Ausgabe 
19.4.1898
 
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zu.

Er soll

an sich an den Fingern abzählen. id)t dort ein Haus, zu Weihnachten n, das Andere findet sich."

,.v uer Amtsrath?"

'Der wird wohl, so lange die Pachtzert dauert, m Waldhof bleiben, wenn er auch oft -genug in Berlin sein wird," erzählte Frau Büttner, erfreut, einen Gesprachs- qeqenstand gefunden zu haben, der Adolf zu interesstren schien. ^,Es heißt, seine Cousinen werden nicht wieder nach Stettin zurückkehren, sondern bei ihm in Waldhof bleiben."

Der Genesende war während dieser Mitthellung sichtlich unruhig geworden, eine fliegende Röthe bedeckte seine Wangen, sein Athem ging hörbar. Die Hand der Schwester ergreifend, fragte er:

Und Carola? Was weißt Du von ihr?"

So viel ich gehört habe, ist sie noch in Waldhof, wird aber nächstens wieder in's Ausland gehen," antwortete Frau Büttner und bemühte sich dabei, möglichst gleichgiltig $ s Adolf Göbener stöhnte laut auf- sein Kopf sank gegen die Lehne des Stuhles zurück, für einen Moment schloß er

nach seinem Befinden zu erkundigen, aber viel Trost konnte I ex aus diesen Besuchen auch nicht schöpfen. Sie waren sämmtlich tief niedergedrückt, wichen ängstlich jeber Berührung mit früheren Bekannten aus und hatten kaum den Muth, ihren Dienstleuten Befehle zu ertheilen oder von ihnen be- aanaene Fehler zu rügen. Sie sehnten sich danach, Deutsch- I ?and den Rücken zu kehren und den Boden zu »erlassen, dessen Bebauung ihr Stolz und ihre Frende gewesen war. I

An einem schon ziemlich frischen Augustmorgen war Krau Büttner nach Rapshagen gekommen. Sie brachte dem Ränder der fitzt schon den größten Thetl des Tages außer I ?em Bette zubrachte und gestützt auf den Arm seiner Pflegerm soaar schon einen Gang in's Freie gemacht Hatte, die I Nachricht, daß Borhitten verkauft sei und schon im nächsten Monat von seinem Eigenthümer übernommen werde

Dann hält uns hier nichts mehr/ fugte sie hinzu, und "auch Lorenz' werden mit uns gehen können, da dessen Bruder sich entschlosfen hat, Fuchsberg zu übernehmen. Und was gedenkst Du zu thun? Auch Du wirst mcyt hier bleiben wollen, wo man sich nicht mehr getraut, einem Menschen ins Gesicht zu sehen?" fragte sie den Bruder, der auf einem Lehnstuhl an dem geöffneten, von der Sonne beschienenen Fenster saß und den Kopf mit dem dünn ge­wordenen Haar in die bleiche, abgemagerte Hand gestutzt hatte. !

Ich weiß es nicht," erwiderte er mit müder Stimme, es ist mir Alles so gleichgültig. Ich komme mir vor wie ein Mann, der Alles zu einer Reise vorbereitet, mrt seiner ganzen bisherigen Thätigkeit abgeschlossen hat, und nun plötzlich wieder gezwungen ist, da wieder anzufangen, wo er aufgehört hat. Ach, warum mußte ich em |o schlechter Schütze sein!"

Sie ergriff angstvoll seine Hand.

Adolf, Du denkst nicht daran, die schreckliche That zu wiederholen?"

Er fchüttelte den Kopf. l

Sei ohne Sorge, Doris. Auch dazu gehört Energie, die ich nicht mehr besitze!"

Du wirst neuen Lebensmuth gewinnen, tote totr Alle, wenn nur erst das Weltmeer zwischen uns liegt! sagte sie herzlich.Komm mit uns, Adols! Bleibe nicht allem zuruck.

®Was soll ich in Argentinien? Ich bin kern Land-

nun, man wird dort auch Häuser bauen," erwiderte sie mit einer Munterkeit, die ihr nicht aus dem Innern quoll und außerdem wärest Du nicht der Erste, der seinen Beruf mit einem anderen vertauschte. Du hast doch auch von Stephan Holten gehört?" . ,, , . ,

Ja," erwiderte Adolf,das Opfer, welches er bring , um Meta zu bekommen, ist nicht zu groß."

