1898.

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Sonntag den 2V. Februar

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Muttersohn.

Roman von Arthur Zapp.

Am anderen Vormittag sah sich Constanze von dem Besuch der Schwägerin überrascht. Helenes ernstes Gesicht schaut noch ernster drein als sonst, ihre Augenbrauen sind finster gerunzelt.

Ich komme," erklärt sie, nachdem sie auf Constanzes Einladung Platz genommen,ich komme, um Dir mein Bedauern wegen gestern auszudrücken. Du wärest gewiß gern noch geblieben."

O bitte," sagt Constanze, die sonst so Freundliche, Gutmüthige mit kühler Höflichkeit.

Sie empfindet den Besuch der Schwägerin nach dem gestrigen Vorfall und mehr noch wie ihre Worte als eine Tactlosigkeit.

Ich bedauere," fährt Helene fort und sieht der Schwägerin mit einem herausfordernden Blick in die Augen, ich bedauere, wenn wir Euch vertrieben haben sollten."

Constanze &eijjt sich auf die Lippen. Sie ist außer­ordentlich peinlich berührt. Was soll sie auf die Worte der Schwägerin erwidern? Zn leugnen bringt sie in diesem i Augenblick nicht über sich und die Wahrheit zu sagen wäre allzu unhöflich. So schweigt sie also.

Helene verletzt das Stillschweigen ihrer Schwägerin aufs Empfindlichste. Sie empfindet es wie eine directe Beleidigung. Ein Blutstrom schießt ihr in die Wangen, ihre Augen blitzen. I

'/Ich hätte Euch ja," sagt sie und reckt sich im Wider­spruch zu dem Inhalt ihrer Erklärung stolz in die Höhe, ich hätte Euch ja gern die Unannehmlichkeit unserer Ge­sellschaft erspart."

Aber ich bitte," kann Constanze nun doch nicht umhin \ zu widersprechen, obgleich sich ihr stiller Aerger nur noch steigert. Ja, sie ist innerlich geradezu empört. Ueber solche Dinge spricht man doch nicht, wenn man dergleichen auch

Sheffer ist es, mit seinem Glücke Abzuhängen von Wettertücke, Von Sturm und Hagel und Nebeldunst, Als von schwankender Menschengunst.

Frieda Schanz.

I empfindet. Was will Helene überhaupt von ihr? Ist sie I gekommen, um mit ihr einen Streit vom Zaun zu brechen? I ,, //Ich bitte," wiederholte sie,Eure Gesellschaft ist uns I nicht unangenehm."

I Das kommt in einem so kühlen und wenig verbindlichen I der ebenso gut für die gegentheilige Versicherung

I f/O/ ich weiß, was ich von Deiner Betheuerung zu I halten habe", giebt Helene mit zuckenden Lippen zurück. IIch weiß längst, daß Du uns über die Achseln ansiehft, I daß Du uns nie geachtet hast und daß Du noch heute in I Carl . . ."

Mit einer heftigen Handbewegung will Constanze ab- I wehren.

//Lassen wir die unerquickliche Geschichte," sagt sie I ärgerlich, von oben herab.

Nein," begehrt Helene auf, deren glühender Unwille sich nicht länger zurückhalten läßt,gerade davon will ich I einmal offen mit Dir sprechen. Wenn Du's auch nicht I aussprichst, Du läßt es uns doch deutlich genug in Deinem Benehmen fühlen, daß wir für Dich nicht zur Verwandtschaft rechnen, daß Du uns nicht für voll ansiehst, daß Du vor jeder Berührung mit uns zurückschauderst. Auch gestern, I als Du so hastig aufbrachst, in so verletzender Eile, hast Du ! es wieder bewiesen. Und doch hast Du gar keine Veran­lassung, Dich uns gegenüber zn überheben, im Gegentheil!"

Im Gegentheil?" fragt Constanze, von der Leiden­schaftlichkeit und dem triumphirenden Blick, der ihr aus den Augen der Schwägerin entgegeniprach, betroffen und ge­ärgert zugleich.Was soll das heißen?"

Das soll heißen," ruft die Andere und die Empörung, die sich in ihr seit mehr als einem Jahre angesammelt hat, drängt zu offenem Ausbruch,ich dulde es nicht mehr, daß Du uns behandelst, als ständen wir tief, tief unter Dir, als müßten wir uns vor Dir verkriechen. Ich kann es nicht mehr mit aniehen, daß Du, so oft mein Carl in Deine Nähe kommt, eine Miene aussteckst, als fürchtest Du Dich vor ihm, als möchtest Du am liebsten davonlaufen. Mein Carl ist ein Ehrenmann, der noch nie in seinem Leben etwas Unrechtes gethan hat. Und Du Du und Otto, Ihr habt am allerwenigsten Grund, vor Carl zurückzu­schrecken wie vor einem Verbrecher."

Auch Constanze verliert ihre kühle Gelassenheit. Die Hartnäckigkeit und Heftigkeit, mit der Helene ein ihr so Peinliches Thema breittritt, empört sie auf's Tiefste. Dazu