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Gewicht in der Form eines halben Eies, und eine andere Provinz am linken Ufer des Blauen Flusses führt qar Srlberklumpen im Gewicht von 2 Kilogramm die die Form von kleinen Schuhen haben. Der Verkehr mit diesen Silberbarren giebt Gelegenheit zum großartigsten Schwindel, denn das Gewicht stimmt immer nur annähernd, obgleich die Barren einen Stempel tragen. Daher ist es rathsam, eine Summe, die in solchen Barren ausgezahlt wird, immer sofort nachzuwiegen. Jeder richtige chinesische Handelsmann, »- erzählt Sculfort, trägt beständig in den weiten Aermeln seines Kleides eine Waage mit sich, und wenn er noch gewitzigter ist, deren zwei, die eine zum Einkauf und die Ändere zum Verkauf,- die zum Einkauf wiegt natürlich immer zu reichlich, die andere immer zu wenig. Das Gewicht und demgemäß der Werth der Silberbarren wird in Taels ausgedrückt, und ein Tael ist für China die Rechnungsmünze etwa wie in England das Pfund. Selbstverständlich giebt es in China wieder mehrere verschiedene Taels. Das gewöhnliche Handelstael ist 35,7 Gramm Silber, die Mandarinen zählen ihrem Rang entsprechend nach einem Tael, das V Procent schwerer ist, und die Kaufleute in Canton haben wieder ein 8 Procent schwereres. Das den Europäern am besten bekannte Zoll-Tael wurde durch den Vertrag von 1858 festgelegt und hat 37,8 Gramm, es war früher etwa 7 Mark werth, heute nur etwa 3,20 Mark. Das Tael wird wieder eingetheilt in 10 Tsien, dieses in 10 Fen (Candarin), dieses wieder in 10 Li. Ein Li wird gewöhnlich als gleichwerthiq mit der Sapeke betrachtet, obgleisch zwischen Silber- und Bronzegeld kein bestimmter Zusammenhang besteht. Da das Silber viel mehr im Preise gesunken ist als die Bronze, für ein Tael im Jahre 1896 nur noch 1200 Sapeken gegen 1500 im Jahre 1896 und 1600 im Jahre 1876. Was nun geprägtes Geld betrifft, so scheint ts früher in China Gold- und Silbermünzen gegeben zu haben, sie sind aber schon seit Jahrhunderten aufgegeben worden, wahrscheinlich wegen zu arger Fälschungen. In den Zähren 1838 und 1844 versuchte man von Amoy aus eine Art Silber-Piaster oder Dollar in Umlauf zu setzen (etwa gleich 70/i00 eines £ae[), aber auch diese Münze hatte keinen Erfolg, weil sich reines Silber zu schnell abnutzt. Das einzige gemünzte Geld, mit dem sich der chinesische Handel hat befreunden können, sind ausländische Geldstücke gewesen namentlich spanische und mexikanische Piaster, die indische Rupie, der Handelsdollar der Vereinigten Staaten und das japanische Yen. 1866 richteten die Engländer in Hongkong eine schöne Münzwerkstatt ein und prägten dort für China einen neuen Dollar mit Untereinheiten in 50, 20, 10 und 5 Cents- stäcken. Im Ganzen wurden noch nicht 3 Millionen Dollar ÄUsgegeben, denn die Chinesen wiesen den Hongkong-Dollar zurück, die Münze wurde ohne Sang und Klang geschlossen "Nd die Werkzeuge nach Japan verkauft. Ein ähnliches Schicksal wird wohl der britische Dollar erleiden, der seit dem 2. Februar 1895 in Bombay geprägt wird und 1895/96 in über 3 Millionen und 1896/97 in über 6 Millionen Stück ausgegeben wurde. Der französische indochinesische Piaster vom Jahre 1884 kommt oft nach China hinein, aber meist tst es die erste Sorge derer, die ihn erhalten, ihn einzu- > schmelzen, wenn sein Metallwerth den des japanischen S)ett übersteigt. Seit 1895 wird er in Folge dessen in einem geringem Gewicht geprägt. Daß die Schöpfung einer nationalen Münze in China eine der größten Nothwendigkeiten ist, wird nach diesen Ausführungen wohl Niemand mehr bereiten, man hat auch schon Versuche dazu gemacht. Seit 1890 besteht eine Münze in Canton und später folgten solche in Tientsin, Nanking u. s. w., aber der dort geprägte Dollar oder „Drachen" ist noch immer den Münzsammlern Lesser bekannt als den Kaufleuten, obgleich jährlich wohl für einige Millionen Taels Münzen geprägt werden. Natürlich k bie Münzverwaltungen von Anfang an der Be
trügerei beschuldigt worden. Zum Schluß wendet sich Sculfortt noch gegen zwei weitverbreitete Jrrthümer,- der in China
aufgespeicherte Silbervorrath ist lange nicht so groß wie gewöhnlich dargestellt wird (31/, bis 4 Milliarden). Das Silber läuft hauptsächlich an den Küsten und den Berührungsgebieten mit dem europäischen Handel um, auf dem Lande dagegen ist es selten, und man begnügt sich dort mit Küpser oder auch mit Opium als Zahlungsmittel. Ferner ist der Silberwerth entgegen den bimetallistischen Behauptungen auch in China sehr gesunken, und die Preise haben sich dementsprechend überall erhöht, und zwar um nicht weniger als 62,5 Procent.
