einstigen beiden Bettelkinder aus der Harmonh - Alley, das wirkliche und angenommene Kind der Tänzerin, in Nizza und legten Kränze auf das vereinsamte Grab Derjenigen, welche eine so wichtige Rolle in ihrem Leben gespielt hatte.
Der Kurort zum „Sonnenbad", eine Heilquelle für Jedermann.
Von Dr. Otto Gotthilf.
------- (Nachdruck verboten.)
Wo liegt der heilkräftige Kurort zum „Sonnenbad"? Vergebens wirst Du ihn auf der Landkarte suchen und doch liegt er Dir so nahe. Bist Du ein Stadtbewohner, der keine Veranda und kein Gärtchen zur Verfügung hat, so gehe in die städtischen Anlagen und auf die Kinderspielplätze, dann wandelst Du im Kurorte „Sonnenbad". Wohnst Du aber auf dem Lande oder in der Nähe desselben, dann sprudelt, wenn Du durch Feld und Flur wanderst, die Heilquelle des Sonnenbades in wahrhaft überreichlichem Maße vom Himmel auf Dich herab. Dabei bist Du keineswegs das einzig lebende Wesen, welches in dem Sounenstrahlbade Gesundung und Kräftigung sucht. Dort auf jenem Bauernhöfe liegt behaglich in der Sonne ausgestreckt der Hofhund/ nicht weit davon genießt die Katze mit wohlgefälligem Schnurren und zufrieden blinzelnden Augen die Heilkraft der Sonne/ und dort im heißen Sande liegen die Hühner, lüften bald den einen, bald den anderen Flügel, drehen und wenden sich, damit die belebenden Sonnenstrahlen sie an allen Körper stellen bescheinen können. Auch die Sperlinge auf der Straße und die Vögel draußen in der freien Natur machen es ebenso. Und weshalb? Ist im August die aufreibende Thätigkeit des Brutg schäftes vorüber und der entkräftende Federwechsel einzekehrt, so sind die Vögel froh, wenn sie einen ruhigen, von der Sonne beschienenen Platz finden. Sie machen sich die blutbildende Sonnenwärme zu nutze, der sie jetzt um so mehr bedürfen, als durch die Mauser eine bedeutende Säftemenge absorbirt wird. Aber auch die anderen Thiere nehmen womöglich stundenlang täglich ein Sonnenbad. „Die Pflanze selbst kehrt sich dem Lichte zu!" (Schiller.) Und wie verhält sich der vernunftbegabte Mensch gegenüber diesen instinctiv gesundheitsgemäßen Maßnahmen der Thiere? In ängstlicher Lichtfeindschaft verdunkelt er die Stuben mit Vorhängen und Fensterläden zu grabgewölbartigen Räumen und meidet möglichst jeden Gang im Sonnenschein, nur um nicht einige Schweißtropfen zu verlieren. Daher diese kränklichen Milchgesichter unter den Stadtbewohnern, diese bleichen Treibhauspflanzen namentlich unter der Jugend der besser situirten Stände, daher das große Heer der Bleichsüchtigen und Blutarmen, der Schwächlinge an Nerven und Muskeln. Gehet hinaus in den lachenden Sonnenschein und lernet von Pflanzen und Thieren die Heilkraft der Sonne genießen! Ihre belebenden Strahlen zaubern aus der im Winter scheinbar tobten Erde Blätter, B üthen und Früchte hervor, erwecken die im Winterschlaf erstarrten Thiere zn neuem Leben. Groß ist der Einfluß der Sonne auch auf den menschlichen Organismus. Der noch schwache Reconvalescent fühlt bei ihren erwärmenden Strahlen seine Lebens Kräfte und -Säfte sich mehren / wie unter ihrer Einwirkung allein der grüne Farbstoff der Blätter gebildet wird, so verleiht sie auch dem dünnen Blute, den bleichen Wangen eine gesunde, rothe Farbe. Der Rheumatiker wird an sonnigen Tagen von seinen schmerzhaften Leiden fast gar nicht gequält. Gewisse Hautkrankheiten werden im Sonnenlichte geheilt oder nehmen wenigstens einen sehr schnellen Verlauf/ bestimmte epidemische Krankheiten und Fieber verschwinden in der sonnigen Jahreszeit vollständig. Daher sagt der Italiener: „Dove non viene il sole, viene il medico,“ — „Wohin die Sonne nicht kommt, dahin kommt der Arzt." Und ein altes Sprüchwort sagt: „Auf
der Schattenseite der Straße hält der Leichenwagen dreimal so oft, als auf der Sonnenseite." Ganz wunderbar bedeutungsvoll ist eben die Einwirkung des Sonnenlichtes auf unseren körperlichen und geistigen Gesundheitszustand. Jedoch würde es uns hier zu weit führen, genauer darauf einzugehen. Ich verweise deshalb auf die betreffenden Artikel in meinem Büchlein: „Gesundheitspflege in den verschiedenen Jahreszeiten." (Verlag von W. Rommel, Frankfurt a. M.)
