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Er wehrte ihren stürmischen Zärtlichkeitsbezeugungen
Nun Ina, ich denke, -in offenes Wort wäre hier doch to06‘£” Ä »a6 PchP-bchm durch tegW* der Aelteren beleidigt suhlte, sei es, daß sich der Klemen
los und fragte höhnend -s
? „Ein offenes Wort? Bist Du etwa offen? Bist Du etwa ehrlich? Eine Scheinheilige, eine Falsche bist Du.
„Pußchen, Kind!" suchte der alte Herr, dem Scenen
dürfen, was--sßapci!"
Staffln^ie"ersmrrt, die beiden ertappten Sünder. <xna das zitternde Blatt noch in der Hand, Mit offenem Mund die hohe Mädchengestalt anstarrend, dre, Hut un ^»ndsckube noch in der Hand, vor ihnen stand.
Herr Lentze selbst war keines Wortes fähig. Zu einer anderen Zeit hätte er seine Selbstbeherrschung dank des un- gewöhnlichen Grolles, den er gegen seine Aelteste un Augenblick empfand, wohl nicht in solchem Maße eingebüßt, letzt aber batte er nur den einen Gedanken, den, sich fürchterlich b oßaestellt zu haben, wozu hatte er, der Vater, sich verleiten lassen? So kämpfte er denn einen harten Kampf zwischen seiner Verwirrung und dem Bewußtsein, sich fassen
°Tbea Lentze glich der jüngeren Schwester in Vielem und doch war üe 'diZer gänzlich nnähnlich. An Ina war Alles frisch, kindlich, natürlich, bei Thea herb, vom Selbst- ^wana corrigirt und dennoch voll Selbstbewußtsein.
8 Mit einer Ruhe, die auf ihren Vater vermchtender wirl e, als eine heftige Scene, deutete sie auf ihre Casette und sagte, ein Spottlächeln um ihre Lippen, die sich mit ihrem Roth so auffallend in ihrem weißen Antlitz hervorthaten.
'S al?jene^schwiegen, wandte sie sich direct an die
Vorgehen das Gefühl der eigenen Beschämung, - täuschung über den nur^zur Hälfte.gelungenen
kleine Wild-
nun t««« Mi, «Mi», Mit Deinen Andeutungen machst Du mich g z
„Theas Liebesbriefe!" triumphrrend °pft daslung Fräulein aus die Holzcassette. „H'-r sind sie drm! ^ch habe ste entdeckt ganz zufällig."
«ä,®»« nu,i M'-istM- ÄÄÄ* ÄS®'“ <!*■ L°n ost habe ich probirt, ob sie sich öffnen ließe- aber ste war verschlossen, und der Schlüssel fohlte- Heute istnun Thea ausgefahren. Ich will mir eines ihrer Bücher holen .."
Aba>"
",Ach Du — so höre doch!"
„Mit beiden Ohren, Pußchen! „
„Also ich will mir ein Buch holen
„Und Du probirft an der Cassette!" ,
Nein, ich probirte nicht- sie stand offen-. r, L läge der Deckel darauf, daß man bequem beinahe hinemsehen fOnnt',§m, beinahe? So hast Du ein Bischen nachgeholfen?"
Die Kleine wurde ungezogen.
„Als ob Du's nicht auch gethan hattest!
^SsthstÄu' wohl! Nun ich sah hinein und fand Briefe, was Mr Briese.....“
c\a aber von wem sind sie denn r
"Ast.....Das ist ganz geheimnißvoll! Nur nut
Punkten unterzeichnet."
„Du bist närrisch, Madel!
©o” laß doch mal schauen!" Papa Lentze that einen energischen Griff nach der Cassette, Ina aber war fluik er als er. Mit^einer blitzschnellen Bewegung hatte sie das Kästchen an stch gerafft und huschteZnun davon.
Komm mit in den Wintergarten!" rief sie dem Vater mit haMauter Stimme zu, und leisen Schrittes wie em ’ der ertappt zu werden furchtet, folgte ihr der
Commerzienrath, hin und wieder den Kopf schüttelnd.
Thea, seine vernünftige zweiundzwanzigsahrige Thea, seine Aelteste, die, wie ihm seine Frau seufzend versicherte, eine vollkommen Emanzipirte war, sollte hinter dem Rucken der Eltern ein Liebesverhältniß angeknüpst haben? Undenkbar Mit wem auch? Herr Lentze ließ alle lungeren männlichen Mitglieder seines Verwandten und Freundeskreises im Ge ste Revue passirem Nichts! Niemand! Hatte-die Ina n etwa doch zum Narren? Doch das mußte sich 1« doch gleich Eisen Da waren sie ja auch schon im Wintergarten -
Ina ging von einer Thür zur anderen und verschloß sie.
„So, da wären mir!"
„Da wären wir!"
„Pst, leiser, man könnte uns hören.
Jo"'hob'" m D-<k/»»n her raimhfenüaffate. Briese, HiM» läuherU» geordnet, <S« ««« d-rl-id-u Hand m
s-»s
-'erz-hn- flehen®«!" zählte Ina triumphirend.
Lentzes erster Blick galt der Unterschrift. Parbleu, in der That nur Punkte und die Anrede lautete:
„Meine verehrte, liebe Freundin!
Dem guten Commerzienrath wurde es plötzlich heiß.
Im peinlich veränderten Tone und einer verzweifelten
und (Äs« »i« d-u Ich-,, der Cassette.
Die Gefragte starrte den Vater eine Seeunde lang verblüfft an- dann ging ein Heer von Gedanken durch ihr Lockenkövfchen und spiegelte sich m ihrem reizenden Gesichtchen wieder. Papa Lentze aber verstand sich viel zu wenig auf das Studium von Physiognomieen. -
Wie konnte er also ahnen, was //Pußchen dachte. Die Kleine sagte sich nämlich als Endresultat ihrer viele , ihr blitzartig gekommenen Erwägungen. „Ich werde „ia aaen sonst erfahre ich am Ende das Interessanteste nicht! und so log sie denn frisch, wenn auch erröthend, darauf los.
Der^athmete^eckichUrt auf Da waren seine schlimmen Befürchtungen ja gottlob nur eitel Einbildung.
»'.der u-ig.« si» »es Pop-s dl-er und ,,»»«» iitrli»tr Kogl über den Briesbogen; Ina aber la» laut mit gemachter Feierlichkeit:
„Meine verehrte, liebe Freundin!
Lassen Sie mich der Freude Ausdruck geben, die ich empfunden, als ich Sie meine unbescheidene Bitte um eine ruhig werdend.
Me""ich^noch "immer anwachsen fühle, in der Hoffnung, Ne morgen endlich, endlich Wiedersehen, Ihnen sagen zu
- ' „Se SN»" Mute der Papa aus deffen L Hoffnung, mit solchem
Mäuseäuglein die helle Neugier sah. Seine F ,19 ff $jowt)en das Gefühl der eigenen Beschämung, der Ent- in das Kästchen, Ina aber vertheidigte energisch ihren Fund B g Y nUY Hälfte gelungenen Geniestreich
vor solchem Uebergriff. fi(, zuscheuchen, kurz, Fräulein Ina fuhr wie eme kleine Wild-
Hübsch einer nach dem anderen," erklärte sie kategorisch, so z 7 fna nnh fronte bühnend:!
und seufzend fügte sich der also Abgeschlagene.
Beide rückten in die Mitte der Bank und steckten die Köpfe zusammen. Mit einer gewissen Feierlichkeit nahm Ina das oberste Papier aus dem Kasten und entfaltete es.


