Ausgabe 
17.7.1898
 
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Die Classe der Jnsecten ist noch durch eine ganze Reihe Exemplare vertreten, die sämmtlich mehr oder weniger den Fleiß des Landmannes bestehlen, indem sie zum Dank sür das gewährte Unterkommen seine Ernte dezimiren oder doch die Früchte auf andere Weise schädigen. So finden wir in den blühenden oder auch mit weichen Körnern versehenen Aehren ost eine Unzahl winzige orangegelbe Thierchen, die Larven des nur zwei Millimeter langen Getreideblasenfußes (Thrips cerealram), welche die Aehren und Körner zerstören. In den sogenannten Gichtkörnern" des Weizens, die sich durch ihre Mißgestalt und Mißfarbe kennzeichnen, lebt ein Rundwurm von nur vier resp. zwei Millimeter Länge (das Weibchen wird vier Millimeter lang), das Weizenälchen. In den Gichtkörnern befindet sich die Brut des Würmchens, welche, sobald das Korn in die Erde gepflanzt w rd, durch den Einfluß der Feuchtigkeit zum Leben erwacht, an den Pflanzen emporklettert und sich in die Fruchtknoten einbohrt, wo die Thiere wachsen und sich ihrerseits wieder fortpflanzen. Wie alles derartige Ungeziefer, sind diese Würmer mit äußerster Zähigkeit ausgerüstet, und ihre Brut erhält sich in den trockenen Körnern jahrelang, bis sie durch Versenkung in das feuchte Erdreich wieder in den für ihr Gedeihen er­forderlichen Zustand versetzt wird. Ebenso verderblich wird dem Weizen (und auch dem Roggen) der Getreideverwüster oder die Hessenfliege, eine winzige Gallmücke, die zwei Bruten im Jahre erzeugt. Das Weibchen legt seine ca. 80 Eier zwischen zwei Längsnerven eines Blattes ab, die nach wenigen Tagen auskriechenden Larven gleiten am Blatte hinab und setzen sich hinter dessen Scheide fest. Die erste Brut be­schädigt in der Regel nur die Halme, so daß diese vom Winde leicht geknickt werden, die zweite, erst Ende August oder im September erscheinende, richtet dagegen die Pflanzen der jungen Wintersaat, auf denen sie schmarotzt, völlig zu Grunde. Die Getreidehalmwespe (Cephas pygmaeus) ent­wickelt eine ähnliche verderbliche Thätigkeit, da das Weibchen die Eier in einem zu diesem Zwecke angebohrten Knoten des Weizen- oder Roggenhalmes unterbringt, worauf sich die nach wenigen Tagen ausschlüpfenden Larven unterwärts durch­fressen und dadurch eine mit vorzeitigem Absterben des Halms verbundene Nothreise des Getreides bewirken. Die höchst gefräßige und schädliche Raupe der Wintersaateule treffen wir nicht im entwickelten Getreidefeld, sondern in der Winter saat, deren zarte Pflänzchen das über 5 Zentimeter lange, gänsekielstarke Ungeziefer mit Behagen verzehrt. Sie geht aber nicht am Tage, sondern nur des Nachts ihrer Nahrung nach, während sie sich am Tage verbirgt, so daß wir ihrer nicht ohne Weiteres habhaft zu werden vermögen. Raupen der Ackereule und des Ausrufezeichens leisten ihr treulichen Beistand.

Ein weiterer Bewohner aus der Ordnung der Schmetter­linge, der Getreidezünsler (Botys frumentalis), erweist sich hingegen als ein Freund unserer Brodgewächse, indem sich seine Raupe nicht das Getreide selbst, sondern lediglich diverse zwischen den Pflanzen wuchernde Unkräuter schmecken läßt. Auch die Erntemilben, die als kleine rothe Pünktchen oft in Massen an den Halmen hängen, macken ihrem nicht gerade Gutes versprechenden Namen zum Glück keine Ehre. Sie werden nur den Arbeitern oder auch Thiereu gefährlich, die mit dem Getreide m Berührung kommen und in deren Körper sie sich einbeißen. Ihre Anwesenheit verräth sich durch peinigendes Jucken, das unter Umständen einen sehr hohen Grad erreichen, ja sogar von Fieber begleitet sein kann. Die Eindringlinge sind jedoch durch Einreibungen mit Steinöl leicht zu vertreiben.

