Ausgabe 
23.3.1897
 
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dafür zu Theil wird, das ich besser anzuwenden hoffe, als diese-."

Er hatte seine Stimme zu mächtiger Stärke anschwellen lassen, und umklungen vom Nachhall seiner prophetischen Worte, umwallt von dem langen, faltigen, fremdartigen Ge­wände, mit einem Leuchten in seinen Augen, das aus einer anderen Welt zu stammen schien, übte er einen so mystischen Zauber aus, daß auch Neuert ihm nicht zu trotzen vermochte. Er hatte das jähe Gefühl, in Gegenwart dieses Mannes nicht ausführen zu können, was er sich vorgesetzt hatte, doch zu feige oder zu stolz, eine bessere Regung einzugestehen, verbarg er sie unter einem chnischen Lachen.

Dann thue ich Ihnen ja noch einen guten Dienst, wenn ich Ihnen möglichst rasch dazu verhelfe, nicht wahr? Und wenn Sie gern mit ihm zusammenbleiben wollen, mit diesem Menschen, der mein Vater war, und dem ich jetzt zum letzten Male sage, daß er ein Hund und ein Schurke ist, so will ich Ihnen dabei nicht im Wege sein. Die Folgen davon kommen auf Sie! Aber machen Sie nicht zu lange, wenn Sie sich noch mit ihm unterhalten wollen."

Mit dem letzten Worte war er zur Thür hinaus, die er von außen verschloß. Doctor Jaksch war zu tief in sich versunken, um den leisen Ton des Schlüssels zu vernehmen, und Busenius achtete nicht daraus. Die Beiden waren allein, und für einen Augenblick war es so still im Zimmer, als seren ste schon gestorben. Jaksch war, von Fieberschauern geschüttelt, auf den Stuhl vor dem Tische gesunken, Busenius war stehen geblieben und schaute mit einem ernsten, traurigen Buck auf ihn nieder. Nach einer Weile trat er näher zu ihm, stellte sich ihm zur Seite und sagte in einem Ton, der zu dem Ausdruck in seinen Augen paßte:Nun sieh mich an!"

Jaksch warf mit einer Bewegung des Entsetzens den Kopf zurück uud richtete die brennenden, schmerzenden Augen auf ihn. Er wollte emporsprtngen, aber er sank hilflos auf seinen Stuhl zurück. Da war der Blitz aus der Wolke, die über ihm geschwebt hatte, da war das Verderben, das auf *9n niederfuhr und ihn niederschmetterte. Die zweite der Gestalten, mit denen das Fieber ihn geängstigt hatte, war lebendig geworden und stand leibhaftig vor ihm da. Die Schatten seiner Vergangenheit und seiner Thaten wurden zu vernichten^ ma^tb0en W°sen, die sich vereinigten, ihn zu

Er erkannte den Mann, den er einstmals Freund ge­nannt hatte, den er zum Lohn für Liebe und Sorgfalt be­trogen und verrathen hatte, und die ganze Kette dessen, was geschehen war, rollte sich mit rasender Geschwindigkeit in emem einzigen Augenblick noch einmal vor ihm ab. Er fühlte, daß seine Verbrechen offen am Tageslicht da lagen, und daß die Stunde der Vergeltung gekommen war. fpredjen vermochte er nicht, nur ein gurgelnder, häßlicher Laut, als wenn er ersticken müsse, kam aus seiner Kehle.

Erkennst Du mich?" fragte Busenius ebenso milde und traurig wie zuvor. Und jetzt brachte Jaksch mit peinvoller L7"S7^"'7"ü6cr "tet 8iwm-

//Ich bin schon lange in Deiner Nähe," fuhr Busenius fort, und seine Stimme wurde noch weicher.Wenn Du

vergangenen Tagen Freundschaft für mich gefühlt hattest, io wäre wohl ein Rest von dieser Empfindung in Dir zurückgeblieben und hätte Dir verrathen, daß ich Dir 2eJrar: g/ber Deine Freundschaft war ja nur eine Lüge, 'Ä eme .^ge gewesen ist. Und wenn Dein

Dich nicht zu mir führte, Deine Augen konnten mich nicht erkennen. Wir smd einander nur wenig begegnet, und bat miÄ* ? fibte deinem Betrüge behilflich war,

nicht ' * meine ,i9' mi*

unh VmtL S ^5°r"L-33etJU0 ?*ar J°ksch zusammengezuckt uud hatte m,t ohnmächtig bittender Bewegung die Hand er- hoben. /Muß ich Dir erst sagen, daß ich Dir vergeben habe?" fragte Busenius.Ich gebrauche das Wort nicht gern, denn

der Mensch hat nichts zu vergeben. Er soll die Thaten der Anderen nicht wägen, er soll sie nur beobachten und als Samen betrachten, der in einem weiteren, kommenden Dasein aufgeht.

