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zur Seite und lacht heimlich in fich hinein, daß seine eorpx- lente kleine Gestalt schüttelt!"
Ob der Assessor diese himmelschreienden Lügengeschichten glaubt? — Er thut so, — wohl auch aus kluger Höflichkeit.
Hier und da, wenn Fränzchen es gar zu bunt treibt, zittern die Spitzen seines Schnurrbarts wie unter verhaltenem Lachen.
Im großen Ganzen scheim er sich aber himmlisch zu amüsiren, denn das Backfischchen ist animirter, wie je, und ihre drastische, drollige Art und Weise wirkt auch auf ihn im hohen Grade erheiternd.
Sie scheint sich geradezu Mühe zu geben, ihn an ihrer Seite zu fesseln und bestens zu unterhalten, und jetzt wird sich das Thema auf Jagdgeschichten hinüberspielen.
Fränzchens Augen blitzen auf, — und in seiner Lebhaftigkeit sieht das häßliche Gesicht beinahe hübsch aus.
Sie verspricht ihm, unglaubliche Jagdabenteuer aus den Prairien und Urwäldern zu erzählen, und derweil sie sich anscheinend auf bluttriefende Büffel-, Bären- und Antilopen- Massenmorde besinnt und präparirt, muß er ihr von den Hirschjagden und Sauhatzen der heimathlichen Gebirgswälder berichten.
„Wie viel Hirsche haben Sie schon zur Strecke gebracht?" Er nennt eine Zahl, welche ihr zu imponiren scheint. „Und wie viele Sauen?"
Abermals scheint sie mit seiner Antwort zufrieden.
„Sie schießen wohl sehr gut?"
„Ich schmeichle mir wenigstens, nicht gerade schlecht zu schießen!"
„Famos- — wir passen ja großartig zusammen! Ich schieße nämlich auch wie das Donnerwetter und für mein Leben gern! Wissen Sie was? wenn wir jetzt nach Rüdes- heim kommen, haben wir ja massig Zeit, — und lange Promenaden machen wir heute doch nicht mehr! da sehen wir zu, daß uns der Hotelwirth einen kleinen Scheibenstand einrichtet und uns irgend ein paar Schießprügel zur Stelle schafft, und dann knallen wir mal um die Wette drauf los! — Ja? einverstanden?"
Er ist entzückt, und Fränzchen jodelt vor Freude so kräftig los, daß die Grethe erschreckt einen kleinen Satz zur Seite macht.
„Esel du! wenn man Dich mit Deinem Vatersnamen nennt, hast Du es redlich verdient!" wendet sich Comteßchen nach dem nervösen Grauschimmel zurück, und die beiden Herren belachen den Witz nach Gebühr.
„Lilian, legst Du Dich in Rüdesheim erst eine Weile zum Ausruhen hin, oder kommst Du mit uns auf den Scheibenstand?" fragt die Kleine plötzlich, sich an die schweigsame Freundin, welche einen Schritt hinter ihr geht, wendend.
Es deucht Pia, als liege keine allzu dringende Aufforderung in dem Klang ihrer Stimme.
„Natürlich muß Ihre Fräulein Cousine zugegen sein!" fällt Hellmuth hastig ein: „Wir müssen doch kritisches Publikum haben und wenn wir uns mal wegen eines Meisterschusses zanken sollten, bedürfen wir eines unparteiischen Schiedsrichters!"
„Kann ja zur Nöth auch Papa sein!"
„Traust Du mir kein Urtheil zu?"
Das Backfischchen wirft eine Kußhand zurück: „Ich thäte Dich erwürgen, wenn Du etwa nicht mir, sondern dem Assessor Recht gäbest!"
„Dann überlaß ich Dir diesen Ehrenposten, Onkel!" „Danke schön, will schon mit der Hexe fertig werden!" „Unbesorgt, mein gnädiges Fräulein, ich bin überzeugt, daß Fräulein Francis mir jeden Zug neidlos gönnt und Ihr Urtheil sogar in diesem Sinne beeinflussen wird!"
Fränzchen schneidet eine kleine Grimasse, Hellmuth aber fährt scherzend fort, sich abermals an Pia wendend: „Oder machen Sie uns etwa Concurrenz und betheiligen sich selber an dem Preisschießen?"
