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meine Handlungsweise anfbürdcn, ich werde die Folgen unter allen Umständen zu tragen wissen."
„So ist's recht!" höhnte der Alte,- „ich liebe stoische Ergebung in das Unabänderliche."
„Ich kam heute Abend mit einer doppelten Absicht nach Greylock Woods," begann Robert nach einer kurzen, peüv liehen Pause. „Ich wollte Dich wegen des Geschehenen um Verzeihung bitten und um die zu meiner Reise nach Colorado nöthigen Mittel ersuchen."
„Die bist also nicht gut bei Kasse!" rief der ältere Greylock mit grausamem Hohne. „Womit hast Du Dich denn seit Deiner Verheirathung ernährt?"
„Ab und zu habe ich durch Beiträge für Zeitungen «einige Dollars verdient,- allein — ich gestehe es im Bewußtsein meiner eigenen Ohnmacht ein — zum größten Theile hat meine Frau uns mit ihrem geringen Einkommen «ernährt."
„Und das heirathet!" stieß Herr Greylock zwischen den Zähnen hervor, „schmachvoll! Du hast auch ein Kind?"
„Ja, eine Tochter."
„Bedauernswürdiges Geschöpf! Unter solchen Verhältnissen soll ein Abkömmling der Greylocks aufwachsen! Du willst nach dem Westen- gedenkst Du Frau und Kinder mitzunehmen?"
„Nein, ich gehe vorerst allein."
Der alte Herr entnahm einem Schränkchen ein Päckchen, dies seinem Sohne überweisend, sagte er: „Hier sind fünfhundert Dollars; mach' einen guten Gebrauch von dem Gelbe, es ist das letzte, das Du von mir erhältst."
Robert nahm das Geld und steckte es in die Tasche. „Im Namen von Frau und Kind danke ich Dir, Vater," sprach er,- „ich hoffe, es wird mir Segen bringen,- ich werde meiner Ueberzeugung nach int Stande sein, mir durch eigene Thätigkeit eine Existenz zu gründen. Da dieses Haus nicht länger meine Heimath ist, so will ich nach „Pooles Inn" zurückkehren,- leb’ wohl, mein lieber Vaier!"
„Verlasse mich!" rief der alte Herr, indem er gebieterisch mit dem Finger auf die Thür wies.
„Ich gehe," erwiderte Robert langsam,- „möchtest Du es nie bereuen, daß wir uns auf diese Weise trennten! ■Seb’ wohl, Vater!"
Mit diesen Worten verließ Robert das Zimmer und trat in den Hausflur hinaus.
In demselben Augenblick eilte eine weibliche Gestalt in einem weißen Nachtgewande die breite Treppe herab und fiel mit einem Aufschrei in die ausgebreiteten Arme des jungen Mannes. „Oh, mein lieber Junge!" rief Miß Pamela Greylock. Die alte Hopkins hat mir gesagt, daß Du hier bist- was hat Dein Vater zu Dir gesprochen?" „Er hat mich aus dem Hause gewiesen, Tante," antwortete Robert, indem er die kleine, alte Dame zärtlich um armte- „es ist nun Alles vorbei! Ich gehe nach Colorado — ich werde Dir schreiben, sobald ich meine neue Heimath erreicht habe."
„Nach Colorado! Großer Gott! Robert! Mein lieber, lieber Junge, das ist ja schrecklich! Warum mußtest Du gegen seinen Willen heirathen und all' dieses Unglück über uns bringen? Und wo ist Dein kleines Töchterchen? Wie mich danach verlangt, das Kind zu sehen! Ich liebe jetzt schon. Komm, erzähle mir von ihr!"
„Ich kann nicht, Tante!" rief Robert schmerzlich er- 'rsgt. „Laß mich gehen — ich muß fort — ich darf in biesem Hause nicht mehr athmen. Lebe wohl, liebe, gute Tante- Gott segne Dich!"
Er riß sich aus ihren Armen, öffnete die Hausthür und verschwand in der finsteren, kalten Nacht.
Noch einen letzten Blick warf er zurück auf die vom ^icht erhellten Fenster des Bibliothekzimmers- dann schritt er schweren Herzens den mit Tannen und Fichten eingesäumten Hauptweg hinab, der Landstraße zu.