In die tödtliche Angst und in den Wirbelstrom wild kreisender Gestalten, die in seinem fiebernden Hirn zu bunten Gestalten wurden, die ihn umtanzten, mischte sich unter diesen tröstlichen Worten und unter dem Klang dieser milden Stimme bei Jaksch ein wachsendes, mächtiges Erstaunen. Er hatte die reine Seele des Mannes gekannt, den er seinen Freund hatte nennen dürfen, aber der jetzt vor ihm stand und zu ihm sprach, war doch wieder ein Anderer, ein Wesen höherer Existenz, zu der er emporgedrungen schien über steile, dornige Pfade. Schweigende Verachtung vielleicht hatte er von ihm erwartet für den Fall, daß er seine Thaten ent­deckte, nicht diese bescheidene und doch hoheitsvolle Vergebung.

Du vergiebst mir?" fragte er leise, und wenn es eine Stelle in seinem verderbten Herzen gab, die unter all' dem Bösen unberührt und schuldlos geblieben war, wie eine reine, verschüttete Quelle, so wurde sie frei in diesem Augenblick und öffnete sich für eine kurze Zeit dem Lichte, das aus der Seele des anderen in die seine herüberströmte.

Ja, ich vergebe Dir," entgegnete Busenius,wenn Du das Wort von mir hören willst, das ich nicht sprechen sollte. Sieh, ich bin hergekommen um Deinetwillen,- ich erfuhr von dem, was Du gethau hattest, als ich Deutschland betrat, um der Verkündiger eines Glaubens zu werden, der mich selbst beglückt und erhoben hatte. Mit Schrecken sah ich, wie weit Du schon abwärts getaumelt wärest, und ich kam hierher, zu Dir, in dieses selbe Haus, um Deinen weiteren Weg zu be» obachten und zu sehen, ob es nicht möglich wäre, Dich wieder mit aufwärts zu führen. Denn es ziemt dem Menschen nicht, allein zu streben. Ich habe geduldig die Stunde ab­gewartet, bis das Leben selbst Dir zeigte, daß Dein frevel­haftes Ringen vergeblich war. Heute ist nun dieser Augen­blick gekommen. Alles um Dich her ist zusammengebrochen, und ich darf zu Dir treten und Dir meine Hände entgegen­halten, um Dich emporzureißen aus dem Abgrund. Komm' her zu mir, versuch' es, Dein Leben noch einmal neu zu beginnen."

Er hatte die Hände ausgestreckt und blickte fast angst­voll auf Jaksch, als sehe er ihn vor seinen Augen versinken und untergehen. Mit noch eindringlicherem Ton, der aus den Tiefen des Herzens zu dringen schien, fuhr er dann fort: Du hast ja erfahren, wohin Dein Weg Dich geführt hat,- hier auf dieser Stelle hat vor wenigen Minuten Dein Sohn gestanden, der Dich beschimpfen und verfluchen durfte, ohne daß Du ihm widersprechen konntest. Und auch vor mir wirst Dein Gewissen Dich in diesem Augenblick in den Staub. Komm' her, es ist Zeit! Du bist nicht mehr jung, und wenn jenzals in Deinem Leben eine Stunde war"

Er kam nicht zu Ende. Ein schrecklicher Ton, als fahre ein Wetterstrahl aus dem sternenreichen Frühlingshimmel auf das Haus der Schatten nieder, es zu zerschmettern, gab ihm Antwort und ließ ihn verstummen. Der Boden des Zimmers erbebte und senkte sich, die Wände rissen auseinander, ein Kalkregen fiel von der Decke herab, und eine dichte, graue, erstickende Wolke von Staub qualmte plötzlich empor. In Splitter zerrissen durchflogen die Sheiben der Fenster den Raum, von einem Luftstrom zertrümmert, so gewaltig und urchtbar, einer riesenhaften Meereswelle so ähnlich, daß er oie beiden Männer bei Seite schleuderte und an die wanken­den Mauern preßte. Ein Krachen, wie von einer berstenden Gewitterwolke, zerriß die Luft, und wie das Grollen eines Erdbebens dröhnte es nach.

Aber der Boden des kleinen Gemaches hielt Stand, die Wände stürzten nicht ein, und Jaksch, der halb zu Boden gesunken war, konnte sich wieder erheben.Was war das?" tummelte er, nach Athem ringend, beinahe erstickt von dem emporqualmenden Staub, der auch das Licht der Lampe, ms nicht erloschen war, mit einem dichten Schleier umhüllte.

Vielleicht, was wir Menschen den Tod nennen," ent­

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