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keitcn, fte war ja van ihre« Stanwe auf sechs Monate reichlich versehen worden.
Der Baron stand dabei und sah zu, wie sie die blanken Goldstücke auf den Tisch zählte.
„NetteS, kleines Frauchen", sagte er mit seiner herablassenden Gönnermiene, „wie 'sie sich freut, daß der Haustyrann wiederkommt."
Dabei legte er vertraulich den Arm um ihre Schulter und kniff sie wohlwollend in die Wange. Empört trat Marianpe zurück und rief flammenden Antlitzes: „Unverschämter !"
Aber der Baron drehte sich lachend um, strich die aufgezählten Goldfüchse ein und ging hinaus. Marianne aber sank weinend in einen Stuhl: Das war aber ein würdiger Abschluß ihres Staatsstreiches gewesen.
Als der Baron fort war, ging Marianne, von innerer Unruhe getrieben, rastlos durch sämmtliche Zimmer. Ihr Mann hatte ihr nie ein böses Wort gesagt, sie glaubte auch jetzt nicht, daß er irgendwie hart gegen sie sein würde, aber sie hatte doch eine schreckliche Angst. Trotzdem wollte sie ihm gleich Alles beichten. Mit welchem Zuge er nur kommen würde? Jedenfalls erst in der Nacht mit dem Eilzuge.
Allein Moritz kam schon Abends um acht mit dem Personenzuge. Marianne stand gerade im Wohnzimmer, als ihr Mann zur Thüre hineintrat, unerwartet, denn sie hatte ihn nicht kommen hören. Ihre erste Empfindung war ein heftiges Erschrecken, aber das dauerte nur einen einzigen kurzen Augenblick, dann brach die Freude heraus, daß sie den Langentbehrten wieder hatte, und sie stürzte ihm entgegen. Aber ein Blick in sein Gesicht und der Jubelruf blieb ihr in der Kehle stecken. War der zornige Grimmbart dort ihr alter guter Mor?
„Ist unser „Onkel" noch hier als Schutzpatron?" begann Moritz ohne irgendwelche Begrüßung. Wäre Marianne unbetheiligte Zuschauerin bei dieser Scene gewesen, sie hätte lachen müfien, so drollig kam die grollende Frage aus dem sonst nur zu heiteren Scherzworten sich öffnenden Munde. So aber war ihr die Sache gar nicht zum Lachen. Sie schüttelte den Kopf.
(Schluß folgt.)
GEernMtziges.
Ueber de« Gemch von Thee äußert sich Dr. A. Kühner ungefähr wie folgt: Thee steigert die Kraft, erhaltene Eindrücke zu verarbeiten, ein Gefühl von Wohlbehagen und Munterkeit stellt sich ein, die schlaffende Thätig- keit des Gehirns gewinnt einen gewissen Schwung und alle in uns schlummernden geistigen Fähigkeiten werden zu edler, ebenmäßiger Entfaltung gebracht. Trotz einer größeren Leb Hastigkeit der Denkbewegungen läßt sich die Aufmerksamkeit leichter auf einen bestimmten Gegenstand fesseln. — Die Untersuchungen der Professoren Hoch und Kraepelin in Heidelberg haben ergeben, daß die bei den Versuchen verwendeten Personen nach dem Genuß von Thee schwierigere Additionen viel leichter und schneller auszuführen im Stande waren als sonst. Für Kinder ist Kaffee direct schädlich, weil er die Phantasie erregt und zerstreuend auf den Geist wirkt. Es wäre mindestens eines Versuches werth, ob nicht Schülern und Lehrern ihre Aufgaben durch geregelten Theegenuß erleichtert werden können. Auch unseren Dienstboten wäre eine Tasse guten Thees zuträglicher als Bier oder ankere geistige Getränke. — Es erübrigt noch zu betonen, daß Thee um mehr als die Hälfte billiger ist als Kaffee unb_ daß auch der weniger Bemittelte nicht nach den billigsten Sorten zu greifen nöthig hat. Diese sind naturgemäß übelschmeckend und oft weniger ergiebig als z. B. Meßmer Thee zu
Mk. 2.80 pro Pfund, der bei außerordentlicher Ergiebigkeit ein von Geschmack ist und kaum theuerer als ein Pfennig wo Tasse zu stehen kommt.
