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daS Nnfchirren »er Gespanne beobachtete, der alte Ivar auf ihn zu, klopfte ihm gönnerhaft auf die Schulter und meinte: „Ja, ja, mein Alter, wenn Jedem sein Recht widerführe, wäre ich jetzt an Deiner Stelle, und Du wer weiß wo/
Als Beweis seiner königlichen Abstammung besitzt Ivar Toste außer anderen Reliquien vergangener Zeiten und längst entschwundener Herrlichkeit, ein wunderbarschönes, goldenes Tafelgeräth, welches er mit gerechtem Stolze hütet und bewahrt. Weniger maßgebend für seine hohe Abkunft ist ein vorzüglicher Aquavit in seinem wohlgefüllten Keller. Die Vorliebe seiner Nachbarn für jenes Nationalgetränk der Norweger weiß „König Toste" zur Erhöhung seiner Volks thümlichkeit auszubeuten, und so können wir uns leicht vorstellen, daß sein Ansehen unter den Leuten nicht gerade dadurch vermindert wird, daß er hier und da sein Lebens- waffer zu kosten giebt.
Seltsamlich muthet den Touristen dieser Alte an, er glaubt in ihm den knorrigen Zweig eines alten Stammes zu erblicken, dessen Wurzeln in längst verronnenen Jahrhunderten liegen, während seine Zweige in die Gegenwart hereinreichen und im Windeswehen flüstern von der Vergänglichkeit alles Gewordenen. Doch bald verfliegt die nachdenkliche Stimmung bei der gastlichen Aufnahme in Gnd- brandsdal, die Geister der Vergangenheit sind bald gebannt und zum Abschied läßt man sich gerne herbei, in den Toast auf den „echten König von Norwegen" einzustimmen: „Min ikol — din skol!“ Frau Ba.
Gemeinnütziges.
Wie viel Samen venöthige ich ftlt meinen Garten? Die Frage ist, wie der „Practische Wegweiser", Würzburg, schreibt, für viele Gartenbesitzer ein unlösbares Räthsel, weil ihnen vielfach die Umsicht fehlt. Mancher bestellt Samen in Quantitäten, mit denen er fünf und mehr Jahre reichen würde. Der Samen läßt sich aber nicht Jahre lang aufbewahren, ja viele Sorten sind im zweiten Jahre schon nicht mehr keimfähig. Solche Samenreste liefern dann ein schlechtes Resultat und bringen Aerger und Zeitverluste. _ Nehmen wir aber eine bestimmte Gewichtsmenge, z. B. 1 Gramm Samen einer Sorte, zählen die Körner ob und rechnen, wie viel Pflanzen wir benöthigen, dann können wir annähernd unseren Bedarf feststellen. 1 Gramm Radiessamen hat 100 Körner, davon ab 20 als schlechtkeimende oder verunglückte, bleiben 80, demnach müssen 20 Gramm 20><80----- 1600 brauchbare Körner und ebensoviel Pflanzen liefern. Gurkenkerne gehen ungefähr 40 auf 1 Gramm, Speisekürbis 5, Blumenkohl 250, Wirsing 350,Zwiebel 270, Lauch 370 u. s. w., je nach Größe der Samen. Wer sich auf diese Weise feinen Bedarf ausrechnet, wird viel unnütze Ausgaben ersparen. Es ist dies gewiß keine Kleinigkeitskrämerei, wie es Mancher nennen wird, denn ich weiß dann genau, ob 10 oder 20 Gramm für meinen Bedarf reichen und der ersparte Ueberschuß kann zur Anschaffung von Neuheiten sehr gut verwendet werden. — Mancher steht nur deshalb von deren Ankauf ab, weil er ohnedies so viele (manchmal unnütze) Ausgaben für seinen Garten hat.
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Gutes Mittel gegen Maul- nnd Klauenseuche. Wenn bei einer Kuh diese Seuche ausgebrochen ist, nehme man zwei Schoppen Essig, eine Hand voll Kochsalz, löse es qut auf und wasche das Maul und die Klauen jeden Tag ein bis zweimal aus. Binnen sechs Tageü wird die Kuh davon befreit sein. Man muß auch immer sorgen, daß die Streu trocken ist. Wenn die Seuche noch nicht ausgebrochen ist und der Landwirth hat Angst, weil sie bei einem Nachbar im Stalle ist, so möge er den Stall gut ausmisteu, auf den
SUbactien: 8L «cheydo. — Druck und »erlag der
Boden Salz streuen, dann trockene gute Streu darauf thun und sein Vieh wird befreit bleiben. Dieses Mittel hat, so chreibt man dem „Praetischen Wegweiser", Würzburg, mein Vater schon jahrelang an seuchekrankem Vieh angewendet und der Erfolg war immer schnell und gut. GL Sch.