Fräulein von Nördlingen sieht beinahe erschrocken aus. „Nein!" antwortet sie kurz, „ich habe noch nie ein Gewehr oder eine Pistole in der Hand gehabt!"
Er macht eine heftige Bewegung mit dem Kopf, als wolle er sagen: „Bravo! ich freue mich dessen!"
Und Fränzchen nickt ebenfalls wohlwollend und sagt: „Wozu auch? Schießgewehre sind kein Spielzeug für Mädchen!"
Lautes Gelächter.
„Und das sagen Sie, gute Schützin, die doch selber eine junge Dame ist?"
Die Kleine lacht auch, aber ein wenig verlegen und ihr Blick huscht momentan zu dem Vater hinüber, der Graf aber hat es nicht gehört, er ist stehen geblieben und erwartet den heranrollenden Wagen.
„Unsinn! ist ja bei mir etwas ganz Anderes!" sagt sie mit wegwerfender Geste. „Sehen Sie mich an und dann die Lilian! Sehe ich aus, wie ein zartes Jungferchen? An mir verwilderter Range ist nichts mehr zu verderben, ich sehe ja doch nicht danach ous, als ob ich bei lebenden Bildern einen Engel stellen könne, aber Lilian, was ist die gold- weiß-rosige Lilian gegen mich schwarze Hexe für ein Zuckerpüppchen! In mich wird sich nie ein Mann verlieben!"
„Aber, mein gnädiges Fräulein, wie können Sie uns Männern einen so schlechten Geschmack zutrauen?"
Das Backfischchen warf übermüthig den Kopf zurück und lachte, daß die weißen Zähne blinkten: „Wenn Sie noch keine Frau hätten, würden Sie sich etwa in mich verlieben?"
„Fränzchen!"
Der Asseffor machte einen tiefen Diener und legte die Hand auf das Herz. „Fraglos! allen Rivalen zum Trotz!"
„Ach, Sie reizender Mensch!" beinahe hätte sie ihn in ihrem tollen Jubel umarmt, glücklicherweise unterbrach Tante Johannas Ankunft die kleine Scene.
Fränzchen stürmte der Mutter entgegen und stellte ihren „neuen Freund" vor, mit übersprudelnder Lebhaftigkeit alles Geschehene erzählend. Pia stand schweigend bei Seite. Sie hatte sich über Fränzchen geärgert; zu solchen Naivetäten war sie denn doch zu alt.
Tante Johanna wandte sich voll Bedauern an sie: „Arme Lilian, dieser Dauerritt hat Dich sicherlich sehr angestrengt, willst Du nicht lieber einsteigen und mit mir fahren?"
Pia senkte das Köpfchen, sie sah den Assessor nicht an und athmete schwer und tief. Dann blickte sie sehr ruhig auf und antwortete: „Danke tausend Mal, liebe Tante, das Gehen ist mehr sehr angenehm, mit Deiner gütigen Erlaubniß bleibe ich zu Fuß!"
Capitel 17.
Nun wandt' ich im Dämmerlicht blühender Bäume, Ich fasse der Nachtigall Jubel uud Schmerz — Ich zähle die Sterne! ich wache und träume, — Ein schwebender Stern ist mein seliges Herz!
Alfred Meißner.
Darf ich etwa Euer Gnaden
S' nächste Mal zum Schießen laden?
Er gönnt doch Andern was, Mosje? Nun er kommt doch? he, he, he?
Freischütz.
Man hatte Rüdesheim erreicht und war in der „Krone" abgestiegen. Kammerfrau und Diener besorgten das Gepäck und die kleine Gesellschaft trennte sich, um kurze Zeit auf den Zimmern der Ruhe zu Pflegen.
Mrs. Luxor war sehr erfreut, die Wohnung ganz nach ihrem Geschmack zu finden. Auf die Schlafzimmer legte sie besonderen Werth. Sie mußten groß und luftig und durch eine Thüre verbunden sein, in dem einen schlief sie und Fränzchen, in dem anderen ihr Gatte. Pia wohnte zur anderen Seite des kleinen Salons, welchen der Wirth schnell Herrichten ließ, da die Herrschaften nicht an der WirthSmfel


