Ausgabe 
30.7.1898
 
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dirbt. Das ist nicht richtig, denn die Engländer und die Negerin den Tropen, welche von allen Völkern am meisten Zucker essen, haben bekanntlich die besten Zähne. Nur vor übermäßigem Genuß von solchen Süßigkeiten, welche Frucht­säuren enthalten, ist zu warnen, weil die Fruchtsäuren, nicht der Zucker, die Zähne angreisen.

Wir entnehmen diese Angabe einer jüngst in der Verlags­buchhandlung Paul Pareh in Berlin SW., Hedemannstr. 10, unter gleichem Titel erschienenen und zum Preise von 50 Pfg. zu beziehenden Broschüre, deren Lcctüre wir den Lesern empfehlen möchten.

GsineinnÄtziges.

Morchel. (Zeit der Bereitung 1^/2 Stunden. Fünf Per­sonen.) Morcheln müssen besonders gut gereinigt werden. Man entfernt die Stiele von 2 Liter Morcheln, schneidet die Pilze zurecht, bürstet sie mit warmem Wasser, setzt sie in kaltem Wasser aufs Feuer und läßt sie heiß werden. Dann rührt man sie um, legt sie auf ein Sieb, stellt dies in kaltes Wasser und wäscht die Pilze gut. Man wiederholt dies mehrere Male, drückt die Morcheln aus, dünstet sie in 40 Gramm Butter, thut etwas Wasser, i/i Glas Rothwein, 10 Gramm Liebigs Fleisch-Extract, Salz, Pfeffer und wenig Muskatnuß an und dünstet sie weich. Man bindet die ent­standene Brühe mit einem in Mehl gerollten Stück Butter und schärft sie mit etwas Citronensaft. Besonders passend zu Tauben und jungen Hühnern.

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Steinpilz. (Zeit der Bereitung zwei Stunden. Fünf Personen.) 3 Liter Pilze werden geschärft (von kleineren benutzt man auch den Stiel mit), in große Würfel geschnitten, kurze Zeit in siedendes Salzwasser, dann mit einer geschälten kleinen Zwiebel in 50 Gramm kochende Butter gethan, etwas Mehl tarüber gestäubt, Salz, Pfeffer, gewiegte Petersilie und 10 Gramm Liebigs Fleüch-Extrct daran gethan. Man dünstet sie langsam weich und giebt zuletzt einige Löffel sauren Rahm an das Gemüse. Man servirt es gern zu Beefsteak, Coteletten und gekochten Schinken.

Vermischtes.

Die Erfindung des Teufels. Natürlich meine ich das Siegele, also schreibt ein Mitarbeiter derDeutschen Wochenzeitung" in den Niederlanden. Nur eine Erfindung des Teufels konnte eine solche Umwälzung in unferm ganzen Leben, dem geschäftlichen, dem privaten und öffentlichen Leben, Hervorrufen, wie das Siegele sie auf dem Gewissen hat. In der ganzen wundersamen Geschichte des Handels und Wandels nimmt die wundersame Geschichte vom Fahrrad die allererste Stelle ein. Goldfieber, Diamantenfieber, Kohlenfieber und Petroleumfieber rangiren weit, weit zurück hinter dem Fahr­radfieber, das die ganze Welt erfaßt zu haben scheint. Ganze Industrien, die mit dem Tode bedroht waren, feierten in der Herstellung von Fahrrädern ihr Auferstehen. Vor fünf Jahren noch wurden in England, dem eigentlichen Vaterlande des Fahrrads, nur 60,000 Fahrräder gemacht und verkauft und jetzt zählen sie schon nach Millionen, und das Geld, daS in dieseVehikel des Teufels", wie sie jüngst wieder ein Oxforder Prediger nannte, gesteckt wird, ist nicht mehr zu berechnen. Nichts bleibt, als das Fahrradgeschäft, alles Andere ging zurück, ganz schrecklich zurück.Die Kirche?" so klagte jener Prediger, den ich vorhin erwähnte,die Kirche ift vergessen. Der Sonntag? nicht mehr der Tag des Herrn, sondern der Tag des Rades." Und das Theater? ein überwundener Standpunkt," könnten wir hinzufügen.

