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und den
auch ver-
sind gar keine Gabeln zu sehen, nur vereinzelt Messer Löffel mit ganz kurzem Stiel, die wahrscheinlich von Gästen selbst mitgebracht worden waren.
Allerdings waren die noch so seltenen Gabeln wie die Messer und Löffel manchmal von Crhstall und Gold
Redaction: 8. Scheyda. — Druck und Verlag der Brübllchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in GlchkN.
fertigt und mit Perlen und Edelsteinen besetzt und wurden in mächtigen Futteralen von feinstem Leder ausbewahrt. Der schlesische ritterliche Abenteurer Hans von Schweinicheu, der mit seinem Herzog Hans von Liegnitz meistens aus Borg eine drollige Bierreife durch die deutschen Lande machte, spricht in seinem, sür die Sittengeschichte des 16. Jahrhunderts äußerst werthvollen Tagebuche auch von „sein Messer und Gabel auflegen," weil sie es selbst mitführten. Und in dem
Das Zertheilen geschah durch den Hansherrn, der allein ein
Unser ^deutsches Wort Gabel ist von hohem Alter. Es lautete im Althochdeutschen gabala, im Mittelhochdeutschen schon wie heute gabele und gabel. Vielleicht ist cs schon von den Kelten übernommen worden. Bei den Kymren, den walcsischcn Kelten, hieß es gebet Die Abstammung ist dunkel.
Mit dem deutschen Worr Gabel bezeichnete man die uralten hölzernen Wirrhschaftsgabeln, die man auf Feld und Wiese brauchte. Als man dann durch die Berührung mit der römischen Cultur auch eiserne Gabeln kennen lernte, benannte man diese mit dem lateinischen Worte fuixa. Furca oder im deutschen Munde Fork sür eiserne Gabeln macht sich schon sehr früh neben Gabel geltend von der Schweiz und Schwaben an, das Rheinland bis ins Niederland und Norddeutschland, se'bst nach Skandinavien und nach England, wo schon die Angelsachsen die fork kannten. Sogar östlich der Elbe, in der Altmark, heißen Heu- und Mistgabel Fork, während sonst im östlichen Mitteldeutsch nur Gabel vorkommt.
Mit dem neuen Luxusgegrnstand, der zuerst in Italien im 12. Jahrhundert auftauchte, mit ber forchetta, der Tisch - gabel, befreundete man sich nicht so bald. Sie wird zum ersten Male erwähnt bei dem italienischen Cardinal Peter Damianus (1007 bis 1072), der in seinen Schriften gegen die Tischgabcl, die eine byzantinische Prinzessin mit nach Venedig gebracht hatte, als gegen eine sündhafte Verweichlichung eiferte.
In Frankreich, das doch so gern an der Spitze der Civilisation marschirte, blieben die Tischgabeln noch lange ein Gegenstand des Luxus. Noch im 16. Jahrhundert geißelte man die neue Sitte am französischen Hofe durch Satiren. Aber selbst zur Zeit des deutschen Befreiungskrieges noch pflegte man in den gewöhnlichen Wirthshäuscrn den Gästen keine Messer, viel weniger Gabeln vorzulegen, nur Löffel. Man nahm an, daß alle Männer ein Taschenmesser bei sich hätten und damit für sich und ihre Frauen das aufgetragene Fleisch schon klein schneiden würden.
Als im Jahre 1608 der englische Sonderling Thomas Coiyate auf seinen Reisen auch Italien besuchte, erregten die Tischgabeln als eine neue Erfindung seine besondere Aufmerksamkeit. Nach seiner Heimkehr gaben ihm seine Lands- lcnte den Spitznamen Fnrcifer, Gabelführer, weil er die italienische Sitte, Gabeln bei Tisch zu gebrauchen, in England eiuführen wollte.
In Deutschland hatte man die T'schgabcl seit Anfang des 15. Jahrhunderts kennen gelernt. Aber selbst an den Höfen war sic hundert Jahr später noch etwas Neues und Seltenes. Auf einem Bilde im Hortus Deliciarum (Lustgarten) der elsässer Aebtissin Herrad von Landsperg aus dem Ende des 12. Jahrhunderts sieht man eine fürstliche Tafelgesellschaft von vier Personen mit nur zwei Messern am Tische sitzen, während die Vorleger daneben auf ihrem Anrichtetische zwei Messer und zwei Gabeln haben, die wie ein wenig gespaltene Löffel aussehen, also den römischen ligulae ähneln. Und auf einem Holzschnitte von Michael Wohlgemuth (1434 bis 1519) im „Schatzbchaltcr", ein fürstliches Festmahl darstellend,
1668 erschienenen Simplizissimus liest man: „Zu solcher neuen Haushaltung hatten wir Beide keinen andern Haus- raht als eine Axt, einen Leffel, drei Messer, eine Piron (ital.) oder Gabel nnd eine Scheer."
Die allgemeine Einführung der Gabeln in die besseren bürgerlichen Kreise war erst unserm Jahrhundert vorbchalien. Weil man die Gabel immer a'S überflüssigen Luxusartikel betrachtete und nur zum Tranchiren benutzte findet man sie auf den niederländischen Bildern des 17. und 18. Jahrhunderts, die Mahlzeiten darstellen, nur ausnahmsweise mit dargestellt. Wie wenig sich in Deutschland die Gabeln noch im vorigen Jahrhundert eingebürgert hatten, geht aus einer Ordnung des Spitals zu Rotenfels vom Jahre 1787 hervor, in der als Tischutensilien Messer und Löffel, aber keine Gabeln erwähnt werden.
Die seltenen Gabeln früherer Zeit, wie sie kunstgewerbliche Museen uns zeigen, waren freilich kleine Meisterwerke in ihrer gefälligen künstlerischen Ausführung. Der große Griff von Elfenbein, Hirschhorn, Gold und Silber oder damit tauschirt, durch bildliche Darstellungen reich verziert und aus der Fußplatte der Zinken eine Inschrift, ein Reimspruch oder der Name des Besitzers mit Jahreszahl eingeätzt. Die hervorragendste Sammlung solcher älteren Gabeln weist die Kunstsammlung von R. Zschille in Großenhain ans. Man versteht bei Betrachtung dieser schönen Geräthe der alten Kleinkunst, warum einst die Gabeln nur langsam allgemein üblich werden konnten. Die moderne Industrie, die allem Luxus eifrig Vorschub leistet, hat darin erst Abhilfe geschafft durch ihre billige, fabrikmäßige Massenherstellung.
Trotzdem sind noch heute die Gabeln auf Island ebensowenig gebräuchlich wie im Innern Rußlands und in Spanien, wo man sie auf dem Lande ebenso vergeblich sucht wie Löffel und Trinkgläser. Aber auch in Deutschland stimmt in vielen Gegenden noch jetzt bei Bauern und einfachen Städtern, was Jmmermann im Münchhausen von den westfälischen Bauern erzählt: sie essen, obwohl ihnen die Gabeln nichts Fremdes mehr sind, doch lieber ohne sie. Zuweilen kann man noch hier und da eine Banernmahlzeit sehen, bei der Jedes sein spitzes Klappmesser ans der Tasche zieht, damit die kleingeschnittenen Bissen anspießt und zum Munde führt. Und das thut man nur der Einfachheit wegen nach dem alten Bauerngrundsatze, mit der Hauswirthschaft möglichst wenig Umstände zu machen, um desto mehr im Srall und auf dem Felde arbeiten zu können. Wenn Besuch kommt und an Feiertagen, wenn man Zeit hat, erscheinen auch Gabeln aus dem Tische. ____________
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