Tny &
AlArokus und Hyacinth
Seif’ unterwegs schon find, 's*” Veilchen reckt Händ' und Fuß', Maiglöckchen haucht: Gott grüß'!
Buchfink, neu ein quartiert, Sein Stücklein neu studirt, Amsel — sie flötet süß, Nachtigall singt: Gott grüß’!
Ein Engel lauscht hervor Am Regenbogenthor, Winkt nach dem Paradies, Lächelt: Gott grüß’! Gott grüß’!
Rudolf Kögel.
welche in dem Vorderhause emporführte, sondern ging Uber den Hofraum, den die hochragenden Seiten- und Quergebäude umschlossen, und eine Hintertreppe hinauf. Als er die vier Stiegen erklommen hatte, drückte er auf einen Knopf unter dem Namen „Frau Kubaitz".
Langsam näherten sich schlürfende Schritte, ein Schlüssel drehte sich, hinter der Sicherheitskette schob sich die Thür etwas auseinander, um ein Durchblicken zu gestatten, und dann fiel der Sperrapparat mit großem Geräusch herab. „Ah, Herr Doctor, Sie kommen nochmal?" fragte eine rundliche Frau. „Ich habe Sie wahrhaftig nicht gleich erkannt, und dann auch nicht vermuthet —" sie hustete hinter der vorgehaltenen Hand. „Mit dem Begräbniß is es ja nun auch vorbei — und weil es doch keine sogenannte gute Kundschaft ist, wo sich die Herrn Doctors noch hinterher erkundigen, wie's bekommen ist — aber schön is es von
Das Fräulein. V
Roman von E. Vely.
------- (Nachdruck verboten.)
Der Herbstwind peitschte durch die Straßen Berlins, schnellschreitende Menschen kämpften gegen ihn an, hier flog ein Männerhut fort, dort zerrte eine Frauenhand ein Tuch, das er gelüftet, wieder zusammen, den schreienden, barhäuptigen Jungen nahm er die Laute von den Lippen, daß sie ungehärt verklangen, blasse Wangen färbte er mit flüchtigem Roth, kranken Lungen preßte er rasselnde Töne aus. Auf den großen, baumbepflanzten Plätzen wirbelten die letzten Blätter zusammen, Regenwolken jagten vorüber, die Gefährte kamen schwer von der Stelle. An den Halteplätzen der Pferdebahnen war ein rücksichtsloses Hasten und Drängen, enttäuscht traten die Nichtaufgenommenen auf den Bürgersteig zurück, neben der kleinen Tafel Posto zu fassen und auf's Neue auszublicken nach dem Schilde, welches ihnen das zu erstrebende Ziel anzeigte. Es war gerade die Zeit vor dem Laternenanzünden, die Nummern waren nur schwer noch zu lesen auf den Glasscheiben über den mächtigen Thüren der Häusercolosfe.
Ein schlanker Mann sprang von einem im Fahren begriffenen Wagen und schritt einem Hause in der verlängerten Winterfeldstraße zu. Geräumige Balkons, Stuckverzierung und der saubere, frische Anstriche gaben demselben ein stattliches Ansehen- von den Wänden des großen, hallenartigen Eingangs schauten gemalte, allegorische Figuren herab. Der Eintretende wandte sich nicht der teppichbelegten Treppe zu,
dem Herrn Doctor —"
Ihre kleine Gestalt steckte in einem dunkelblauen Wollrock und einer schwarzen Jacke, auf dem halbergrauten Haar trug sie eine saubere Rüschenmütze, ihre dicken, rothen Finger spielten mit einem Zipfel der blauen Wirthschaftsschürze.
„Hm!" machte der Doctor und nahm seinen Hut in die linke Hand. Eine kluge Stirn, ein paar offene graue Augen, ein angenehmes Gesicht mit braunem Schnurrbart kamen in dem letzten Tageslicht, das aus der geöffneten Küchenthür auf ihn fiel, zum Vorschein. „Hm! — Ich habe nämlich gerade in der Nähe zu thun."
„Na, so weit wäre nu Alles wohl wieder in Ordnung, und ganz vernünftig is sie gewesen, als die Leiche abgeholt wurde nach der Halle — lieber Gott, in das, was sein muß, muß sich der Mensch finden. Mir ging es auch besser, als ich den seligen Kubaitz noch hatte und wir Portiers waren; wenn ich auch in meinem Ehestand was ausgehalten habe, nämlich er konnte das Trinken nicht lassen. Herr Doctor, was haben wir nicht Alles dagegen probirt, richtige Doctors und Wunderdoktors und theuere Medicin und Geheimmittel — half denn was, frage ich Sie?"
Wie aus alter Gewohnheit wischte sie mit dem Zipfel der Küchenschürze über ihre großen, vorquellenden Augen.
„Das Fräulein? Gott bewahre — die konnte Alles alleine. Und wie ich meinte, sie müßte doch Anzeigen mit einem Trauerrand machen, schüttelte sie den Kopf. „Nein, Frau Kubaitz, das interessirt Niemanden und wäre eine unnütze Ausgabe." Nun bitte ich Sie, die Ueberlegung in solch einer Stunde. Und selbst auf's Standesamt" — na, ich sage nur und ein gewaltig langer Name war es, den sie


