Ausgabe 
15.1.1898
 
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Luch bet uns Eingang gefunden hat. Seltsam erscheint es, daß es so langer Zeit dazu bedurfte, denn in einigen Ländern bediente man sich der Skis seit einer Ewigkeit schon, um bei starkem Schneefall weitere Touren zu unter« nehmen. Sie haben für schwächliche oder kränkliche Personen entschieden mancherlei Vorzüge vor den Schlittschuhen voraus; einestheils schließen sie die Möglichkeit, sich zu erkälten, viel mehr ans als jene, bei denen der Wind unter den Stahlkufen durchbläst, und anderntheils strengt das Laufen auf ihnen auch weniger an. Frauen mit schwachen Muskeln bekommen beim Schlittschuhlaufen leicht einen Krampf in den Knöcheln oder Waden, der beim Skien fast nie eintritt. Es wird daher von ärztlicher Seite auch ganz besonders bleichsüchtigen oder nervenleidenden Damen empfohlen. So sah ich im vergangenen Winter, den ich in einem Dresdner Vorort verlebte, fast täglich Schneeschuhläuferinnen, welche diesen Sport aus Gesundheitsrücksichten übten, einzeln und truppweise daherkommen. Das Dorf lag vier Eisenbahn­stationen von der sächsischen Hauptstadt entfernt, aber dennoch legten die jungen Damen den ziemlich weiten Weg, ohne sich ermüdet zu fühlen, zurück. Es war ein eigenthümlich phan­tastischer Anblick, diese Gestalten in ihren Pumphosen und kurzen Kitteln aus dicker weißer Wolle, mit den meist spitzen, weißen Fitzmützen auf den Köpfen dahersausen zu sehen.

Eng verwandt mit den Schneeschuhen sind einige Abarten des Rennwolfs. Sie bestehen im Wesentlichen aus einem langen, schmalen Schiff auf einer entweder stählernen oder hölzernen Längskufe, das man stehend mit zwei Stöcken vorwärts schiebt. Es giebt indessen so viele Systeme ähn­licher Art, daß es zu weit führen würde, sie sammt und sonders zu beschreiben. Auch werden sie keineswegs immer und überall gleich benannt. Einmal gleichen sie mehr Schnee- bezw. Schlittschuhen, das andere Mal mehr Schlitten oder Schiffen. So zeigte man mir ebenfalls in Dresden einenRennwolf", der sich bei näherer Besichtigung als ein schmaler, vermöge einer Kurbel zu bewegender Eisschlitten entpuppte, während ein Deutsch-Amerikaner unter der Be­zeichnung ein Paar durch eine Ziehkette nebst Segel ver­bundener Skis verstand. Am häufigsten wird der Name wohl für den Segelschlitten gebraucht, in dem sich's auf Eisbahnen ebenso wie auf beschneitem Erdboden fahren läßt. Indessen existiren auch die Segel in mannigfachster Con- struetion. Viel verspricht man sich von dem neuen Cyelonsegel, mit dem man bei uns noch wenig Erfahrungen gesammelt hat. Es gleicht äußerlich einem großen Regenschirm, der sich aus zwei getrennten Hälften zusammensetzt- fein Vorzug besteht darin, daß es unter dem Druck des Windes, mag er kommen, woher er will, das Gefährt vor dem Umkippen schützt. In England soll man sogar Schlitten oder richtiger Eisveloeipedes eoustruirt haben, die ein obenauf thronender Hund in Bewegung setzt. Immerhin befindet sich der Eis- und Schneefahrtsport noch in seinen ersten Anfängen, und die kommende Zeit erst muß es lehren, wie er sich ent­wickeln wird.

Eine bei uns nur wenig bekannte Art des Sports ist die in der SchweizHageage" genannte. Das Wesentliche dabei ist, daß man in einem niedrigen Schlitten einen Berg herunterfährt oder rutscht. Man sieht dergleichen hier wohl von Knaben als Spiel ausgeübt, daß dieses aber vollständig kunstgemäß von erwachsenen Perfonen betrieben werden kann, vermag man sich schwer vorzustellen. Und doch ist dem so. In Montreux und Davos, wo sich zur Winterszeit stets ein Häuflein Angehöriger verschiedenster Nationen aufhält, werden fast täglich Hugeageparthien unternommen. Aehnlich wie bei den oft beschriebenen Hörnerschlitten im Riefengebirge, auf denen vorn ein kundiger Gebirgsbewohner als verant­wortlicher Lenker steht, der hinter sich früher eine Last Holz, jetzt einen Wintergast hat, findet auch hier der Herr vorn seinen Platz, während die Dame hinten sitzt- ersterer lenkt

