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ein.
mich
mit
•SebactiMi: T. Echryda. — Druck und Verlag der Brühl'schen 8uiverfitätS-Bnch- und Gteindruckerci (Pietsch & Scheyda) ia Meßen.
eine nach
wie Bett
um diese Zeit noch!
Inzwischen hörte ich auch die Stimme meines Vaters, laute Begrüßungsscene folgte, schließlich schien Alles dem Stallgebäude zu marschiren; es wurde ruhig. Ich mich auf die andere Seite und schien jetzt die noth-
versuchte ich vergeblich einzuschlafen, und als ich endlich in einen unruhigen Schlummer verfallen war, plagten mich wirre Träume. Ich war in die Bleikammer des Dogenpalastes in Venedig gesteckt worden, ich sollte eben einem der drei Männer im feurigen Ofen an Ort und Stelle angetraut werden, und was dergleichen warme Sachen mehr waren. Dann wieder hörte ich, wie ein Collegium gelehrter Männer unter dem Vorsitz von Professor Linde sich darüber unrerhielt, ob ich mich nicht unter Einwirkung einer genügend hohen Temperatur in flüssige Luft verflüchtigen lassen würde oder ob es für die Wissenschaft nicht vielleicht besser sei, wenn man mich als Versuchskaninchen in einem genügend geheizten Crematorium benutzte, — — in Schweiß gebadet wachte ich auf: fahles Dämmerlicht lag vor den Fenstern, der Tag graute. Da hörte ich unten schon polternde Tritte, laute Stimmen. Ich sah nach meiner Uhr, es war kurz vor vier! Nun, das war ja ebenso schlimm wie in der Großstadt, hier kommen die Leate ja auch erst bei Tagesanbruch aus der Kneipe nach Hause. Aber der Lärm wurde lebhafter, drei oder vier Hähne begannen zu krähen, Kühe blökten und das Geschnatter der Enten ertönte im Hofe.
seit einem Jahrzehnt nicht zur Ruhe gegangen. Und was für ein Bett- es reichte aufgebettet fast bis zur Decke der niedrigen Stube, und als ich hineingeklettert war, — ich mollte mir zuerst eine Leiter holen! —, versank ich in den schwellenden Federkissen bis über beide Ohren. Es währte geraume Zeit, bis ich mich wieder so weit herausgekrabbelt hatte, daß ich Athem zu holen vermochte. Mit Ach und Krach warf ich drei der vier übereinander gethürmten Kopfkissen auf den Fußboden, die Last des centnerschweren Deckbettes vermochte ich aber nicht zu beseitigen. Lange Zeit
Man stand also hier wirklich mitten in der Nacht auf, — sanft schlief ich sonst zu Haus in meinem behaglichen
* * *
Acht Tage später traf ich, noch halbkrank zu Hause wieder Mein Mann betrachtete mich mit prüfendem Blick.
„Wars nett auf dem Schlachtefest?" fragte er und sah boshaft lächelnd an.
„Ich habe mich vortrefflich unterhalten," antwortete ich bewunderungswürdiger Selbstbeherrschung, „aber ich
Schauder überlief mich, so schreit nur Jemand, der sich in Todesangst befindet, der gemordet wird! Mechanisch suchte ich mw die nothwendigsten Bekleidungsstücke, behing mich damit, so gut es ging und wandte mich zum Fenster. Mein Blick streifte den kleinen Spiegel, die Füße versagten mir den Dienst: — ja, gehörte denn dieses übernächtige aschgraue Gesicht, die tiefliegenden Augen, die zitternden Hände,--
gehörte den all das mir, war ich denn das noch? Wieder tönten laute Ruse empor, dazwischen ein Röcheln, ein nerven- zerrüttcndes Gestöhn. Ich stützte mich mit beiden Händen auf das Fensterbrett, meine Augen weiteten sich, ich brach kraftlos in einen Stuhl zusammen, denn vor mir sah ich eine Lache Blutes, einen dampfenden Körper, Menschen mit blitzenden Meffern .... Langsam nur klärte sich mir die Situation, endlich hatte ich mich aber so weit gesammelt, daß ich mir sagen konnte: „Das ist ja das Schlachtefest! Ein Schwein ist todtgestochen worden!" Aber die schlaflose Nacht, die Träume, der Schrecken waren mir derart in die ^lieber geiahren, daß ich wohl noch eine Stunde brauchte, ehe ich hinuntergehen konnte. Es hatte Niemand Zeit, sich um mich zu bekümmern. Schließlich aber brachte ich's doch zu einer Taffe Kaffee, die ich wohl oder übel hinabspülte. Dann kam mein Vater auf einen Augenblick.