Die Vergnügungen von einst? veraltet, Alles veraltet. Juwelen? Uhren? Kleider? Unsinn. Ein Sportanzug 24 Mk. Das ist ein Ideal. Das ist chic, Tabak? Wer kann beim Radeln denn rauchen? Wein? Natürlich, damit man das Gleichgewicht verliert und sich den Hals bricht. Eisenbahnen? Wozu denn, wenn man auf dem Rade viel schöner und ebenso schnell vorwärts kommt? Und all diese Stoßseufzer sind so unberechtigt nicht. In den letzten fünf Jahren ist ein blühendes Gewerbe in England, der Suchhandel, merklich zurückgegangen. Nach gethaner Arbeit wird nämlich nicht mehr gelesen, sondern geradelt, nur die Sportlitteratur, namentlich die Radfahrlitteratur, nimmt überhand. Die Theater in England haben auch stark gelitten, der Seiuch ist nahezu auf die Hälfte gesunken. Der Kirchenbesuch hat, wie gesagt, ebenfalls gelitten, und wenn die Kirchen früher gut besetzt waren, so stehen sie jetzt zu einem Drittel während des Gottesdienstes leer, und natürlich nimmt dadurch auch die Frömmigkeit im Lande ganz wesertlich ab, da man keine Zeit mehr hat, fromm zu sein, sintemalen man radeln muß. Das Schrecklichste aber ist daß selbst Geistliche, und nicht nur Vikare, sondern selbst Vischöfe radeln! Die Wagen­fabrikation hat ebenso gelitten, wie der Pferdemarkt jetzt viel von seiner einstigen Sebeutung verloren hat.Ein Pferd frißt Heu und Hafer, und wärs der beste Traber, dem Rade kommts nicht gleich", so heißt's in einem Liede, dessen Consequenzen sich überall fühlbar machen. Daß gegen­wärtig 700 Millionen Cigarren weniger gebraucht werden als vor fünf Jahren, glaube ich bereits gesagt zu haben. Jedenfalls steht die Thatsache fest. Nun mag das freilich für die Cigarrenfabrikanten sehr unangenehm sein, die Frauen aber werden es dem Fahrrade nicht hoch genug in Anrech­nung bringen können. Und so scheint das Sichele denn doch nicht so ganz eine Erfindung des Teufels zu fein, denn Eines ist zweifellos: ein gesunderes Geschlecht wächst dadurch heran, und das Gebräu des Teufels, der Schnaps geht noch rapider zurück als alles Andere, ein richtiger Radfahrer nämlich will vom Alkohol nichts mehr wissen, er will sich seinen Geist klar und feinen Leib stählern erhalten, das kann er aber nur, wenn er dem Alkohol abschwört. Im Uebrigen wird der Fahrradrummel bald aufhören und zwar schon deshalb, weil jeder Mensch bald fein Fahrrad haben wird und kein weiteres braucht, ja, es verlautet sogar, künftig kämen die Säuglinge schon mit dem Fahrrade auf die Welt und das das wäre das Seste!

Wozu die Brücken sind? Ein Lehrer nimmt Heimathskunde mit seinen Schülern durch. Er beschreibt die Vaterstadt der Kinder eingehend und fragt endlich:Wozu dienen nun wohl die Brücken, die wir in unserer Stadt haben?" Da erheben sich mehrere kleine Finger, und ich weiß, ich weiß, Herr Lehrer," ertönt es von allen Seiten.Nun, wozu denn?" Damit das Wasser durch- fließen kann."

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Aus ber Schule. Lehrer:Wie viel Zähne hat ber Mensch?" Schüler:Den ganzen Munb voll!"

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M ißverstänbniß. Gatte (von ber Jagb zurück- kommenb):Denke boch, auf ber Jagb habe ich ganz zufällig ben Rentier Meyer getroffen." Gattin:Großer Gott! Doch nicht lebensgefährlich?"

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Im Tanzsaal. Herr Flotto:Verzeihung! Sinb Sie hier ber Oberkellner?" Tanzordner:Nein, ich bin derjenige, der die Paare zu Paaren treibt!"

Äetaction: ®. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'scheu ldckxrfitStt-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gieße«.