Ausgabe 
15.5.1898
 
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erklärung machten und darüber den ganzen Hammelbraten haben verbrennen lassen. Es war zu komisch."

Und doch hat uns der Braten zusammengebracht . . ."

Wir kamen darüber auseinander, ich trage Ihnen den Verlorenen nicht nach, Friede seiner Asche! Zum Zeichen der Versicherung sollen Sie mir aber gleich eine gute Bouillon besorgen."

Eine bessere kann ich hier nicht machen, achselzuckte Jonas, mir stehen nicht die Fonds und Glacss einer so großen Hotelküche wie die Ihrige zur Verfügung, wo das Fleisch gleich mit Viertel-Centnern hereinkommt- der Betrieb ist nur klein und da heißt es sich einrichten und sparsam sein. Ich könnte die Bouillon ja wohl mit Couleur oder etwas dergleichen dunkler färben, dann würden viele Leute sie schon für kräftiger halten."

Herr College, fuhr Beckers auf, so dürfen Sie mir nicht kommen. Gehen Sie zum.....mit Ihrer Couleur!

Was Sie Ihrer Brühe zusetzen müssen, ist Inhalt und Kraft, nicht irgend was, um die Geschmacksnerven über die Gehaltlosigkeit des warmen Wassers hinweg zu täuschen .... Fleischextract!"

Das würde mir eine theuere Geschichte, da sollte ich weit kommen."

Beckers lächelte.

Mein Lieber, das verstehen Sie nicht, ich kann Ihnen auch jetzt keine lange Rede darüber halten, denn in zwanzig Minuten geht der Zug lassen Sie mir vorerst ein Glas Morgenwein, aber guten, zukommen und ein Caviar- schnittchen."

Jonas ließ es sich nicht nehmen, den früheren Principal selbst zu bedienen, lehr zum Erstaunen seiner Kellner. Er füllte auch ein Glas für sich und stieß mit dem Gaste an.

Ein guter Tropfen und so schlechte Bouillon," scherzte der Hotelier,haben Sie denn nicht mehr gelernt bei mir als das? Da hatten Sie doch den guten Geist der Küche, den Liebig, stets bei der Hand und wußten ihn mit Nutzen zum Verbessern der Saucen u. s. w. zu verwenden. Heh?"

Das ist auch ganz etwas Anderes, da brauchte ich auch nicht zu fragen was es kostete. Mir steht keine so wohl sundirte Küche mehr zur Verfügung, es heißt sich ein­richten und alle unnöthigen Ausgaben vermeiden."

Du himmlische Güte! Da sparen Sie ja gerade am unrechten Ende. Ich sollte denken, ein Mann wie Sie, und ohne Ihnen schmeicheln zu wollen, Sie waren einer meiner besten Chefs, müßte das doch einsehen können."

Wenn Sie Ihren Gästen so etwas vörsetzen, erweisen Sie ihnen keinen Dienst und nützen Ihrer Wirthschaft damit auch nicht, das ist klar. Ueber ein bestimmtes Quantum Fleisch dürfen Sie aber auch nicht hinausgehen, denn wollten Sie solche Quantitäten einkaufen als nöthig sind, um eine gute Bouillon herzustellen, so wüßten Sie mit dem gekochten Fleische nachher nicht aus noch ein. Da bietet uns der Liebig das einzige Mittel, diese Frage spielend zu lösen.

Das Extract ist, wie Sie wissen, eingedickte Fleisch­brühe, der man, um sie haltbar zu machen, die Fett- und Leimstoffe rc., die sich leicht wieder ersetzen lassen, entzogen hat. Es enthält also die löslichen Bestandtheile, also das, was den Hauptwerth der Fleischbrühe ausmacht, in concen- trirter Form. Wenn Sie also weniger Fleisch verkochen und das Ihrer Suppe Fehlende durch Exrract ersetzen, so haben Sie eine Bouillon, wie sie Niemand besser verlangen kann und Sie halten das sonst überflüssig verbrauchte Fleisch zu nützlicheren Zwecken übrig. Die Sache ist ein einfaches Rechenexempel. Sie wissen, daß 1 Pfund Extract herzu­stellen, 40 Pfund des besten Ochsenfleisches verbraucht werden, und zwar eine Qualität, wie wir sie hier gar nicht kennen, denn das freilaufende Vieh drüben hat einen ganz anderen Stoff an sich als das unsrige, in dumpfen Ställen mit Schlempe und anderem Abfall gemästete . . . ."

