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iorgfältiger Reinigung und Wäsche genießen, umso mehr als dasselbe, ehe eS an den Konsumenten kommt, durch eine Reihe oft recht unsauberer Hände gegangen ist. Bei Weintrauben empfiehlt sich diese Reinigung noch besonders aus dem Grunde, weil bei den vielfachen Erkrankungen des Weinstockes die Bespritzung der Weinkulturen mit Kupfervitriollösung und anderen Stoffen allgemein üblich geworden ist, die für den Körper durchaus nicht gleichgültig sind und nach der Bespritzung auf den Beeren eintrocknen.
Nicht mit Unrecht klagt man im Volksmunde über schlechtes Bier in der Zett, wo die Zwetschen reif sind. Die kleineren Brauereien in ländlichen Bezirken, die ein Bier verkaufen, welches in der Regel schon wenige Tage darnach getrunken wird, liefern um diese Zeit in der That ein Getränk, zu deflen Bewältigung ein Entenmagen erforderlich ist. Aber auch die großen Brauereien, welche über die modernsten Kühlvorrichtungen verfügen, produzieren dann ein etwas minderwertiges Produkt, das, wenn es offen steht, einem schnellen Verderben ausgesetzt ist. Wenn man dann Augenzeuge davon ist, wie selbst in großen Gastwirtschaften noch immer trotz aller gegenteiligen Versicherungen das Abtropfbier, der sogenannte „Hansel", zum Auffüllen der Gläser benutzt wird, so bekommt man eine leise Ahnung, daß manches Unwohlsein in dem Genüsse dieses zweifelhaftesten Bierzusatzes seine Ursache hat, und man kann es manchen Braven nicht so sehr verdenken, wenn er, um die Antisepsis der Verdaung zu erhöhen, ab und zu einen Kümmel, einen Nordhäuser oder sonst einen starken Alkohol genießt. Daß die Kombination von Bier und Obst doppelt und dreifach gefährlich ist, dürfte zu bekannt sein, um noch besonders erwähnt zu werden. Mischungen wie Früchte und saurer Rahm 2C. sind überhaupt eine Herausforderung an die Natur und sollten von jedem, der keinen taktfesten Magen hat, gemieden werden.
Auch in anderer Beziehung kann die Herbstzeit recht gefährlich werden. Mancher, der den ganzen Sommer über, gleichviel, ob das Wasser kalt oder warm, frühmorgens kalt gebadet hat und sich gegen jede Erkältung gefeit glaubt, wird im Herbst plötzlich von einem schweren Katarrh und Schnupfen befallen, der ihn daran erinnert, daß die Logik seiner Abhärtungsmethode ein Loch hat. Die sinkende Wassertemperatur trägt daran nicht die Schuld; denn bei richtiger Anwendung des kalten Bades kann ein gesunder Körper auch Wassertemperaturen von 8° R. und darunter ohne Erkältungsgefahr ertragen. Wenn man aber aus dem kalten Bade, gleichviel, ob die Temperatur desselben einige Grade mehr oder weniger warm ist, heraussteigt und den entblößten Körper der bewegten kalten Morgenluft aussetzt, entsteht plötzlich eine derartige Verdunstungskälte auf der Körperoberfläche, daß sich die Haut eiskalt anfühlt. Die Blutgefäße ziehen sich rapid schnell zusammen; das ganze Blut wird nach dem Körperinnern geworfen, und das Resultat dieser bedeutenden Veränderung des Blutdrucks tritt alsbald in den Krankheitserscheinungen einer intensiven Erkältung zu tage. Die Voraussetzungen hierzu sind nun besonders im Herbste gegeben, wenn die noch immer leidlich hohen Wassertemperaturen den Verehrer des kristallenen Nasses zum Baden locken, während die Temperatur der Morgenluft sich bedenklich dem Nullpunkt nähert. Uebrigens wird alle Gefahr vermieden, wenn man sich nicht dem Lufthauche aussetzt und für eine ausgiebige Blutzirkulation sorgt. Der Kaltwasserfreund, der die Gepflogenheiten der Eisbären angenommen hat, begebe sich daher nach dem Verlassen des Bades sofort in einen geschlossenen Raum und lasse sich den Körper frottieren, bis tüchtige Rötung der Haut eintritt. Dann ziehe man sich schnell an und unternehme einen Spaziergang in flottem Tempo, womit jede Gefahr- übler Folgen beseitigt ist.