Die Stadtuhr von Blackport schlug elfmal, als
Robert die Allee hinabschritt, welche ihm in dieser Nacht kein Ende zu haben dünkte- er beabsichtigte, in Pooles Gasthof zu übernachten und mit dem Morgenzug nach New-Aork zurückzukehren. Der Mond mühte sich noch vergeblich ab, die grauen Wolkenmaffen zu durchdringen, und warf nur auf einige Augenblicke ein mattes, gespenstiges Licht über den großen Park.
Eine eiserne Pforte führte von der Tannen-Allee nach der Landstraße.
Als Robert sich mit raschen Schritten dieser Pforte näherte, gewahrte er deutlich eine menschliche Gestalt, die in lauernder Haltung neben der Thür stand. Der von einem Schlapphut bedeckte Kopf reichte bis zum oberen Ende des nur mäßig hohen Thürpfostens - der übrige Theil des Körpers verlor sich im Schatten. Robert fühlte sich unwillkürlich betroffen und machte Halt. In demselben Augenblick entdeckte die Gestalt seine Annäherung und sprang auf.
„Wer da?!" rief Robert.
Keine Antwort erfolgte.
„Wer seid Ihr, und was wollt Ihr von mir?" sprach Robert mit lauter Stimme.
Das Gesicht ihm zugewandt, allein völlig vom Schatten und der Dunkelheit verhüllt, stand der Fremde einen Augenblick still, als wäre er unschlüssig, ob er antworten sollte oder nicht. Dann verschwand die Gestalt plötzlich, als ob die Erde sie verschlungen hätte.
(Fortsetzung folgt.)
Fußwanderungen, der hohe hygienische Werth derselben.
Von Dr. Otto Gotthilf.
------- (Nachdruck verboten.)
„Es würde Alles viel besser gehen, wenn man mehr ginge," sagt der große Tourist und Dichter Seume in seinem „Spaziergange nach Syrakus". Dies Wort gilt namentlich in gesundheitlicher Beziehung. Die bedeutendsten medicinischen Autoritäten stimmen mit den sogenannten Naturärzten darin überein, daß Fußwanderungen einen überaus hohen hygienischen und heilenden Werth haben. Beim Wandern wird die Widerstandskraft des Körpers gegen künftige Erkrankungen und die Spannkraft des Geistes bedeutend erhöht- es bildet das beste Vorbeugungsmittel gegen Krankheit und Siechthum. Dazu ist es nun keineswegs nothwendig, daß man der Alpen Gipfel erklimmen muß. Im Gegentheil- dieser Sport artet meist zu einem unsinnigen Fexenthum aus, bet welchem die Körperkräfte überanstrengt und das Leben leichtsinnig auf's Spiel gesetzt wird. Die modernen Bergfexe mit ihrer krankhaften Renommirsucht sind die lächerlichsten und widerlichsten Erscheinungen inmitten der erhabenen Naturpracht der Hochgebirge. Freilich gewährt Bergsteigen alle hygienischen und sanitären Vortheile des Fußwanderns in noch höherem Maße als Marschiren in der Ebene, aber es darf nicht übertrieben werden. Wer Gelegenheit hat, übermäßig pasfionirte jüngere und ältere Bergkraxler wiederholt zu beobachten, wird die Erfahrung machen, daß es ihnen ebenso geht wie den schwer- arbeitenden Landleuten: In jungen Jahren sehen Burschen und Mädchen infolge des steten Aufenthaltes in frischer Luft blühend und kräftig aus, bald aber macht sich die überanstrengende, vom Morgengrauen bis spät Abends dauernde Feldarbeit geltend und schon im mittleren Lebensalter sind die Landleute, mit Ausnahme der wohlhabenden Bauern, ab- gearbeitet und abgenutzt, was sich auf ihren faltigen, ab- gemagerten Gesichtern deutlich ausprägt. Am empfehlens- werthesten in gesundheitlicher Beziehung ist entschieden ein nur mäßiges Bergsteigen, also das Wandern in den sogenannten Mittelgebirgen, wie Schwarzwald, Harz, Erzgebirge tc. Aber auch wer hierauf aus Mangel an Zeit oder Geld verzichten muß, möge sich doch ja die großen hygienischen Vortheile längerer Touren nicht entgehen lassen, sondern in der


