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Geschäft gewesen, zu dem ich wenigste»-, bei meiner völligen Erschöpfung, nicht die nötigen Kräfte besessen hätte.
Bei diesem Tturm zeigte sich so recht, daß wir eine tüchtige Mannschaft waren und Mut hatten. Ich erinnere mich, daß ich damals im stillen dachte: wenn ich jemals den Befehl über ein Schiff erlangen sollte, würde ich mir nie willigere und fleißigere Leute wünschen können. Jedoch qll unser Eifer fand keine Gnade in den Augen des Maats - denn jetzt, wo er uns sehen konnte, fluchte er wieder auf uns, nannte uns ein Pack fauler Lumpenhunde, stampfte mit den Füßen aufs Deck, schüttelte seine Fäuste gegen uns und bedrohte Klein - Welchy mit einem Splißeisen. Solche Behandlung hätte genügt, eine plötzliche Meuterei zu erregen, und nach der Stimmung der Leute zu urteilen, würde das unkluge Verhalten des Maats sehr verhängnisvolle Folgen gehabt haben, noch ehe die Sonne eine halbe Stunde höher gestiegen war, wenn wir nicht einerseits durch eine Art Apathie, infolge körperlicher Ermüdung, zurückgehalten worden wären, andererseits durch das Bewußtsein der Gefahren, in denen die Brigg bei dem anhaltenden, wütenden Sturm noch immer schwebte.
Um sieben Glasen, als es auf Deck nichts mehr zu thun gab, wurden wir zum Frühstück entlassen. Wir der» ließen das Deck total ermattet, und, trotz der warmen Breiten, in denen wir uns befanden, durchschauert von Kälte, denn der Wind war beinahe eisig. Finster und murrend betraten wir die Luke.
Die Tyrannei des Maats, welche der Kapitän unter- stützte, begann auf uns alle ihre Wirkung zu üben. Bisher war die Schwungkraft unseres Geistes wetterfest gewesen gegen eine Behandlung, die in wenigen Wochen alles Überboten hatte, was in dieser Beziehung irgend einer von uns nur je erlebt hatte. Nun aber fingen wir an zu erlahmen, und die natürliche Leichtgläubigkeit des Seemanns, welche selbst im Angesicht des Todes sich allen Gefahren überlegen zeigt, ging uns unter dem Despotismus dieser beiden Menschen allmählich verloren.
Schweigend genossen wir unser Frühstück, wechselten wir unsere Kleider und rauchten wir unsere Pfeifen. Einige streckten ihre erschöpften Glieder für eine kurze Zeit der Ruhe auf die Pritschen. — Jeder Mensch, und wäre sein Vorurteil gegen Seeleute noch so groß gewesen, hätte uns bemitleiden müssen. In den dunklen Raum, wo wir uns befanden, stürzte das Wasser eimerweise durch die Luke, und nur eine erbärmliche Lampe, die an einem geschwärzten Balken schaukelte, warf ihren düsteren Schein umher. Unsere Mahlzeit nach der Arbeit einer so schweren Nacht war derart, wie sie kein Bettler im Armenhaus auch nur angesehen haben würde. Dazu kam, daß einige unter uns keine trockenen Kleider besaßen, sich keinerlei Bequemlichkeit zu verschaffen vermochten, und uns allen bei der entsetzlichen, fortwährend stoßenden Bewegung des Schiffes nicht die geringste Ruhe vergönnt war. Bald fuhren wir gen Himmel, bald tauchten wir unter dem fürchterlichen Brausen, Zischen und Kochen des Waflers hinab in den schwarzen Grund der Wogen. Die unausgesetzte Notwendigkeit, sich an irgend einem festen Gegenstand mit aller Kraft anhalten zu müssen, machte unsere Knochen schmerzen bis ins Mark hinein.
Um acht Glasen wurde, gegen alle unsere Erwartung, nur die Wache auf Deck gerufen, und da somit die Backbordwache, zu der auch ich gehörte, Freiwache hatte, legten wir unS nieder und schliefen schließlich bei unserer Ermüdung auch wirklich ein. Als wir dann um die Mittagszeit die Steuerbordwache ablösen mußten, fanden wir zu unserer großen Ueberraschung blauen Himmel, eine frische Brise und die Wache beschäftigt, Segel zu setzen. Keine Spur des Ungewitters, dem wir beinahe zum Opfer gefallen wären, war noch vorhanden. Leicht und anmutig glitt die Brigg über die sich tummelnden grünen Wogen, deren schäumende Kämme das einzige Zeichen der Aufregung bildeten, in welcher
die See sich noch vor kurzem befunden hatte. — Heller Sonnenschein lag freilich lagend auf Schiff und Wasser.