Ein Wink an die Hausfrauen.
Für die Hausfrauen ist jetzt eine schlimme Zeit. Sie haben große Plage mit dem unentbehrlichsten Bestandtheil des Mittagstisches: mit den Kartoffeln. Die alten sind zumeist schlecht, die neuen sind noch nicht billig genug. Aber warum sind die alten Kartoffeln so schlecht? Und was kann man thun, um sich für das nächste Jahr vor ,ben Unannehmlich- feiten zu bewahren, die mit dem Schlechtwerden verbunden sind? Darauf antwortet der „Berl. Volksztg." ein Fachmann:
Die im letzten Jahre wieder stark aufgetretene Fäulniß und schlechte Oualität vieler Kartoffelsorten läßt es angezeigt erscheinen, auf ein seit langen Jahren in der Praxis bewährtes, einfaches und billiges Verfahren hinzuweisen, das nachgeahmt zu werden verdient. Es besteht zunächst in der Auswahl der Kartoffeln für den Haushalt auf Grund des specifischen Gewichts. Dieses wird in der Praxis auf einfache Weise durch eine Salzlösung ermittelt. Salzwasser ist bekanntlich tragsähiger als Süßwasser. Wirft mau eine Kartoffel in Süßwasser (gewöhnliches Leitungs-oder Brunnenwasser), so wird sie darin auf den Grund sinken. Fügt mau dem Wasser genügend Salz zu, so hebt sich die Kartoffel an die Oberfläche des Wassers.
Je specifisch schwerer, also mehlreicher nun eine Kartoffel ift, desto mehr «atz muß man dem Wasser zufügen, um sie zum Heben zu bringen. Mit mehreren größeren Behältern von verschiebens starken Salzlösungen kann man jede Kartoffelsorte nach ihrem verschiedenen Mehlgehalt schnell und leicht ganz genau sortireu, wie sie im Haushalt verschieden gewünscht und gebraucht wird. Man erhält dadurch Kartoffeln die sich gleichmäßig kochen, von denen also nicht einzelne schon geplatzt sind, während andere noch hart bleiben. Willman z. B. eine Kartoffelsorte nach ihrem specifischen Gewicht, also nach ihrem Mehlgehalt in drei Sorten theilen, so wirft man, um zunächst die Stärke der Salzlösung zu gewinnen etwa 15 Kartoffeln in einen größeren Behälter mit Wasser und fügt dem Wasser so viel Salz zu, bis sich 10 Kartoffeln an die Oberfläche des Wassers gehoben haben. Die auf dem Grunde liegenden sind die specifisch schwersten, die mehl- reichsten. Die oben schwimmenden, leichteren 10 Kartoffeln wirft man nun in einen zweiten größeren Behälter mit Wasser und fügt dem Wasser wieder so viel Salz zu, bis sich fünf Kartoffeln wieder an die Oberfläche des Wassers gehoben haben. Durch die so gewonnenen verschieden starken Salzlösungen theilt man nun die Kartoffeln nach ihrem Mehl- gehalt in drei Sorten, indem man sie erst in die erstere stärkere Salzlösung wirft, wo man die auf den Grund sinkenden mehlreichsten erhält, und dann die in der ersten Lösung oben schwimmenden in die zweite schwächere Lösung. Hier scheiden sich dann weiter die beiden geringeren Sorten aus. Sind die Kartoffeln aus dem Salzwasser herausgenommen, so spült man sie mit Süßwasser ab; dann läßt man das Wasser ablaufen und sie wieder lufttrocken werden. Es empfiehlt sich, die Kartoffeln, die im Haushalt zum Gebrauch ohnedies abgespült werden, vorher schmutzfrei abzuwaschen.
Besonders wichtig ist die Aufbewahrung der Kartoffeln. Es wird hierzu die Einbettung derselben in trockenen Torfmull empfohlen, die in folgender Weise geschieht. Man