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Auch mit geringen Mittel« ei«e wohlschmeckende Kost zu diete«, lehren die Haushaltungsschulen, die bereits n einer großen Reihe deutscher Städte ihre segensreiche Wirksamkeit ausüben. Wohlgeschmack und Nahrhaftigkeit, daS sind die Grundbedingungen der rationellen Kochkunst, und die Möglichkeit, sie zu erfüllen, hat Liebigs Fleisch- Extract um ein Wesentliches erleichtert. Es bietet das Mittel zur Bereitung guter, kräftiger Suppen, während das theure frische Fleisch gebraten oder gedämpft auf den Tisch kommt, und es verbessert unzählige Speisen, in erster Linie Gemüse und namentlich Hülsenfrüchte im Geschmack und in der Bekömmlichkeit. Zur Verwerthung der Fleischreste, Abfälle, Knochen re. ist es unschätzbar.
Hrrinovrftifches.
Ein guter Kerl. Vater der Braut: „Ich habe mich über Sie erkundigt, Herr Müller, Sie sollten doch lieber meine Tochter jnicht heirathen!" — Bewerber (aufgebracht) : „Was wollen Sie damit sagen?" — Vater: „Na, ich meine ja nur . . . Sie haben schon genug Unglück im Leben gehabt!"
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Kunstersatz. „Hör' nur, Moritz, wie breit sich macht die Baronin, wie sie wieder Clavier klimpert!" — „Laß' se —, klimper Du mit 'm Geld!"
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Durch die Blume. „Ihre Frau hat sehr zarte Hände . . ." — „Scheinbar . . ."
Literarisches
Die beiden jüngsten Hefte (Nr. 14 und 15 des Jahrgangs 1898) der rühmlichst bekannten Familienzeitschrift „Jllustrirte Well" (Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart — Preis jedes Heftes 30 Pfg.) zeigen aufs Neue, daß Verlag und Redaction keine Mühen und Kosten scheuen, um der Zeitschrift den Rang des gediegensten und billigsten Familienblattes in deutscher Sprache zu wahren. Die Hefte bieten die Fortsetzung der beiden spannenden Romane „Der Friesenpastor" von Dietrich Theden und „Unter der Fremdherrrschaft" von Theodor Justus. Außerdem enthalten die Hefte der „Jllustrirten Welt" Genrebilder mit flotten Textskizzen, Bildnisse zeitgenössischer Berühmtheiten und eine Fülle wissenswerten Stoffes aus allen Gebieten des Lebens der Gegenwart.
Aus Anlaß des bevorstehenden 200jährigen Jubiläums der Stiftungen Aug. Hermann Franckes haben frühere Schülerinnen der höheren Mädchenschule den solgenden Ausruf erlassen:
Im Jahre 1898 feiern die Stiftungen August Hermann Franckes ihr 200jähriges Jubiläum. Bereits haben alle Schulen Aufrufe erlassen, um die Theilnahme und das Interesse der alten Schüler zu erwecken. Auch wir, die ehemaligen Schülerinnen der höheren Mädchenschule und des damit verbundenen Lehrerinnen-Seminars, empfinden den lebhaften Wunsch, unsere Dankbarkeit und Anhänglichkeit sichtbar der Anstalt zu zeigen, die uns soviel für unsere Herzens- und Geistesbildung gegeben hat. Da es in erster Linie eine Jubelfeier der Waisenanstalt ist, diesem Hauptwerke des edlen Gründers, wollen wir auch eine Gabe zur Erhaltung des Kernes und Mittelpunktes der segensreichen Anstalten darbringen.
Wir Frauen gedenken aber auch bei dieser Veranlassung den von uns im Jahre 1885 gestifteten Pensionsfonds für Lehrerinnen zu erweitern.
Wir erwarten und Höffen, daß diese Gedanken bei den ehemaligen Schülerinnen eine freundliche Aufnahme und rege Theilnahme finden.
Geldsendungen bitten wir, auch schon jetzt, an Frau Commercienrath Emilie Bethke zu richten. (Unterschriften.)
Wir veröffentlichen diesen Aufruf, theilen mit, daß die geplanten Festlichkeiten am 29. und 30. Juni und 1. Juli stattfinden, und daß zur Entgegennahme an Beiträgen bereit ist Frau Commercienrath Emilie Bethke geb. Lehmann in Halle a. S.
Redaktion! S. Sch-Yda. — Druck mrd »erlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.