(Fortsetzung folgt.)
Die Papiermühlen zu Sittingbomne.
Bon Fred Ho ob (Charlottenburg).
------- (Nachdruck verboten.)
Vor einigen fünfzig Jahren gründete ein gewisser Eduard Lloyd in London eine Zeitung, die „Lloyds Newspaper^, welche heute eine notariell beglaubigte Auflage von 600 000 Exemplaren aufweisen kann. Die Papiermenge, welche diese Zeitung erforderte, wurde mit der Zeit so umfangreich, daß Mr. Lloyd im Jahre 1861 in Bow am Lea-Fluß eine Mühle erbaute, um sein Papier selbst zu fabrizieren und auch sonst die Presse nach Möglichkeit zu versorgen.
Dann erwarb Mr. Lloyd im Jahre 1877 die „Wecken- well News", ein Lokalblatt, das zweimal wöchentlich erschien und verwandelte es in eine große Tageszeitung, den „Daily Chronicle", bekanntlich eine der einflußreichsten Zeitungen Englands, mit einer täglichen Auflage von 150000 Exemplaren.
Dieser immense Erfolg der beiden Zeitungen und die Nachfrage anderer Journale nach Lloyd's Papier machte die Erwerbung eines größeren und besseren Terrains für die Mühlen notwendig.
Man fand es in dem Orte Sittingbourne am Swale, einem Nebenflüsse des Medway und zwar unweit der Mündung desselben in die Themse. Hier entstanden nun die berühmten Mühlen Mr. Lloyd's, vielleicht die bedeutendsten der Welt. Sie werden von zweiundvierzig klaren Quellen gespeist, welche hier aus den Kalkfelsen hervorsprudeln und denen das Papier seine Reinheit und Sauberkeit schulden soll.
Wir wissen, billiges Zeitungspapier wird heute nicht mehr aus alten Lumpen und Makulatur, sondern einem weit billigeren Material, dem Holzstoff, hergestellt.
Diesen Stoff bezieht die Fabrik aus Norwegen. Sie hat ihre eigenen Mühlen in HönefoS, nicht weit von den Häfen von Christiania und Drammen. In der Nähe von HönefoS liegen große Edeltannenwälder, welche der Fabrik jährlich an 200 000 Stämme liefern. Sie werden den Wasserfällen überlassen und schwimmen unbegleitet zu den Mühlen hinab, wo sie in Holzstoff verwandelt werden.
Erzielt werden jährlich 30 000 Tonnen Holzstoff, welche jedoch bei ihrem großen Wassergehalt ein Gewicht von 60 000 Tonnen aufweisen. Aber das genügt keineswegs, um den ungeheueren Bedarf der Papiermühlen zu decken, vielmehr muß noch Material aus kanadischen und deutschen Wäldern hinzuerworben werden.
Von Norwegen wird der Holzstoff bis Sheerneß in Dampfern gebracht und dann von Sheerneß in Booten nach den Papiermühlen überführt- zwei Wochen später haben sich die stattlichen Bäume des norwegischen Waldes in eine Zeitung verwandelt, welche John Bull behaglich auf seinem Frühstückstisch ausbrettet.
In Amerika ist mau aber noch fixer. Dort wird dar Holz des lebenden Baumes innerhalb vier Stunden in das bedruckte Zeitungsblatt verwandelt. Um das zu erreichen, müssen natürlich die Druckerpresse und die Mühle im Herze« des Waldes gelegen sein.
Es giebt zwei Arten> Holzstoff, den auf mechanischem Wege gewonnenen Holzschliff und die Holzcellulose, ein chemisches Produkt, das vorzüglich durch das sogenannte Sulfitverfahren, d. h. durch Behandlung des Holzes mit schwefliger Säure gewonnen wird- seltener gebräuchlich ist das Natrouverfahren. Beide Arten Holzstoff finden in der Papierfabrikation gemeinsam Verwendung. Die Proportionen wechseln mit der Qualität des Papiers - je größer die Menge der Cellulose ist, um so besser ist die Qualität. Beide Produkte sind aber erforderlich. Der Holzschliff giebt dem Papier


