Ausgabe 
23.10.1897
 
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Entstehung des Petroleums aus Leichen.

Verschiedene Erklärungsarten über das Vorhandensein deS Erdöls, mancherlei Hypothesen über seine Entstehung sind von der Wissenschaft und von Fachleuten aufgestellt worden, ohne daß man bis heute zu einem unzweifelhaften Resultat gelangt wäre. Eine dieser Ansichten, nämlich die, daß das Erdöl (Petroleum) thierischen Ursprungs sei, wird jetzt immer mehr durch die an den Gewinnungsorten zu Tage tretenden fossilen Reste vorweltlicher Thiere, von welchen man in den Schiefergesteinen vorzügliche Abdrücke findet, bestätigt. Das Petroleum soll sich durch Zersetzung des Fettes von Seethieren aus früheren geologischen Perio- den unter Einwirkung von Wärme und hohem Druck gebildet haben. Ein Dr. Engler hat chemische Versuche angestellt, welche wohl im Stande sind, den Zusammenhang zwischen dem Erdöl und den animalischen Resten zu erklären. Er fand, daß in den fossilen MammuthsknoLen und in den Knochen mehrerer anderer Thiere noch Fettreste vorhanden sind, welche nur aus Kohlenwafferstoffen bestehen und ihrer organischen Eigenschaften wegen nicht verwesen können. Es ist dieses dieselbe Substanz, welche beim Verwesen des mensch­lichen Körpers als Rückstand außer den Knochen übrig bleibt und auf kleinen, stark benützten Begräbnißplätzen den Boden derartig sättigen kann, daß ein Verwesen weiterer Körper nicht mehr möglich ist, wodurch solche Friedhöfe oft die Brut­stätten von Krankheiten bilden können. Es ist dieses auch ein vornehmlicher Grund, der Feuerbestattung das Wort zu reden.

Diesen Stoff nun benutzte Dr. Engler zur künstlichen Darstellung von Petroleum, indem er den einen Schenkel einer in einem Winkel gebogenen Glasröhre mit der Masse ansüllte, darauf das Ende der beiden Glasschenkel zuschmolz und das gefüllte Glasrohr der Einwirkung einer Hche von 800 bis 400° C. aussetzte. Dabei destillirte eine Flüssigkeit in den andern, kalt gehaltenen Glasschenkel über, welche sich in keiner Weise von Petroleum unterschied. Man konnte die Flüssigkeit, ganz wie bei dem natürlichen Erdöl, in die ver­schiedenen Bestandtheile (Paraffin, Benzin u. s. w.) zerlegen. Auch Schweinefette, Hammeltalg und die Fettstoffe anderer Thiere wurden in derselben Weise behandelt und ergaben das­selbe Product.

Bekanntlich wird das Erdöl sowohl in Amerika, als auch im Kaukasus, in der Umgebung von Baku, in ganz colossalen Mengen theils aus Schöpsbrunnen, theils aus Springquellen gewonnen. Die Ansammlung von so gewaltigen Massen von Thierleichen, welche zur Erzeugung der ungeheuren Erdöl­mengen nothwendig sind, wird durch folgende Hypothese zu erklären versucht: Eine Bucht ist beispielsweise durch eine Barre vom Meere getrennt worden und das Wasser hat sich durch Verdunstung concentrirt. Wird später durch irgend eine Katastrophe die Barre durchbrochen, so ergießen sich die so entstandenen Mutterlaugen in das Meer und tobten alles Leben, wobei mit der Zeit die gewaltigen Massen von Thier­leichen durch Niederschläge aus dem Waffer bedeckt werden uns das Material für ein Erdöllager abgeben.

Weitere Beobachtungen und Untersuchungen müssen lehren, ob die ausgesprochenen Ansichten sich als richtig erweisen.

Ba.

Gein-rnnÄtzig-S.

Die ObfivLnme können schon, wie derPraktische Wegweiser", Würzburg, schreibt, im October beschnitten wer­den. Man schneidet an den Fruchtzweigen das überflüssige Holz weg. Die Leitzweige kommen erst im Frühjahr daran. Die Pfirsich- und Aprikosenbäume vertragen den Herbstschnitt

ebenfalls sehr gut. Durch den Herbstschnitt wird eine An­häufung der Nährstoffe in den stehenbleibenden Aesten erzielt und dadurch die Entwickelung der Fruchtaugen begünstigt.

