294
meit’®n^WW§ Lächeln zuckte um Greylocks Mundwinkel. I „Bitte: keine Theaterscene, Madame, die Rosen-Villa und dreitausend Dollars das Jahr sind doch wahrlich leine I Kleinigkeit und ein Vermögen, wie Ihre Tochter es von mir 1 erben wird, erwirbt sich Jemand selten in irgend einem Berufszweige, und nie in dem, welchen Sre. für das Kind bestimmt hatten. Jetzt habe ich nur noch einen Punkt zu erwähnen- entlassen Sie Hannah Johnsohn aus Ihrem >Dicnftc.zz , . I
Iris wurde blaß wie der Tod. „Hannah!" rief sie- I oh, ich verstehe - Ethel hat eine Abneigung gegen sie - sie hat sich gewiß bei Ihnen über sie beklagt, das rhörichte, I unvernünftige Kind. Ich versichere Ihnen, die arme Hannah ist ihr Sclave. Es ist unmöglich — ich kann mich nicht I von ihr trennen."
Mr. Greylock zog die Brauen zusammen. Und warum I nicht, wenn ich fragen darf?" .
„Sie war in guten und tn bösen Tagen, in Armuth, Krankheit, Noth und Elend meine treue Dienerin. Es wäre schwarzer Undank von mir, wenn ich sie jetzt verstieße- begnügen Sie sich damit, mich von meinem Kinde zu trennen - reißen Sie meine alte, treue Dienerin nicht von meiner | @citc !zz , . I
Greylock schüttelte den Kopf. „Ich fürchte, sie sind unglücklich in der Wahl Ihrer Wienerinnen, Madame - ich will indessen nicht auf diesem Punkte bestehen, denn morgen schon werde ich meine Enkelin in einer Pension meiner eigenen Wahl unterbringen - die Personen in ihrem Haushalt werden nicht mehr mit ihr zu ihun haben: sie wird diese Nacht unter meinem Dache zubringeri - morgen müssen Sie ihr sür einige Zeit Lebewohl sagen."
Mit diesen Worten verabschiedete sich Mr. Greylock von seiner Schwiegertochter und kehrte durch Sturm und Dunkelheit nach dem Herrenhause zurück.
Miß Pamela kam dem Bruder auf dem Hausflur entgegen- ihr zartes Gesicht war freudig erregt, und ihr Unwohlsein schien von ihr gewichen zu sein. „Oh, daß dies gerade an diesem Jahrestag eintriffen mußte- rief fiebern Himmel sei Dank, daß Du nicht so grausam warst, sie in dieser Nacht aus dem Hause zu schicken, Godfrey- sie
kommen von dreitausend Dollars jährlich. Freunde können I Wir nie werden, es liegen zu viele unangenehme Erinnerungen Zwischen uns, aber um des Kindes willen soll meine Ab- I neigung gegen Sie fortan nur die Gestalt eines einfachen gegenseitigen Meidens annehmen."
Die schwarzen Augen der jungen Wittwe Wuchteten hell auf, das Blut wallte in ihr hübsches, verblühtes Gesicht. Wahrlich, ihr Glücksstern war endlich aufgegangen Allem in diesem ersten und vielleicht süßesten Augenblick ihrev Triumphes drang aus einer dunklen des Zimmers plötzlich eine heisere, ominöse Stimme: „Polly. Polly.
Iris fuhr zusammen und stieß einen nervösen Schrei aus-^danu brach sie in ein krampfhaftes Gelachter aus. Es war der Papagei, dessen Schlummer durch das Gespräch gestowt worden wa?. „Der dumme Vogel !" kam es zitternd aus ihrem Munde- „ich werde ihm noch den Hals umdrehen. Wie er mich erschreckt hat!" Sie sank zitternd m einen Jauteuil und bedeckte das Gesicht mit den Händen. „E ist sehr hart, sehr grausam, mir mein Kind zu nehmen, schluchzte sie, „meinen Augapfel, das Kind meines armen Robert. Es ist sehr hart, die Controle über Ethel einem Manne zu überlassen, der mein Feind ist und es steis bleiben wird. Es ist hart, allen Hoffnungen auf eine glänzende Bühnenlaufbahn für sie zu entsagen- da es aber für Ethel besser ist, so willige ich ein. Und wenn mir auch das Herz darüber brechen sollte, ich will ihrem Wohle nicht im Wege stehen. Machen Sie mein geliebtes Kind glücklich - räumen Sie ihr ihre Rechte und den ihr gebührenden Rang in der Welt ein, so will ich nicht klagen- ,ch opfere mich
15. Capitel.
Ein Schwur.