Der wogende Getreidewald verbirgt noch manchen Gast anderer Art. So die schöngefärbten Feldwanzen, deren ab­scheulicher Geruch allerdings die schöne Farbe Lügen straft, die allerliebsten Marieukäferchen, die wie überall so auch hier eifrig der Blattlausjagd obliegen, die grünen Feld­

Heuschrecken, die bisweilen zu ungeheuren Schwärmen an­wachsen sund in heißen Ländern ganze Ernten vernichten. Zu den Einmiethern, denen der Landmann alle Teufel an den Hals wünscht, gehören noch der Saatschnellkäfer (der unter dem Namen Schmied bekannte, gelblichgraue, schlicht aus­schauende Gesell), sowie der Getreidelaufkäfer und der Getreidelaubkäfer, jener von schwarzbrauner, dieser von grüner Färbung. Der genannte Laufkäfer wird durch Be­nagen der Körner höchst schädlich, ebenso seine Larve, welche die zarten Keime der jungen Saat verzehrt. In gleicher Weise schaden die Larven der beiden anderen Käferarten. Ein harmloserer Bursche ist dagegen der Feldsandkäfer (Cicindela campestris), der an schönen Sommertagen durch seinen tyrungar« tigen Flug olt unser Interesse erregt, uns auch häufig zu Jagdver- suchen reizt, die aber erst nach langer Anstrengung von Erfolg begleitet sind, da das äußerst gewandte Thierchen uns immer wieder entschlüpft. Schließlich wollen wir das bandfüßige Grünauge, eine kleine gelbe Fliege, nicht vergessen, deren. Maden durch ihr Saugen an Gersten- und Weizenhalmen die sogenannte Weizengicht erzeugen, bestehend in einer Verun­staltung der Halme, welche deren Entwickelung verhinderte Die erwachsene Larve verpuppt sich an der Pflanze, worauf das vollendete Jnsect im August erscheint, das wiederum seine Eier an die Wintersaat ablegt, deren kleinen Pflänzchen nun ihrerseits die ausschlüpfende Winterbrut den Garaus macht.

So hatten wir also von den Bewohnern unseres Getreide­feldes im Ganzen nicht viel Gutes berichten, mit Ausnahme der Lerche und Wachtel, sowie des zierlichen Marienkäferchens^ der Erntemilbe und des Getreidezünslers zahlen sie sämmt­lich ihren Zins durch Zerstörung ihres schützenden Heims. Der Leser dürfte indessen erstaunen über die Menge der Geschöpfe^ welchen unser herrliches Getreidefeld Wohnung und Nahrung giebt und deren Anzahl wir in unserer Plauderei nicht einmal erschöpft haben dürsten. Wie wenig ahnen wir die Existenz, oder das Vorhandensein der meisten am Platze, wenn wir den Blick über die üppig goldene Aehrenpracht hinschweifen lassen und noch weniger denken wir beim Verzehren unseres köst­lichen Brodes daran, welchen Gefahren von Hagety Frost und' Unwetter ganz abgesehen die nützliche Getreide- Pflanze hat Trotz bieten müssen, bevor sie sich uns in der Gestalt einer schmackhaften Butterstulle, einer duftenden Semmel oder gar eines leckeren Kuchens präsentiren kann..

Unangenehme Verwechslung. Dame des Hauses Johann, hier bringe dem Herrn Lieutenant v. Plottwitz diese Einladung, wir ließen ihn sehr bitten zu kommen, es ist nur eine beschränkte Anzahl von Personen geladen. Johann (bei dem Lieutenant):Die Herrschaften ließen den Herrn Lieutenant bitten, zu kommen, es ist nur eine Anzahl von beschränkten Personen geladen."

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Aus der Schule.Wie nennt man die SBe'en, die theils auf dem Wasser, theils auf dem Lande Ie6en? * Schüler:Badegäste!"

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Soldatenhumor. Feldwebel bemerkt, daß einige Soldaten während der Uebens nach den Dienstmädchen schielen.Donnerwetter, Kerls, im Dienst wird nicht poussirt. Da habt Ihr nur an dem Herrn Lieutenant und mir Wohl­gefallen zu finden."

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Immer gründlich. Steuerbeamter:Was sind Sie?" Herr:Entenhändler." Steuerbeamter:Drücken Sie sich gefälligst genauer aus sind Sie ein Zeitungs» r-Porter oder ein Geflügelhändler?"

Rriaction: ®. Burkhardt. Druck und Settag der Br übt'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.