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Die Salzsäure als Reinigungsmittel im Haus ftalt. Die Salzsäure ist ein gefährliches Gift, das nur in einem besonders gekennzeichneten und mit Aufschrift versehenen Fläschchen aufbewahrt werden soll. Als Reinigungsmittel, dem kaum ein Fleck oder Unsauberkeit widersteht, st sie jedoch, wie der „Practische Wegweiser", Würzburg, chreibt, unübertrefflich und deshalb auch nicht gut im Haushalt zu entbehren. Da sind Flaschen, denen nichts ihre ursprüngliche Klarheit wiederzugeben vermag. Steinkrüge mit nicht hinwegzufegendem Bodenansatz, Porzellangefäße mit Flecken, welche wie eingebrannt erscheinen u. s. w. Etwas Salzsäure mit ein wenig Wasser verdünnt und Sand bringt unverzüglich alle Flecken und Unsauberkeiten hinweg. Hat sich der unvermeidliche Kesselstein im Wasser- und Theekessel wieder störend angesetzt, so gibt man etwas Salzsäure mit Wasser verdünnt in die verschiedenen Kessel und läßt dies so lange kochen, bis der Kesselstein sich vollständig abgelöst hat. Ist die schöne, weiße Emaille in den beliebten email- lirten Töpfen grau oder schwarz geworden, so gießt man unverdünnte Salzsäure in den Topf, läßt diese heiß, aber nicht kochend werden und scheuert dann den Topf mit Sand aus, worauf die Emaille ihre ursprüngliche Weiße haben wird. Sehr wichtig und vor dem Gebrauch aller dieser gereinigten Gefäße unerläßlich ist es, nach der Reinigung mit Salzsäure stets tüchtig und dies mehrere Male wiederholt mit reinem Wasser nachzuspülen, ja, es dürfte zu empfehlen sein, den Wasser- und Theekessel und die zum Kochen dienenden Emailletöpfe vor ihrer Verwendung auch noch mit Sodawasser auszubrühen. M.
Hninsvistisches.
Verhinderungsgrund. Doetor: „Nun, hat Ihr Mann die Medicin genommen?" — Frau: „Nein, er kann sie nicht nehmen, weil der Herr Doctor gesagt hat, er soll sie nüchtern nehmen, und das ist er nie."
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Modernes Hirathsgesuch. Junger Herr sucht als Lebensgefährtin Dame mit radelloser Vergangenheit.
Literarisches
Der Ball. Zuverlässiger Führer und Berather für Ballbesucher und Ballgeber. Von I. von Wedell. Verlag von Levy & Müller in Stuttgart. — 170 Seiten Octav. Preis eleg. geb. Mk. 2.50. Für die Jugend giebt es bekanntlich kein größeres Vergnügen als den Tanz, und für viele Herren und Damen wäre dieser Genuß ein geradezu vollendeter, wenn sie mit den zahlreichen, von der Etikette vorgeschriebenen Formalitäten und Gebräuchen vollkommen vertraut wären und sie mit Sicher beit beherrschten. Gerade diesen wird vorliegendes, einzig in seiner Art dastehendes Büchlein sehr willkommen sein, denn es giebt zuverlässige und ausführliche Auskunft über alle den Ball betreffenden Fragen. Von dem Augenblick des Eintreffens der Einladungskarte bis zum letzten Bogenstrich, ja noch weiter hinaus, ist alles, was bei einem Tanzvergnügen zu thun und zu lassen ist, eingehend erörtert, so daß es kaum eine Situation geben dürfte, welche in dem überaus anziehend und unterhaltend geschriebenen Büchlein nicht berücksichtigt wäre. Von ebenso großem practischem Werthe ist das Werk auch für Ballgeber, denen eS eine Menge erprobter Rathschläge an die Hand giebt, rote man in oder außer dem Hause ein Tanzvergnügen zu allgemeiner Zufriedenheit der Geladenen arrangiren kann, welche Vorbereitungen nicht nur für den Tanzsaal, sondern auch für eine gediegene Be- wirthung der Gäste zu treffen sind. Eine wunderhübsche Erzählung, „Ballerinnerungen einer jungen Dame" schließt sich dem praetischen Theile an, und ein Bogen leeres Papier im Anhänge wird Vielen zum Einträgen ihrer eigenen Ballerinnerungen sehr willkommen sein.
und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.
Brühl'schen UniversitätS-Buch-