Neun Jahre sind verflossen. Es ist sechs Uhr an einem dunklen, trüben Morgen- wir treten in das Klassenzimmer eines Pensionats für junge Damen, eines hoch- fashionablen Etablissements. Zu dieser frühen Morgenstunde war das Hans noch still wie ein Grab. Ein Schuljahr war zum Abschluß gelangt, und die Schülerinnen hatten sich zu ihren Eltern oder Verwandten nach der Heimath begeben, mit Ausnahme einer Einzigen, die jetzt wie ein ruheloser Geist auf dem staubigen Boden zwischen den verlassenen Sitzen und an den schwarzen Wandtafeln vorüberwandelte.
Ich fühle mich so melancholisch wie einst Marius unter den Trümmern von Karthago, Miß Hale," sagte sie zu der bescheidenen Unterlehrerin, welche der anerkannten SchönheU--- königin der Schule, der brillanten Miisterschülerm der Anstalt, bis zum Augenblick ihrer Abreise Gesellschaft zu teilten hatte. „Wie öde es hier ohne die Mädchen aussieht; wenn nur meinen Großpapa nichts abhält; ich werde vor Langeweile vergehen, wenn er mich noch länger hier laßt.
Die Sprechende war eine herrliche Blondine von ungefähr siebzehn Jahren, mit goldigen Haaren, emer nW- weißen Haut, rabenschwarzen Wimpern und Brauet': ein wunderbar schönes graziöses Wesen. Ihr Kopf auf einem Hals wie von Alabaster- Stolz und
I Frost und Feuer mischten sich in den Limen ihrer pu p rotheu Lippen und dem Blick ihrer großen dunkel lauen Augen. Sie war in ein Reiseeostüm gekleidet- auf Hausflur standen ihre bereits gepackten Koffer, die de sörderung harrten- ihr Gesicht war bleich und ihr W l
^„Jhr Großvater kann erst in einer halben Stunde °« kommen, Miß Greylock," antwortete Miß Hale- ,,e» U gerade sehr schmeichelhaft für uns, daß Sre so gr / haben uns zu verlassen- wir werden Sie sehr venmssew
Miß Greylock antwortete auf diese Worte ga „Gehen Sie birect nach Blackport?" fragte B . „Ja," antwortete Ethel Greylock, indem sie a I ein Buch zur Hand nahm, das aus einem der Pu „Als Großpapa vor drei Tagen ankam, um ( Prämirnng anzuwohnen, hatte er, wie Sie wisse / | Nachbarschaft noch eine Geschäftsangelegenhelt zu
schläft in meinem Zimmer - komm und betrachte sie- sie liegt da wie ein kleiner Engel." ,
„Nicht jetzt," antwortete er- „folge mir, Pamela."
Er führte sie in seine Bibliothek. Dort schritt er zu einem Secrekär, der in der Ecke stand, er öffnete eine Schublade und zog ein zusammengefaltetes Papier heraus. Hier," sagte er, „ist mein Testament, Pamela, das Docu- ment, das meine ganze irdische Habe Sir Gervase Greylock vermacht.
Die alte Jungfer fuhr zurück und sagte: ,,yd) Wunsche es nicht zu sehen, Godfrey- erlaß mir das — Du kennst meine Gesinnungen zur Genüge."
Ja," erwiderte er- fürchte indessen nichts- ich wollte Dich nicht auffordern, es zu lesen." Er schritt zum offenen Kamin und warf das Testament in das Feuer. Eine hoch- aufloderude Flamme, ein Häufchen graue Asche, und Sir Gervase Greylock hatte ein riesiges Vermögen verloren.
„Es kommt einen Man» schwer an, feine eigene Thaten rückgängig zu machen," fuhr Mr. Greylock nach einer Pause fort- „allein ich habe alle meine Pläne für die Zukunft geädert, Pamela. Das Kind, droben ist meine Erbin- sie wird jeden Dollar meines Vermögens erhalten, und dennoch soll Sir Gervase nichts verlieren."
Miß Pamela starrte ihren Bruder verblüfft an.
Dieser aber sprach weiter: „Er wird nichts verlieren, weil ich ihn zum künftigen Gatten meiner Enkelin auserkoren habe. Begreifst Du mich jetzt?'


