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und die übermütigen Leutchen ungehalten - doch hier im Künstlerviertel, auf dem Montmartre läßt man dergleichen lächelnd gewähren. Wie wenig brauchen wir Menschen doch, um glücklich und zufr'eden zu sein, dachte ich mir, als der Zug vorüber war und um die nächste Ecke bog. Die Pariser sind zu beneiden um ihren köstlichen, genialen Leichtsinn. Einfach zu beneiden!
Die „Cabarets“ führen auf ihren Schildern gewöhnlich die sonderbarsten, ost komischen, oft pathetischen Namen. Das bekannteste in diesem Viertel ist der „Chat noir“, der „schwarze Kater", der im ersten Stockwerk ein eigenes kleines Theater hat, auf welchem schon oft kleinere Werke lyrischen Genres aufgesührt wurden. Andere Kneipen führen die Namen z. B. „L’ane roug“, „der rothe Esel", „Le Carrillon“, „Les quartres arts“ u. s. w.
Ueberaus bezeichnend für die absolute Religions- und Glaubenslosigkeit des modernen Parisers ist das Cabaret „Le Neant“ (das Nichts). Es ist gerade diese Kneipe die originellste und wird gegenwärtig besonders stark von Fremden besucht. Von Außen unterscheidet sich dieses Cabaret in beinahe nichts von den übrigen. Nur eine Laterne mit grünlich fahlem, unserm Gasglühlicht ähnlichem Scheine bezeichnet den Eingang. Eine kleine Thür führt in einem dämmerlich, jämmerlich schwach erleuchteten Raum, dessen Wände kohlschwarz angestrichen sind.
Das Innere dieser Kneipe ist so schauerlich, daß es am gerathensten ist, lieber Leser, gerade hier unsere Plauderei —■ abzubrechen.
Wir haben ja wohl das Vergnügen, länger mit einander, plaudernd über die Seinestadt, zu verkehren. Dann will ich Dir mittheilen, was ich zu sehen bekam.
Für heute genug. Au revoir, nmn eher; darf ich hinzufügen: ma chäre? Nichts für ungut! — —
GeinernnÄtziges.
Während bei Reuairlagen voll Obst im Allgemeinen jetzt die Regel gilt, möglichst wenige Sorten anzupflanzen, hat man in den Vereinigten Staaten Nordamerikas neuerdings wissenschaftliche Beobachtungen gemacht, die obige Regel einigermaßen einschränken. Man hat festgesiellt, daß es zur Befruchtung von Blüthen und damit zu einem reichhaltigen Fruchtansatz nöthig ist, Sorten gemischt zu bauen, weil die Befruchtung durch eine andere Obstsorte bedeutend reicheren ssruchtanfltz und damit bessere Ernten giebt, wie durch dieselbe Sorte. — Man ist dann in diesen Beobachtungen weiter gegangen und hat festgestellt, daß es eine ganze Anzahl von Obstsorten giebt, deren Blüthenstand überhaupt unfruchtbar ist, während bei anderen Sorten eine besonders reiche Fruchtbarkeit des Blüthenstandes festgestellt ist! Ein deutscher Landsmann in Wisconsin, Herr F. A. Richter theilt in der soeben ausgegebenen Nummer des „praetischen Rathgebers im Obst- und Gartenbau" aus „Farmers Bulletin Nr. 65" die Namen der Birnen mit, die man in Amerika als unfruchtbar, und solcher, die man als fruchtbar festgestellt hat. Die Entdeckung ist jedenfalls von sehe großer Tragweite für den deutschen Obstbau und dürfte auch bei uns zu sorgfältigen Beobachtungen Veranlassung geben.
