Ausgabe 
22.3.1898
 
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im

recht zum hast

so werlh war," bemerkte der Amtsrath.

Dergleichen darf man sich nie merken lassen," erwiderte Göbener jetzt wieder mit dem ihm eigenen Ausdruck der Pfiffigkeit.Hätte ich sonst meine Einwilligung zu Adolfs Verlobung mit ihr gegeben?"

Er sah wie sein Sohn zusammenzuckte und fügte schnell hinzu:

Hausflur standen.

In der großen Wäschkammer."

Laß mich allein zu ihr gehen, ich finde ja den Weg.' Der Alte zog erst ein Gesicht, aus dem Adolf nicht klug werden konnte, was ihm übrigens heute nicht ersten Mal begegnete, dann sagte er:Meinetwegen- wohl noch Mancherlei mit ihr zu besprechen." Adolf fuhr zusammen. War das Wort nur so hinge sprachen wie manches, was der Vater heute in seiner Er­regung schon gesagt, oder wußte dieser von der Untreue, die er in seinem Harzen gegen Anna begangen, was er der

Weshalb jetzt noch ein Geheimniß daraus machen? Es ist mir im ersten Schreck und Jammer doch schon ent­fahren. Und ich wollte ja nur nicht, daß eine lange Braut­schaft spielt, da Du doch noch nicht heirathen konntest! Das ist ja nun aber Alles vorbei!"

Das ist richtig) es wäre aber vielleicht doch besser gewesen, die Verlobung nicht so geheim zu halten," bemerkte der Amtsrath mit Schärfe. In Adolfs todtenbleichen Wangen trat das Blut und er senkte schuldbewußt die Stirn, sein Vater sagte aber völlig unbefangen:

Ach, das hätte ja das Unglück nicht verhindert. Hättest Du ihr nur das verwünschte Thier nicht geschenkt! Ich hab's noch nie leiden können und immer gesagt, es richtet ein Unheil an!"

Sie wünschte sich so sehr einen Papagei und hatte so große Freude daran!" sagte Adolf leise.

Ja, ja, sie war vernarrt in den kecken Vogel, der Alles aufschnappte. Nicht einmal die Flügel wollte sie ihm stutzen lassen, obwohl er schon ein paar Mal davongeflogen war, aus Furcht, es könne dem lieben Thierchen wehe thun, und den schönen Maitag mußte er auch aus erster Hand genießen, darum trug sie ihn in den Garten. Ich sagte ihr, er würde einen Unfug anrichten."

Er hatte sich unvermerkt in den Aerger hineingesprochen und die letzten Sätze in seiner gewohnten Art herausgepoltert, nun verfiel er aber wieder in den klagenden Ton, als er erzählte, wie sie Anna im ganzen Hause gesucht hätten.

Als ich den leerstehenden Bauer sah, schwante mir nichts Gutes," fuhr er fort,aber man will doch nicht gleich das Aergste fürchten. Wir sollten es bald genug erfahren. Der unglückselige Vogel muß davongeflogen sein, Anna ist ihm nachgelaufen, er ist ins Wasser gerathen und sie ist ihm nachgesprungen. Anders kann ich mir die Sache nicht er­klären." c

Er wollte zu der Schilderung der Auffindung des jungen Mädchens und des Papageis aus dem Teiche über­gehen, aber Adolf sprang empor und flehte mit aufgehobenen Händen: .

Nicht weiter, Vater! Ich vermag letzt nichts mehr zu hören. Führe mich zu ihr! Ich muß sie sehen!"

Aber mein Sohn" wollte ihn Göbener zurückhalten, nun aber nahm der Amtsrath das Wort, um Adolfs Wunsch als berechtigt zu unterstützen und der Amtmann forderte Beide auf, ihm zu folgen.

Gehen Sie zuerst allein mit Ihrem Vater, Adolf, tch folge später," sagte der Amtsrath mit einem Zartgefühl, das ihm der junge Mann aus vollstem Herzen Dank wußte. Er verließ mit dem Alten das Zimmer, suchte sich aber auch dessen Begleitung zu erwehren.

Wo liegt sie, Vater ?" fragte er, sobald sie miteinander

Todten abzubitten hatte?

