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der Bühne widmen; er wird vor Wuth bersten, seinen Namen auf dem Theaterzettel zu sehen."

Hannah stellte den Vogel in's Fenster, während Iris sich vorbereitete, dem Kinde die Tanzlection zu ertheilen.

Dies war keine geringe Aufgabe für Iris- es verur­sachte ihr heftige Schmerzen, allein sie überwand dieselben mit Muth und Entschlossenheit. Das Mädchen stand bald auf ihren Fersen, bald auf ihren Zehen- ihr geschmeidiger Körper nahm die erstaunlichsten Positionen an. Sie beugte und krümmte sich, sie schwebte und flatterte, wirbelte und schwang sich im Kreise umher, während Iris auf dem Piano die Melodie vorspielte und mit ihrem gesunden Fuße den Tact schlug.

Mein armer Vater pflegte zu sagen, daß jeder Zoll in dem Körper einer Tänzerin dressirt werden würde," seufzte sie,ja, selbst die Augen, die Finger und die Gesichts­muskeln. Jetzt, Ethel eins, zwei, drei! Nein, das ist nicht recht! Noch einmal! Bravo, mein Kind! Deine Stellung ist vorzüglich- Du hast wirkliches Künstlertalent. Laß uns nun den kleinen spanischen Tanz versuchen, den ich Dich gestern lehrte."

Der Papagei warf seinen grünen Kopf auf die eine Seite und krächzte:Ich bin Polly! Ich bin Polly!"

Hannah blickte von der Schwelle grinsend zu.

Nach beendetem Unterricht umarmte Iris ihre Tochter und sagte mit Wärme:Du bist eine Schönheit und auch ein Genie. Du tanzst so natürlich, wie ein Vogel singt - Dir steht eine große Zukunft bevor. Küsse Mama, mein Kind!"

Der Verkehr zwischen der Villa und dem Herrenhaus hatte vollkommen aufgehört mit der einzigen Ausnahme, daß Iris mit lobenswerther Regelmäßigkeit ihre Rechnungen an ihrenBankier" sandte, wie sie den Gebieter von Grehlock Woods nannte. Es waren nicht selten Rechnungen großen Betrages, denn Iris beschränkte sich nicht auf die Nothwendig- ketten des Lebens- allein Godfrey Greylock bezahlte Alles, ohne je eine Klage über ihre Verschwendungssucht laut werden zu lassen.

ES war Hannah Johnsohn, die alle Einkäufe für ihre Gebieterin besorgte, deren unbegrenztes Vertrauen sie zu besitzen schien. Täglich begab sie sich nach Blackport, und häufig nach entfernten Plätzen. Robert Greylocks Wittwe selbst verließ das Anwesen nie, weil sie zu stolz war, ihren strengen Schwiegervater um Erlaubniß zu bitten- sie über­trug daher alle ihre Angelegenheiten ihrer Dienerin, während sie selbst mit dem Kinde in der Rosen-Villa zurückblieb.

Monat um Monat verging. Vergeblich hoffte und wartete Iris auf eine Wendung der Dinge. Wollte der Tyrann von Greylock Woods noch keine gelinderen Saiten aufziehen, wollte Miß Pamela nicht wieder kommen, um Roberts arme Tochter zu besuchen? Der Sommer schwand dahin, und der Herbst kam. Das Leben in der Rosen-Villa wurde sehr langweilig. Iris hatte neue Romane und neue Musikalien in Ueberfluß- auch der Tanzunterricht wurde mit strenger Regelmäßigkeit fortgesetzt- doch alle diese Dinge befriedigten ihren unruhigen Geist nicht. Sie führte eine üppige Tafel, hatte reiche Toiletten, die sie direct von einer Modistin aus New-Aork bezog - Diener standen ihres Winkes gewärtig jeder Luxus umgab sie, und dennoch war sie nicht zufrieden. Ihre unfreiwillige Einsamkeit, die Be­schränkungen, von denen sie sich aus allen Seiten umgeben sah, die Ungewißheit der Dauer dieses Lebens in der Villa- Alles dies erbitterte sie über die Maßen. Doch nie wagte sie es, Godfrey Greylocks Autorität zu trotzen oder die ihr vorgezeichneten Grenzen zu überschreiten. Sie fürchtete den Mann und hütete sich daher wohl, den Halt, den sie bei ihm gewonnen hatte, zu verlieren.