„So spät stehst Du zu Haus erst auf?" fragte er er
legte ...
wendige Nachtruhe zu finden, ich fühlte deutlich, wie sich meine Augenlider schlossen, wie sich meine Athemzüge verlangsamten . . . ., als plötzlich, — ich fuhr jäh empor —, unten ein gellender Schrei — dann noch einer, — eine sammenhängende Kette von Schreien ertönte, die mir durch Mark und Bein gingen. Meine Haare sträubten sich, ein
Hrrinsvistisches.
Drohung. Mutter (zum kleinen Moritz, der sich nicht waschen lassen will): „Moritz, mach mich nicht bös, sonst j ziehe ich Dir auch noch ein frisches Hemd an!"
werde eines Schlachtefestes wegen keine Reise mehr unternehmen. Wie ein Schwein geschlachtet wird, weiß ja nachgerade alle Welt. Mich interessirts auch nicht mehr. . . ."
Centner."
Meine Mutter erkundigte sich auch nach meinem Befinden. „So lange schlaft Ihr doch zu Haus nicht etwa?" meinte sie mit besorgter Miene, „dann würde ja Alles drüber und drunter gehen. Ich habe heute aber eine unbändige Freude, dieses Schwein hatte zwei Centner, — wie ich dies süße Vieh aber auch gefüttert habe!"
Bruder August tauchte zum Schluß ebenfalls auf. „Du schläfst ja keine schlechte Naht zusammen. Bei dieser Faulpelzerei würden wir hier auf keinen grünen Zweig kommen. Weshalb hast Du Dir denn nicht das Abstechen angesehen? Na, weißt Du, so'n Schwein von zwei Centnern könnt' ich jeden Morgen, Mittag und Abend schlachten."
Inzwischen war nebenan der Frühstückstisch angerichtet worden. Vergebens sträubte ich mich, mit daran Platz zu nehmen, mein Hinweis, daß ich doch eben erst Kaffee getrunken habe, wurde gar nicht beachtet. Ich wurde einfach auf einen Stuhl geschoben und neben mich setzte sich der Schlächter, der mich von Jugend auf kannte. Ein Schauder überlief mich, als ich die biutbespritzte Schürze erblickte.
„Na, nu feste ran, Madameken," meinte er, indem er von der Schüssel ein dampfendes Stück nahm, „hier, ich werde cs Ihnen reichen," — und damit warf er mir einen mächtigen Brocken des fetten „Wellfleisches" auf den Teller. Ich nahm meine letzte Kraft zusammen, säbelte mit dem Messer ziel- und zwecklos in der weichen Maffe herum und „markirte" dann das Essen. Ich verbarg meine Verlegenheit, so gut ichs vermochte, aber ich konnte doch nicht verhindern, daß mir einige Tröpflein Angstschweiß von der Stirne rannen.
„Madameken, bet sind Sie »ich mehr jewohnt," sagte der Schlächter, dem meine Leichenbläffe aufgefallen war, während sonst Alles mit Schneiden, Kauen, Schlingen beschäftigt war.
„Da jehört een ordentlicher Branntwein druff."
Und er nahm eine der auf dem Tisch stehenden Flaschen und schenkte sich und mir eine klare, fast wasserhelle Flüssig feit ein.
„Kornschnaps," erläuterte er, „echter Land - Kornschnaps, — na, Sie sollen leben . . . ." und er goß den Inhalt des Glases in einem Zuge hinunter.
„Sie sollen leben . . . ." wiederholte ich mechanisch. Nun, wenn der Mann ein ganzes Glas in einem Zuge leerte, konnte ich doch ein Schlückchen .... Ich nahm etwa einen Fingerhut voll — —, mein Himmel, was war das! Ich pustete, prustete, — Feuer strömte durch meine Kehle, der glühende Lavastrom ergoß sich, Alles verheerend, in meinen Magen. „Scheidewasser," stöhnte ich, „Scheidewasser, wie könnt Ihr mir Scheidewasser geben . . . ." Dann kam die wohlthätige Ohnmacht!
Stunde später lag ich schon im Bett. So zeitig war ich! staunt. „Da werdet Ihr nicht weit kommen. . . . Aber ' " 1 3 ba§ Schwein, das war ein capitaler Kerl, ausgerechnet zwei