Erkältungsgefahr bedroht uns auch, wenn wir im
Herbste den Uebergang zu einer wärmeren Bekleidung nicht rechtzeitig vollziehen. Es ist am Mittag und Nachmittag noch so sommerlich warm, da der Himmel meist klar ist, und man glaubt daher, auch abends noch ohne wärmere Kleidung auszukommen. Wer nun gewöhnt ist, Trikotunterkleider, besonders wollene, zu tragen, wird bei dem abendlichen Sitzen im Freien wohl weniger leicht zu Schaden kommen; wer aber Leinenwäsche auf dem bloßen Leib trägt, wird für seine Unvorsichtigkeit sich sehr bald durch einen argen Schnupfen bestraft sehen. Daher heißt es, zur rechten Zeit für eine wärmere Kleidung für die Abende Sorge tragen. Am besten ist es, diesen Uebergang zur Wintertracht allmählich in mannigfaltigen Abstufungen zu vollziehen, und man braucht keinen überreich gefüllten Kleiderschrank zu besitzen, um sich je nach der Temperatur angemessen leicht oder schwer anzuziehen.
Im engsten Zusammenhang hiermit steht das unvorsichtige Sitzen im Freien zur Nachtzeit, wie es namentlich in den Konzertlokalen und Biergärten künstlich großgezogen wird. In den kleinen Orten, wo das Tagewerk früher beginnt und früher endet, wo überhaupt noch nicht die Jagd nach Erwerb die beängstigenden Formen der Großstadt angenommen hat, geht man zeitig schlafen. Der Großstädter aber fordert nach des Tages Mühen auch feine Zerstreuungen und Vergnügungen, und findet diese am mühelosesten und billigsten in den bis tief in den Herbst hinein noch in vorgerückter Stunde mit Menschen gefüllten Biergärten. Diesen Gewohnheiten der Bevölkerung hat nicht mit Unrecht eine Münchener medizinische Kapazität vor einigen Jahren das häufige Auftreten von Erkältungskatarrhen und Lungenerkrankungen in der bayerischen Hauptstadt zur Last gelegt, die durch ihre hohe Lage ohnehin ein ungewöhnlich rauhes Klima aufweist.
Es wäre Pharisäertum, sich über das Gartensitzen der großen Massen aufzuhalten; der reiche Mann kann auf der Terrasse seiner Vorstadtvilla, der biedere, solide Familienvater mit Tabakspfeife und Schlafrock auf seinem Küchenbalkon in einer kühlen Herbstnacht sich natürlich ebenso eine Erkältung zuziehen, wie diejenigen, welche die Biergärten bevölkern.
Im Herbste heißt es aber am meisten auf seine Gesundheit Obacht geben; ein im Frühjahr zugezogenes Leiden findet günstigere Heilungsbedingungen, weil der freundliche Sommer vor der Thür steht, nach dem Herbste aber harrt unser der licht- und luftlose Winter mit seinen Unbilden.
Arithmogriph.
Nachdruck verboten.
1 8 3 5 2 wichtige Getreidepflanze.
2 3 10 2 ein Planet.
3 2 8 1 2 3 Vogel.
4 8 2 9 2 nützliches Insekt.
5 2 8 9 2 französischer Fluß.
6 8 9 6 2 vielgebrauchte Flüssigkeit.
7 2 5 6 2 9 Himmelsrichtung.
8 4 5 2 9 nordischer Dichter.
9 8 2 10 kleiner Fluß.
10 3 2 8 ein Zahlwort.
Die Anfangsbuchstaben der gefundenen Wörter bezeichnen einen bekannten Boten für die Ankunft der kälteren Jahreszeit.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung der Schachaufgabe in voriger Nummer: Weiß. Schwarz.
1. T e 4 — e 3 b 6 — b 5.
2. D c 4 — f 4 f K d 6 — c 5.
3. D f 4 — c 7 f und matt.
W«battio!t: E, Burkhardt. — Druck und Berlag der Brühl'jchm UmversttStS-Buch- und Steindrucker« (Pietsch Erben) in Gieße»,