Der alte Herr Beckers machte jetzt eine Pause und feuchtete die trocken gewordene Zunge aufs Neue an.

Sie haben in gewissem Sinne ja Recht, meinte Jonas, aber es wird mir doch zu theuer."

Sie möchten das Extract wohl am liebsten geschenkt haben ich auch, aber das geht nun einmal leider nicht. Wenn Sie übrigens bedenken, daß es die besten Säfte und Kräfte des Fleisches enthält und gramm- und theelöffelweise zur Verwendung kommt, wo man sonst ganze Pfunde frischen Fleisches verbrauchen müßte, so werden Sie das Gesagte voll und ganz bestätigt finden."

Richtung Langenau, einsteigen" rief der Bahnhofportier, Beckers verzehrte schnell den Rest fernes Caviarschnittchens und trank aus.

So schnell vergeht Einem die Zeit."

Sie haben noch zehn Minuten."

Das ist nicht lange. Also mein lieber Chef, es hat mich sehr gefreut, Sie wiederzusehen, ich wünsche Ihnen Alles Gute und mit der Bouillon da machen Sie es einmal, wie ich gesagt habe, Sie werden es nicht zu bereuen haben."

Ich wills, und wenn Sie zurückfahren, Sie kommen doch dieselbe Strecke, nicht wahr ....?"

Jawohl".

Dann sollen Sie schon mit mir zufrieden sein. Den guten Geist der Küche werde ich nicht vergessen."

Hrrniomstrsehes.

AusLustige Welt", Verlag von Georg E. Nagel, Berlin SW. Vierteljährlich Mk. 1,30, Einzelnummer 10 Pfg. Enfant terrible. Besucherin:Ein arrogantes Mädchen, Ihre Köchin!" Hausfrau:Ja, ja; ich hätte ihr auch schon längst gekündigt, aber ..." Söhnchen: . . . sie hat noch für sechs Monate den Lohn zu kriegen! Nicht wahr, Mama?" Nach demProgramm. Tourist: Sagt einmal, Huber, was ist denn da drinnen für ein Heidenspectakel?" Huber:O, die feiern alleweil den Jockel fei' silberne Hochzeit, und da soll halt alles so hergeh'n wie vor fünfundzwanzig Jahren jetzt sind s' beim Raufen." Unglück wird stets als Bestimmung betrachtet, Glück als selbstbereitet. Man muß der Wahrheit Schellen umhängen, um sie volksthümlich zu machen. Unbedacht. Wirth (entrüstet):Wie, eine Mark ist Ihnen zu theuer sür den Hasenbraten?" . . .Sie denken wohl, bei uns klettern die Hasen nur so zum Dachfenster herein?"

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Gescheidt. Fräulein:Woran ist denn Ihr Mann gestorben?" Maurerswittwe:Der Arzt meinte, seine Adern seien verkalkt gewesen." Fräulein:Also ist er ein Opfer seines Berufs geworden."

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Garantie. Fremder:Morgen müssen Sie mich aber um sechs Uhr aus dem Bett treiben; lassen Sie sich also unter keinen Umständen abweisen!" Wirth:Darüber seien Sie nur unbesorgt ich komm' mit der Rechnung!"

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Möglich. Friseur:Die Abonnementskarte ist zu Ende, Herr Hupfer, soll ich eine neue aussteöen?" Abonneent:Jawohl! Die abgebrauchte aber geben Sie mir! Vielleicht kommt einmal die Zeit, wo man auch solche Karten sammelt."

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Zerstreut.Herr Professor haben soeben aus einem fremden Glas getrunken!"D'rum wunderte ich mich so, daß ich noch nicht leer halte, trotzdem ich schon zwei Mal ausgetrunken habe!"

Redaction: E. Burkhardt. Druck und Verlag der Brtthl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.