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über einen kleinen Bach wölbte, eilte an Treibhäusern und Gärten vorbei, erstieg einen Rasenhügel und erblickte endlich mitten im Parke daS Haus, eine stylvoll ' gebaute Villa mit einer hohen Mansarde und einem viereckigen Thurm. Aus einem der unteren Fenster schimmerte Licht hervor. „Gott sei Dank!" rief er, als seine Augen den, hellen Schein gewahr wurden, „er ist noch in der Bibliothek,' er ist noch auf !" Im nächsten Augenblick war er an der Thür und klingelte heftig.
Niemand kam; die Dienerschaft hatte sich offenbar schon zur Ruhe begeben. Robert klingelte noch lauter, und nach einiger Zeit blickte ein freundliches, ältliches Gesicht in einer Spitzenhaube durch das Guckloch.
„Machen Sie die Thür auf, Mrs. Hopkins," sagte Robert- „ich bin's."
Die Alte wankte bestürzt zurück. „Gerechter Hrnnnel!" rief sie, „war es mir doch, als hätte ich dieses Klingeln gekannt! Oh, Herr Robert, was bringt Sie hierher?" „Alberne Frage!" antwortete er, indem er die Thür aufstieß, die Alte bei Seite schob und in den Hausflur trat. Die alte Mrs. Hopkins war seit Roberts Kindheit Haushälterin zu Greylock Woods gewesen. Ich komme, um meinen Vater zu sprechen: ich weiß, er ist hier und noch nicht im Bette- beeilen Sie sich, ihm meine Ankunst mitzu- theilen!"
Frau Hopkins war eine ziemlich eorpulente Frau, deren Gesichtszüge deutlich zu erkennen gaben, daß sie alle Dinge so leicht wie möglich zu nehmen Pflegte- dennoch erblaßte sie sichtlich, als sie Roberts Begehr vernahm.
„Oh, das darf ich nicht thun!" keuchte sie- „es würde mich meine Stellung kosten, Herr Robert- Ihr Vater ist so wüthend auf Sie — so wüthend —"
„Wo ist Tante Pamela?" unterbrach Robert die Sprechende.
„Die ist bereits zu Bett gegangen- sie hat schreckliches Kopfweh."
„Ich muß meinen Vater sehen, Mrs. Hopkins- unter diesem Dache werde ich doch keine Umstände machen!"
„Mit diesen Worten schob er die Frau aus dem Wege und schritt auf eine Thür aus Wallnußholz auf der anderen Seite des Hausflures zu. Im nächsten Moment drehte sich diese in ihren großen messingenen Angeln.
Das Gemach, das Robert nun betrat, war das Bibliothek- Zimmer- es enthielt außer einer großen Anzahl von Büchern Möbel aus Ebenholz, die mit rothem Plüsch gepolstert waren. Das offene Kaminfeuer verbreitete eine angenehme Wärme. Von der Mitte des mit Fresken geschmückten Plafonds hing an einer Kette eine silberne Lampe herab, die ein überaus klares, sanftes Licht und zugleich süßen Wohlgeruch verbreitete. An dem Tisch unter dieser Lampe saß ein Mann, der die mittleren Jahre bereits hinter sich hatte und dessen kleine Gestalt in einen sammetnen Schlafrock gehüllt war- er war mit Lesen beschäftigt.
Der Besitzer von Greylock Woods war einer der elegantesten, zugleich aber auch einer der unzugänglichsten Männer, die man sich denken kann. In seinem Wesen, wie in seinem Geschmack war er durchaus vornehm. Seine Hände waren klein und weiß- sein strenges und hartes Pofil glich dem eines starren Richters- seine Lippen waren ungewöhnlich dünn- seine grauen Augen hatten den Ausdruck unbeugsamer Härte.
Mr. Greylock hatte schon ein recht hübsches Vermögen von seinem Vater ererbt, es aber als Bankier durch seine geglückten Geschäfte noch bedeutend vermehrt. Gegen Leute, die ihm gleich standen, war er artig und zuvorkommend - für die niederen Klassen angehörenden Menschen jedoch unnahbar. Er war, wie man zu sagen pflegt, ein Mann mit steinernem Herzen, lau in der Freundschaft, schroff in seinen Abneigungen.
Als die Thür aufging, blickte der alte Herr von seinem Buche auf. Beim Anblick der Gestalt schrak er nicht zu
sammen, er entfärbte sich nicht einmal, sondern legte das Bilch auf den Ebenholztisch und rief mit gewitterdrohender Stimme: „M>s. Hopkins!"