Wie kannst Du von Opfer reden? Holten hat ja ein unerhörtes Glück!" rief Frau Büttner eifrig.Nicht daß ich es ihm nicht gönnte," schaltete ste ein, ,Mr wenn man so denkt, wie es im Leben ans und nieder.geht. Wir müssen Haus und Hof verlassen und Stephan Holten heirathet bte Einzige Tochter des reichsten Mannes im Kreise.

,Weißt D" ka§ so gewiß?" fragte ber Bruber mtt

Mit tiefem Schmerz ließ seine Schwester ihre Blicke auf dem bleichen Gesichte ihres Bruders, in das körperliche» und seelisches Leiden tiefe Linien gegraben hatte, ruhen, e» kam ihr recht schwer an, den Gebeugten noch tiefer zu be­trüben, sie hielt es aber für ihre Pflicht, endlich emmal °^en ,/>tbolf," begann sie,Weber ich noch Mnna haben je die Frage an Dich gerichtet, wie es zwischen Dir un Carola Münter gestanden hat. Hast Du ihr eine Liebes­erklärung oder gar einen Antrag gemacht?'

Nicht mit Worten, aber ich bin darum nicht minder schuldig gegen sie, wie gegen die arme Anna, die ohne meinen Treubruch vielleicht noch lebte.

Grübele darüber nicht nach," redete ihm bte Schwester j zu.Reben wir voii ber Lebenden. Du kannst unmöglich I nOd) ^HLtte ich""di?gehabt, würde ich nicht zum Revolver

Deutschlands größter Chemiker.

(Zum 25. Todestage Justus v. Liebigs.) t 18. April 1813.

Bon Dr. S. Hofmann,

------- (Nachdruck verboten.)

KO Unter den Männern der Wissenschast, die nicht nur auf ihrem eigensten Gebiete reformatorisch gewirkt, sondern mit dem Blick des Genies tn benachbarte Gebiete ^Übergriffen und sie in ihrer Wechselwirkung zu einem großen Ganzen vereinten, steht tn allererster Reche NameJustus von Liebig." Macht das Studium der Natur in abstracter Speculation wie in practychen^ Ex­perimenten den großen Naturforscher aus, so war Liebig ei« solch bevorzugter Geist. Wir Deutsche verehren ihn als unsern größten, genialsten Chemiker. Darm-

Justus von Liebig wurde am 12. Mat 1803 zu £)arm stadt als der Sohn eines Material- und Farbenwaaren- händlers geboren. Schon früh fing er an zu ekperrmentiren, zimmerte sich mit großem Talent aus einfachen Mitteln Apparate zusammen und benutzte zu seinen Experimenten die im Laden seines Vaters vorhandenen wenigen Chemikalien.

I Auf dem Gymnasium galt er als einnur mittelmäßig v - gabter" Schüler und erregte eines Tages das Staunen und Gelächter der ganzen Classe, als er auf bte ungeduldig Frage des Lehrers:Junge! Was wird wohl einmal a Dir werden?" ohne sich viel zu besinnen, antworte:Em Chemiker, Herr Lehrer!" Eine solche Antwort war damals ganz unerhört. Wer aber nun Chemiker werden wollte, mußte erst Apotheker weiden und ,o kam er denn 1818 1« die Apotheke zu Heppenheim. Hier aber experlmentir.e er seinem Principal zuviel mit Knallsilber herum, so day dieser ihn nach zehn Monaten wieder entließ.

1818 begab er sich nach Bonn, um dort ^e Vor­lesungen Kastners zu hören und machte dort die Bekannt- I rrfiaft August von Platens, der ihn in seinen formvollendeten Ghaselet? und Sonetten' als seinen liebsten Busenfreund besang.^ wohin er Kastner gefolgt war, machte er

sein Doctorexamen und veröffentlichte seine erste wi seiischa - liche UntersuchungÜber Brugnatelhs unb H°wards Knall­silber." Nun lenkte er setne Schritte nach Parts, wo damals in der Chemie die hervorragendsten Manner wirkten und lehrten. Hier lernte er unter Andern Gay Lussac