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Hecht ä la Perigueux. Einen recht großen Hecht säubert man sorgfältig, zieht auf der einen Seite die Haut ab und spickt ihn mit feinen Speckstreifen. Dann bestreut man ihn mit Salz, Pfeffer, Muskat und feinen Kräutern und bringt ihn in den Backofen, in dem man ihn recht fleißig mit einer Mn'chung aus aufgelöstem Liebigs Fleisch- Extract, Butter, Weißwein und Citronensaft begießt. Sobald der Fisch gar ist, legt man ihn ans eine flache Schüssel und ferbirt ihn mit der Sauce, nachdem man derselben noch drei
im Mörser zerstoßene Sardellen beigefügt, sie gepfeffert und gesalzen und alsdann durch ein Sieb gerührt hat.
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Spinat Uttv Sauerampfer. Zehn Personen. Be- reitungszeit eine Stunde. Gleiche Theile von Spinat mtfc' Sauerampfer, je 1 Kilo, werden verlesen, gewaschen und„ jedes Gemüse besonders, in schwach gesalzenem Wasser abgekocht, mit frischem Wasser gekühlt, abgetropft durch ein Sieb gestrichen und dann gemischt. — Nun schwitzt man einen Löffel Mehl in 90 Gramm Butter, fügt 10 Gramm Liebigs Fleisch Extract zu, dünstet das Gemüse hierin, streut einen Löffel geriebenen Zwieback über, verrührt diesen, gießt wenn erforderlich noch ein wenig Bouillon auf, würzt mit Salz, und kocht das Gemüse unter fleißigem Umrühren V4 Stunde, es mit verlorenen Eiern garnirt anrichtend, die geschnittene Fray BentoS-Zmtge besonders dazu reichend.
Aus dem „Praetischen Wegweiser", Würzburg.
Die Bienen sind von nnfchtitzvaren» Werthe für die Landwirthfchaft durch die Befruchtung der Blüthen. Ein gewöhnliches Volk hat im Sommer ‘20 000 Bienen,, von denen in der Minute 80 ausfliegen, dies macht täglich, den Tag in 10 Stunden gerechnet, 48 COO und in 100 Tagen etwa 5 Millionen Ausflüge. Jede Biene besucht bei einem Ausfluge mindestens 50 Blüthen, sodaß in 100 Tagen ca. 200 Millionen Blüthen besucht und davon mindestens 20 Millionen befruchtet werden. Den Hauptvortheil von der Bienenzucht haben also die Landwirthe- leider wird dies aber immer noch zu wenig anerkannt.
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Bei Catarrh, besonders wenn die Brust schmerzt^ schafft es rasche Erleichterung, wenn man ein großes leinenes Tuch in heißes Wasser taucht, um den Oberkörper schlägt,, eine Wolldecke darüber wickelt und einige Zeit im Bette liegen bleibt.
Vermischtes.
Zukuusts-Bild.
Auf dem Postamt, wo des Dienstes Ewig gleichgestellle Uhr Die Beamten treibt zur Arbeit, Herrscht heut' eitel Freude nur. Secretnre, Posteleven, Geldbriefträger, Diätar, Telegraphenassistenten, Schreiber, Supernumerar, — Aller Miene zeigt Erstaunen, Alle blicken unverwandt
Auf das Schriftstück, das der Postrath Sinnend hält in seiner Hand. Und gerecht erscheint ihr Staunen, Wenn den Umstand man ermißt, Daß es eine Reichspostkarie Ohne jede Ansicht ist.
Der B esuchs-A ut om at. (D. R.-P. Nr. 139 711.) Der Herr Privatier Gradaus hat neben dem Eingänge seines Hauses einen Automaten anbringen lassen mit der Aufschrift: „Gegen Einwurf einer Visitenkarte verabfolgt der Apparat eine der meinigen, womit Besuch und Gegensuch als gemacht gelten. K. Gradaus."
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Beim Examen. „Herr Candidat, sagen Sie mir„ welcher Mensch kann mit ruhigem Gewissen den Offenbarungseid leisten?" „Ich, Herr Professor!"
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Kindliche Frage. Die kleine Else (die zum ersten Mal die Hühner hat füttern sehen): „Mama, essen die Hühner immer mit der Nase?"
Redaction: I. V.: Hermann Elle. Druck und Verlag der Brühl'schen UniversttätS-Buch« und Stcindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen