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Am tauglichste« für den Gemüsegarten ist Rmd- viehdu g, er ist kräftig, mild, nicht zu hitzig und darum passend für fast alles Gemüse. Pferdedung verwende man nur vermengt mit alter Gerberlohe und Kalk und gut ver­faultem Schaf- und Ziegendung, ihn können die Pflanzen nur in geringer Menge vertragen- Schweiuedung ist zu träge und kalt, Geflügeldung zu hitzig und nur bei wenigen Gemüsen mit Vortheil verwendbar. Die menschlichen Excremente düngen sehr stark, sind weniger hitzig als Pferd- und Schaf- dung, dürfen aber ihrer ätzenden Eigenschaften wegen nie in frischem Zustande, sondern nur als Compostdünger in An­wendung kommen. Unter den festen, nicht thierischen Dung- stoffen sind Schlamm und Straßenschmutz, Malzkeime, Knochen­mehl, Hornspähne und vor allem Ruß und Holzkohle sehr gute Dungmittel für den Gemüsegarten.

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Mit Recht findet der Sellerie auch in Deutschland immer mehr Anhänger, Sellerie ist als Gemüse und Salat den ganzen Winter hindurch gut zu verwerthen und tst gesund und bekömmlich. Seine Aufbewahrung macht keine großen Schwierigkeiten, nur müssen die Knollen gut vorbereitet werden, besonders müssen die Blätter einzeln abgerissen, nicht auf einmal abgeschnitten werden. In der neuesten Nummer desPractischen Rathgebers" ist eine richtig vorbereitete Sellerieknolle abgebildet, auch sind bei, dieser Gelegenheit genaue Beschreibungen gegeben, wie Sellerie in einfachen Erd- gruben am besten aufbewahrt wird. Die Nummer des Practischen Rathgebers" wird gern kostenlos auf Wunsch vom Geschäftsamt in Frankfurt a. Oder zugeschickt.

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Ei« einfaches Mittel gege« das Ungeziefer der Hunde besteht darin, daß man wöchentlich zweimal die Hunde mit der Bürste und dem Putzzeug putzt, mit welchem man kurz vorher ein Pferd gereinigt hat. Ein anderes Mittel bereitet man sich auf folgende Weise: Man gießt 20 Gramm Benzin in 160 Gramm Wasser, fügt noch 10 Gramm Schmier­seife hinzu und reibt alsdann den Hund mit einem Tuche ab, welches man zuvor mit dieser Flüssigkeit getränkt hat.

Humoristisches.

Aus demGerichtssaal. Vorsitzender (zum Zeugen): Als Vater des Angeklagten steht Euch das Recht zu, Euch der Zeugenschast zu entschlagen. Wollt Ihr Euch vernehmen lassen, so müßt Ihr die Wahrheit sagen!" Zeuge:Sell wohl i sag' blos, was V woaß!" Vorsitzender: Nun, was wißt Ihr also von der Sache?" Zeuge: ,,J' woaß gar nix'n!"

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Vorschlag zur Güte. Handwerksbursche (zu einer kartenspielenden Gesellschaft):Ich bitte um eine Unter­stützung !" Spieler:Wir geben nix! Schauen's, daß Sie sich ein Geld verdienen!" Handwerksbursche:Er­lauben die Herren vielleicht, daß ich mitspiele?"

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Aus der Schule. Lehrer:Ein Reptil ist ein Thier- chen, das an der Erde entlang kriecht. Wer kann mir wohl eins nennen ?" Der kleine Adolf:Mein Schwesterchen!

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Doppelte Arbeit.Die Vorbereitungen zum Staatsexamen sind wohl nicht leicht, Herr Studiosus?" Das will ich meinen, wo man sich und seinen Alten vor- bereiten muß!"

Redaktion: 8L Scheyda. Druck und «erlog der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Schehda) m Bietzen.