Manchmal fühlte Iris sich von einer innerlichen Wuth verzehrt, die selbst Hannah nicht zu lindern vermochte. Wie ein wildes Thier in seinem Käfig, hinkte sie in ihren schönen Zimmern umher. In einem Augenblick liebkoste und

hätschelte sie bas Kind- int nächsten vermochte sie den Ä«: blick desselben nicht zu ertragen.Ich kann es nicht länger aushalten!" rief sie eines Tages wüthend aus.Oh, wie hasse ich dieses hübsche Gefängniß, diese Ungewißheit, diesen Mangel an Allem, was dem Leben Reiz und Farbe verleiht. Es ist nutzlos, Hannah, auf etwas Besseres zu warten- ich jage mit meinen Hoffnungen einem Schatten nach, und wenn Godfrey Greylock stirbt, wird der englische Erbe uns aus unserem Obdach hier vertreiben- dann muß ich Ethel aus die Bühne bringen, oder aber mit ihr verhungern!"

Ein Jahr war vergangen. Iris war noch mit keinem Bewohner des Herrenhauses zusammengetroffen. So nahe sie beisammen wohnten, standen sie einander doch so fern als ob Meere zwischen ihnen rollten. Inzwischen wuchs die Kleine zusehends heran.

Es war der achte Jahrestag von Robert Greylocks Tod, eine dunkle und stürmische Winternacht- sechs Uhr, die Stunde des Diners in dem Herrenhause, war bereits vorüber.

Godfrey Greylock stand in seinem warmen, Hellen Salon und wartete auf Miß Pamela. Der Wind brauste um den Thurm und die Erker des Hauses- gefrorene Regentropfen prasselten wider die Fensterscheiben- die großen Bäume in den Alleen stöhnten und beugten sich unter der Wucht des Sturmes- es war eine entsetzliche Nacht.

Endlich erschien die alte Hopkins unter der Thür und meldete:Miß Grehlock läßt sich entschuldigen, Sir- sie fühlt sich unwohl- wollen Sie sich daher ohne sie zum Diner niedersetzen? Sie wissen, Sir, Miß Greylock ist immer krank, so oft dieser Jahrestag wiederkehrt."

Ja, er wußte es. Acht Jahre waren seit jener ver- hängnißvollen Nacht verflossen, und dennoch erinnerte er sich aller damit verbundenen Umstände ganz genau. Einsam und ernst setzte er sich Miß Pamelas ganz leerem Stuhle gegenüber an seiner reichen Tafel nieder. Die Lichter brannten hell, das hoch aufflackernde Holzfeuer im Kamin spiegelte sich in dem Silbergeschirr und in den Krhstallflaschen auf dem Tisch - draußen aber wüthete der Sturm mit immer stärker werdender Heftigkeit.

Es ist eine schlimme Nacht für Reisende, Sir," wagte die neben ihm stehende Dienerin zu sagen.

Er war kaum über die Suppe und den Fisch hinaus­gekommen, als urplötzlich die Thür aufflog und eine Gestalt in's Zimmer stürzte, um den Tisch herumlief und auf Miß Pamelas leeren Stuhl kletterte.

Godfrey Grehlock war eben im Begriff gewesen, ein Glas Wein an die Lippen zu führen. Die seltsame Er­scheinung that seiner Hand Einhalt, und das goldene Naß spritzte auf das Tischtuch herab. Er riß in seiner Bestürzung die Augen weit auf.

Ueber dem feinen Damasttuch erhob sich ein goldgelocktes Köpfchen- zwei große Veilchenaugen blickten wie zwei Sterne furchtlos und unerschrocken zu ihm hinüber. Der Hut hing ans den hübschen Hals herab, und der Sturm und Regen hatten das goldene Haar durchnäßt und die zierlichen Locken in Unordnung gebracht. Das Jäckchen, das die kleinen Schultern des Kindes beschützte, war mit gefrorenen Regen­tropfen bedeckt. Das Kind hatte das Aussehen eines zarten Vogels, den der rauhe Nachtsturm in dieses luxuriöse Zimmer geweht hatte.

Godfrey Greylock stellte sein Glas auf den Tisch- er blickte unverwandt auf die Gestalt in der Schwester hohem Lehnstuhl, und die kleine Gestalt blickte ebenso unverwandt aus ihn. Er wußte, daß er nicht träumte, und daß es keine Sinnestäuschung war, was er gewahrte. Es war seine verschmähte und verachtete Enkelin, die jetzt, am Jahrestage von Roberts Tode, ihm gegenüber saß und ihn mit den Augen ihres armen, unglücklichen Vaters anblickte. Er wandte sich zu der Dienerin und sagte:Verlassen Sie das Zimmer!"

Die Dienerin gehorchte.

Jetzt wandte sich Godfrey Grehlock zu der kleinen Ge-