Die Wäschkammer war ein auf der Rückseite des Hauses belegener, großer, zweifenstriger Raum, in dem die breiten und hohen braungebeizten Schränke standen, welche dte Leinenvorräthe des Hauses enthielten und wo außerdem Körbe, Wasch - Leinen, Klammern, Plätt- und Bügeleisen, Plätt­bretter, kurz Alles, was zum Trocknen und Glätten der srisch gewaschenen Wäsche erforderlich war, aufbewahrt wurde. An dem in der Mitte des Zimmers befindlichen großen, weiß- gescheuerten Tisch hatte Anna sehr oft Wäsche legend oder

Göbeners ausgestreckte Hand nur flüchtig berührend.Haben Sie denn nicht zu Ihren Schwiegersöhnen geschickt?" 1

Göbener schüttelte den Kopf.Meine Frau und meine 1 Tochter in Fuchsberg hätten ja den Tod vor Schreck gehabt, und dann, wen hätt' ich dann schicken sollen? Jochen war unterwegs, den anderen Knecht braucht' ich hier und Tag­löhner sind am Sonntag nicht auf dem Hof."

Wo ist sie? Kann ich sie sehen, Vater?" unterbrach Adolf den Redestrom des Alten und dieser schlug sich vor die Stirn.

Da lasse ich Sie hier vor der Thür stehen, Herr Amtsrath! Aber ich weiß wirklich nicht, wo mir der Kopf steht. Hätte nie gedacht, daß mich im Leben noch etwas so mitnehmen könnte."

Er ging den Ankömmlingen voran, öffnete die Thür zu der großen Familienstube und ließ sie eintreten.

Adolf wandte sich sogleich wieder um.

Wo ist sie? Wohin habt ihr sie gelegt?"

Warte noch einen Augenblick, erhole Dich erst," ent­gegnete mit besorgter Miene der Vater.Setzen Sie sich, Herr Amtsrath, 'darf ich Ihnen eine kleine Erfrischung bringen lassen?"

Wenzel lehnte sehr entschieden ab, innerlich verwundert über das Benehmen Göbeners, der sonst nicht so leicht bei der Hand war, vorübergehenden einsprechenden Gästen Er­frischungen anzubieten und seinen nächsten Angehörigen Schonung angedeihen zu lassen. Das furchtbare Ereigniß mußte sein ganzes Wesen in allen Fugen erschüttert haben.

Nun sagen Sie mir einmal, Herr Amtsrath, wie ist denn das Unglück eigentlich geschehen? Wie konnte das junge Mädchen am hellen lichten Tage in den Teich gerathen?" fragte der Amtsrath, Adolf, der aus dem Zimmer eilen wollte, bei der Hand zurückhaltend.

Ach, lieber Herr Nachbar, wenn ich das selber so genau wüßte, so wäre es vie-eicht nicht geschehen," antwortete Göbener und wischte fich mit dem Rücken der Hand die wieder hervor­quellenden Thräneu aus den Augen.Sie war ja ganz allein mit der alten, tauben Suse im Hause. Die Leute waren in der Kirche und ich machte einen Gang über die Felder, wie ich das an Sonntagsmorgen gern thue."

Amtsrath Wenzel hatte von dieser Gepflogenheit Göbeners bisher zwar keine Kenntniß gehabt, er ließ sie aber durch ein stummes Kopfnicken gelten und dieser schilderte nun, wie er vor seinem Ausgange noch im Garten gewesen sei und mit Anna gesprocken habe, die mit ihrem Papagei und einem Buche fich draußen hingesetzt hatte. Dann erzählte er, wie Wenzel bedünken wollte, ausführlicher, als im Augenblicke angebracht war, er habe gleichzeitig mit den beiden Knechten den Hof verlassen und beschrieb, welchen Weg er genommen habe und welche ihm bekannte Umwohner ihm begegnet waren und mit ihm gesprochen hatten.

Ohne sich von Adolf, der ihn voll Ungeduld mehrmals zu unterbrechen versuchte, daran verhindern zu lassen, gab er hierauf noch eine ausführliche Beschreibung der Ereignisse nach seiner ein paar Minuten nach zwölf Uhr erfolgten Rückkehr nach Rapshagen, wobei er nicht verschwieg, daß er sehr ungeholten gewesen sei, als er den Tisch noch nicht gedeckt und keinerlei Vorbereitungen zum Mtttagsessen ge­funden und daher gescholten und gewettert habe.

Hätt's nicht thun sollen!" fügte er, sich wieder die Augen trocknend, hinzu.Hätt's wissen können, der Anna müsse ein Unglück zugestoßen sein, wenn die etwas versäumte. Es war ein gar gutes, pflichtgerreues Mädchen!"

Ich wußte gar nicht, daß Ihnen die junge Anverwandte