der Mutter ihr rotes Mündchen zum Gutenachtkuß hin. Da kam das Dienstmädchen und meldete, der Rechts­anwalt Ziel sei draußen und wünsche Frau Andree einen Augenblick zu sprechen.

Der ist doch eben erst dagewesen," bemerkte Leonhard verwundert, und Frau Andree ließ ihn bitten, hereinzu­kommen.

Nein. Er sei eilig und müsse sie allein sprechen.

M

huiuii,'

jedem Frühling blüht auch dir jKMr Ein Blümchen, ist's auch noch so klein, Von jeder Wonne glüht auch dir Ein Schimmer in das Herz hinein.

Nur mußt du dich zufrieden geben . . . Erzwingen läßt sich keine Lust . . .

Was dir von selbst nicht gießt das Leben, Bleibt ewig ferne deiner Brust. H. Seidel.

Der Vorsaal war nicht erleuchtet. Nur die kleine Küchenlampe, die das Mädchen beim Oeffnen der Thür auf das Fensterbrett gestellt hatte, verbreitete ein spärliches Licht. Ziel kam rasch auf Frau Andree zu.

Entschuldigen Sie, daß ich störe," begann er hastig mit gedämpfter Stimme.Ich habe soeben ein Telegramm erhalten. Schlechte Nachrichten von Ihrem Manne."

Ist er krank?"

Ziel bejahte.

Hoffentlich nicht gefährlich?" fragte sie noch immer ahnungslos. Sie vermochte in dem herrschenden Halbdunkel die angstvoll gespannten Züge ihres späten Besuchers nicht zu erkennen. Dieser ward ein wenig ungeduldig, weil sie gar nicht begriff.

Ich fürchte doch. Ich ich will noch heute abend nach Karlsbad fahren um um mich zu überzeugen, und und ich hielt es für richtig, Sie vorher zu benach­richtigen, Frau Andree."

Sie reisen?" Jetzt erst wurde sie wirklich ängstlich. Ich komme mit Ihnen. Wenn er krank ist, wird er meiner Pflege bedürfen. Aber sagen Sie, wie ist das nur so plötz­lich gekommen? Sein Magenleiden? Oder die Kopfschmerzen? Wissen Sie nichts Näheres über die Natur der Krankheit?"

Nein, nichts," erwiderte er kurz.In einer Stunde geht der Zug. Wenn Sie wirklich mitreisen wollen"

In einer Stunde! So schnell. Natürlich reise ich mit. Wenn Sie vielleicht den Kindern erklären wollten, was geschehen ist, unterdes mache ich mich reisefertig."

Sie drängte ihn in das Wohnzimmer, während sie selbst in die Schlafstube ging. Im Augenblicke überlegte sie, was mitzunehmen und anzuordnen sei. Sie hatte ein ruhiges, phlegmatisches Temperament und verlor nicht so leicht den Kopf.

Der Rechtsanwalt teilte den Geschwistern inzwischen die betrübende Nachricht mit.

Wo ist die Depesche?" war Marthas erste Frage. Ziel verfärbte sich.Ich habe sie nicht bei mir."

Das ist nicht wahr!" rief Martha erregt.Ich bitte, geben Sie mir die Depesche."

Er antwortete ausweichend.

Was ist mit Papa?" flüsterte sie dringender, bemüht, außerhalb Hörweite der Geschwister mit ihm zu sprechen. Sie verheimlichen uns etwas. Sie wissen ntehr als Sie sagen. O, so reden Sie doch, reden Sie!"

Er konnte ihre forschenden Blicke nicht ertragen und