auch vermittelst zweier ruderartiger Stangen ober einem richtigen vorn befestigen Steuer das Gefährt. Doch muß er scharf aufpassen, um sich und seine Begleiterin nicht in Gefahr zu bringen, denn wenn ein anderer Schlitten gar zu nah hinter ihm kommt, so können beide einen bedenklichen Sturz erleiden. Zum Plaudern bleibt bei diesem Vergnügen wahrlich wenig Zeit.

Wer einen Winter in Montreux verlebt und die dortigen sportlichen Vergnügungen mitgemacht hat, der kann nicht genug von ihnen erzählen. Schlittenfahrten, Bälle auf der Eisbahn wechseln mit Mntschparthien und Eiscarussels ab. Zu den ganz ungefährlichen Vergnügungen gehören auch die letzteren nicht- sie erfordern keinerlei Uebung der Theilnehmer, aber dafür kann gar leicht irgend ein Unglücks­fall sich ereignen. Der ganze Apparat ist ja doch nicht auf die Dauer eingerichtet und daher vielen widerwärtigen Zu­fälligkeiten ausgesetzt. Aber lustig erscheints doch, wenn die kleinen Schlitten sich so rasch drehen und die winterliche Landschaft rings um die Fahrenden einen tollen Tanz auf­führt. Selbst ältere ängstliche Damen werden von dem lockenden Anblick verleitet, sich's in den leichten schwankenden Sitzen behaglich zu machen. Denn das ist ja eben das Herrliche bei allem Sport, daß er das Kraftgefühl und den Math erhöht und zu lebhafterer Daseinslust anregt! Er bannt die hypochondrischen und pessimistischen Grillen und schafft aus weltschmerzlich angehauchten kränklichen Wesen gesunde voll empfindende Menschenkinder.

Kaste« für Gratulationskarten. Das Herum­liegen der Gratulationskarten in Schubladen und Schachteln bildet eine Quelle des Aergers für jede Hausfrau. Ein hübsches und zugleich praktisches Geschenk ist nun ein Glas­kasten für Gratulationskarten. Die Herstellung desselben ist, nach demPraktischen Wegweiser", Würzburg, mit geringer Mühe und wenig Kosten verbunden. Man läßt sich vom Glaser aus gutem, weißem Glas vier Platten zuschneiden und zwar: Deckel und Boden in gleicher Größe 20 Ctm. lang, 15 Ctm. breit. Die Seitenwände: 2 Längswände 20 Ctm. lang, 9 Ctm. hoch, zwei Querwände 9 Ctm. hoch, 15 Ctm. breit. Die Kosten hierfür betragen etwa 25 Pfg. Sodann kauft man 5 Meter hellblau ober rosa Atlasband von zwei Ctm. Breite und faßt die Glasplatten ringsherum straff ein. Die Ecken näht man mit einigen Stichen fest ei«. Alsdann näht man die Platten an vier Ecken an­einander. Der Deckel wird nur an zwei Ecken festgenäht. Kleine, nette Schleifchen von demselben Band auf den zwei Ecken des Deckels vollenden die hübsche und lohnende Arbeit.

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Zerdrückte Kleider a«fzufrische«. Wollene Kleider, besonders solche aus stumpfen Stoffen, sollte man nicht bügeln, da sie dadurch leicht speckig und glänzend werden. Solche Kleider werden wie neu, ja selbst fest eingekniffene Falten verschwinden daraus, wenn man sie im Keller an einen freistehenden Haken hängt. Besonders krause Stellen kann man vorher mit einem reinen Schwamm etwas anfeuchten.

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Vogelkäfige geruchlos zu mache«. Man bestreut den Boden der Käfige mit einer Schichte Feldghps, und über diese den gewöhnlichen Sand. Dasselbe Mittel ist auch auf Taubenböden und in Hühnerställen mit bestem Erfolg anzuwenden und um so mehr zu empfehlen, als der Gyps die Düngkraft des Vogelmistes erhöht und vermehrt.

Ktdactümr T» Bcheyda. Druck uud Verlag der Brühl'schen Uuiverstläts-Buch- und Siemdruckerei (Pietsch & Scheyda) io Bießm.