Allein MrS. Hopkins hatte kein Verlangen, dem kommenden Sturm die Stirne z» bieten; sie floh nach ent ernteten Regionen des Hauses.
Der Besitzer von Greylock Woods erhob sich von seinem Fauteuil und sah den jungen Mann an der Thür scharf an, ein einziges Kind, den Sohn seiner Gattin, die bei der gebürt des Knaben gestorben war. „Was willst Du hier?" Tagte er mit einer Stimme, die eisigkalt war.
„Eine kurze Unterredung mit meinem Vater," antwortete Robert, indem er ruhig eintrat - er näherte sich einem Vater und reichte ihm die Hand.
Der alte Herr machte fine abwehrende Geberde und sagte scharf: „Was hast Du mir zu sagen? Fasse Dich kurz!" Robert blieb auf der anderen Seite des reich mit Schnitzwerk verzierten Tisches stehen- das milde Licht der Hängelampe fiel auf sein Antlitz und beleuchtete seine abgehärmte Gestalt. Ohne sich durch den frostigen Empfang entmuthigen zu lassen, antwortete er- „Ich will den Osten verlassen, um mein Glück zu suchen- ich will nach dem fernen Westen reisen; ist es nicht möglich, daß wir uns vor meiner Abreise versöhnen?"
Das Gesicht des alten Herrn nahm einen noch härteren Ausdruck an. „Nein!" erwiderte er kurz.
Ein peinliches Schweigen entstand.
Robert blickte in dem wohlbekannten prächtigen Zimmer umher und heftete dann die Augen auf den kostbaren Teppich. „Ich werde es sehr bedauern," sagte er endlich- „denn wahrscheinlich ist dies das letzte Mal, daß wir uns in diesem Leben sehen - verzeih mir Vater, laß uns in Frieden scheiden!"
„Vor achtzehn Monaten trafst Du Deine Wahl — ich sagte Dir damals, daß ich Dir nie verzeihen würde- der Himmel sei mein Zeuge, daß ich es nie thun werde!"
„Ist das nicht zu hart, Vater?" stammelte der junge Mann.
„Du warst mein einziges Kind," begann der alte Herr auf's Neue- „alle meine Hoffnungen richteten sich auf Dich. Die Grcylocks sind ein stolzes Geschlecht- wir haben, wie Du weißt, adeliges Blut in den Adern. Du solltest, wie ich hoffte, die Ehre unseres Namens aufrecht erhalten- mein ganzes Vermögen wäre dereinst Dir zugefallen. Ich sparte weder Geld noch Mühe, um Dich für die Dir zukommende gesellschastliche Stellung zu erziehen. Du hättest unter den Besten unseres Landes wählen können, um Dir eine Gattin zu suchen. Noch halb ein Junge, verliebst Du Dich, wenn man es so nennen kann, Hals über Kops in eine niedere Bühnen-Creatur — in ein Mädchen, das in Trieots und kurzen Röcken zur Belustigung eines gemischen Auditoriums auf der Bühne tanzt. Von einer ganzen Welt voll Frauen war dies die einzige, die mein hochgebildeter, hochstrebender Sohn für würdig hielt, meine Schwiegertochter zu werden — ein geschminktes Weib von sehr zweifelhaftem Rufe!
„Lieber Vater!" unterbrach Robert den alten Herrn ruhig, „ich bitte Dich, Deine Bemerkungen und Deine Vorwürfe nur auf mich zu beschränken, laß meine Frau W' unserer Unterredung aus dem Spiel!"
Jetzt endlich verlor der alte Herr seine Selbstbeherrschung und rief wüthend: „Unreifer Bube! Du willst Deinen Baier zurechtweifen, während mir längst bekannt ist, in welche Einvernehmen Du mit der Erkorenen Deines Herzens leb! Der Wahn war kurz- trage die Folgen Deiner Handlung^ weise, ich lehne jede Verantwortlichkeit ab! Ich habe gewarnt, ich habe Dich gebeten — aber Alles war gebens." .
„Es ist nutzlos, weiter auf diesen Gegenstand et z gehen, Vater," entgegnete Robert ruhig- „ich werdet we mit Dir, noch mit sonst Jemanden über mein eheliches sprechen. Ich will Niemandem die Verantwortlichkeit i