Möchten doch namentlich alle Städter die jetzige Jahres zeit benutzen, um der Gesundungskraft der Sonnenbäder theilhaftig zu werden. Es sind damit nicht die methodisch durchgesührten Sonnenbäder in den sogenannten Naturheilanstalten gemeint, sondern das von Jedem daheim ausführbare Liegen, Sitzen oder Gehen an sonnenbeschienenen Plätzen. Da die Einwirkung der Sonne sich zunächst in einer Verbesserung des Blutes geltend macht, bildet sie einen günstigen Heilsactor namentlich für Bleichsüchtige, Blutarme, schlecht Genährte und Nervenschwache. Experimentell ist aber auch bewiesen, daß der Stoffwechsel bedeutend vermehrt wird, so daß also alle schädlichen Stoffe im Körper schneller ausgeschieden werden. Daher haben alle an Gicht, Rheumatismus, Zuckerkrankheit re. Leidende hier ein sehr werthvollcs Naturheilmittel.
Viele Leute meinen, wenn sie sich den Sonnenstrahlen aussetzen, würden sie gleich vom Sonnenstich oder Hitzschlag getroffen. Bei diesen schädigenden Einwirkungen der Sonne spielen aber stets noch ganz besondere, leicht vermeidbare Umstände mit, die ich anch in meinem obenerwähnten Büchlein beschrieben habe.
Darum, Ihr Städter, laßt in Eure Dunkelkammern von Wohnungen die belebenden Sonnenstrahlen dringen! Gehet hinaus in Feld und Flur dem lachenden Sonnenschein entgegen ! Lasset Eure K ndlein draußen auf dem warmen Sande oder Rasen Herumspielen, damit sie auch so gesunde, geröthete Gesichter und so feste, dralle Backen bekommen wie die Bauernkinder! Es ist höchst thöricht, wenn schon kleine Mädchen mit einem Sonnenschirm einherstolzirert. Der sonnige Sommer bildet gleichsam die hygienische Gnadenzcit, welche den Menschen verliehen ist, damit sie in ihr eine solche Fülle von Lebenskraft und Gesundheit in ihrem Körper aufspeichern, daß sie den rauhen Stürmen des Herbstes und den Fährlich- keiten des eisigen Winters unbeschadet Widerstand leisten können.
Humsristisches.
(Aus den „Fliegenden Blättern".) Grau- ame Strafe. „Wie, Frau Weiubeerl, Sie lernen auch radeln?" „Jawohl! Wissen Sie, wenn mein Schwiegersohn mich ärgert, dann muß er mit mir Tandem fahren!" — Deutlich. „Mein Freund hat Dich heute fast nicht wieder- eikannt, liebe Emma!" „Das wundert mich: ich laufe ja noch mit demselben Hut wie vor drei Jahren herum!" — Eine Muster-Hausfrau. „Sie bekommen doch in Ihrer Braut gewiß eine recht fleißige Hausfrau?" „Das will ich meinen — die hat mir sogar während meiner Liebeserklärung einen Knopf an die Weste genäht!" — Empfind- lich. Abgehende Kellnerin (ihre Nachfolgerin anweisend): „Hier an diesem Platz sitzt der Herr Registrator. Bet dem müssen Sie das leere Glas einfach immer wegnehmen und wieder füllen. Ja nie fragen, ob er noch eins trinkt — an st ist er beleidigt!" — Nach der Gesangsprobe. „Sie meinen also, Herr Kapellmeister, ich könnte mit meiner Stimme nicht zum Theater gehen?" „Leider — aber in’S Theater können Sie ruhig damit gehen!" — Standesgemäß. Besuch: „Was macht Ihr denn da, Kinder? Ihr tieft wohl Kaufmann?" Frau Commerzieurath: „Wie heißt
Kaufmann? Meine Kinder spielen höchstens Bankier!"
Rcdactüm. 8L Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.


