Ausgabe 
22.7.1897
 
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Yes.

Wollen wir bei dem leichten Mosel bleiben?"

No.

Es wurde also schwereres Geschütz ausgefahren, die Pfropfen knallten gar lustig, die Stimmung wurde animirt, als die kleine Gesellschaft wieder in dem Wageuabiheil angelangt war, war des Lachens und Kicherns kein Ende. Station Delitzsch," meinte der Assessor,die letzte Nummer in Preußen, ein Viertelstündchen noch, dann kommen wir in's grün-weiße Sachsen, nach Leipzig, ja, das Coursbuch habe ich schon wochenlang studirt. Beabsichtigen gnädiges Fräulein'in Leipzig auszusteigen?"

No.

Und wenn ich Ihnen mein Herz zu Füßen legte, würden Sie dann bis Rom . . .?"

Yes.

Da klirrte auch schon der Zug durch die Einfahrtsweiche, die heftige Erschütterung schien die Damen nervös zu machen, sie sprangen wie auf Commando auf und strebten nach der Thür, durch die sie verschwanden.

D.r Assessor streckte sich behaglich auf seinem Sitze aus der Wein hatte ihn doch etwas schläfrig gemacht. Noch einen Blick warf er hinaus, na, um die Sicherheit der Reisenden war's hier gut bestellt, der ganze Bahnsteig war von Schutzleuten umsäumt. Und vor den Thüren, an denen die Schaffner die Fahrkartenknipsen", standen je vier der bekannten Herren mit den sonnengebräunten Gesichtern, dem martialisch aufgedrehten Schnurrbart und der Unteroffiziers- Haltung. Es gab also auch hier das Institut der nicht uniformirten Polizei.

Nun, was ging das ihn an! Er schloß die Augen und als der Zug hielt, träumte er schon von seiner Millionärin von jenseits des großen Wassers ... Er hatte eben Glück, einsach Glück . . .

Da wurde es im anderen Wagen etwas laut, es schien ein Streit zu entstehen, barsche Männerstimmen, der schrille Aufschrei einer Frauenstimme, etwas, was wie ver­haltenes Schluchzen sich anhörte, er raffte sich empor und sah da draußen ein unentwirrbares Durcheinander von vielen Menschen.Pah," machte er und lehnte sich in die Ecke zurück,was geht das mich an! Missis wird schon wieder­kommen, die Handtasche liegt ja noch oben . . . schneidiges Weib, na, die Augen, die man da droben in Ostpreußen machen wird!"

Er mußte wirklich einige Minuteneingedusselt" sein, denn plötzlich tippte ihm Jemand mit centnerschwerem Finger auf die Schulter. Das Schmerzgefühl ermunterte ihn sofort. Herrrr . . ."

Bitte sehr," sagte der und wies eine Messiugmarke vor behufs Legitimation,Sie sind mit den Damen gereist; ich habe den Befehl, Sie nach der Bahnhofswache zu sistiren."

Herrrr," brauste der Assessor nochmals auf.Ich fahre nach Rom."

Bedaure sehr," unterbrach ihn der Beamte bestimmten Tones,Sie müssen die Reise hier unterbrechen. Von wegen den Damens . . ." fügte er lächelnd hinzu.

Auf der Bahnhofswache wurde der Thatbestand bald sestgestellt.

Ich bedaure sehr, Herr Assessor," erklärte der Polizei- Lieutenant,aber es ging doch mal nicht anders ... das sind so gerissene Hochstaplerinnen, wie's zweite nicht mehr giebt. Die Blonde spielt sich auf die Engländerin hinaus, no undyes . . . mehr versteht sie von der englischen Sprache überhaupt nicht. Die Schwarze war früher Kell­nerin, sie liebt hin und wieder noch so ein Schlückchen Branntwein. Sie sind vorläufig das letzte Opfer gewesen, trösten Sie sich, Sie sind um einige Mark ärmer, aber um eine Erfahrung reicher. Wir hätten diese Früchtlein ja gar nicht gefaßt, wenn nicht ein Telegramm aus Berlin . . ."

Ich glaubte," stammelte der Assessor,die Damen wollten mit mir bis nach Rom fahren."

Das wollten sie ja auch," lachte der Beamte,aber der Billigkeit wegen hatten sie auf dem Anhalter Bahnhof in Berlin nur zwei Bahnsteigkarten gelöst."

Herr Assessor Felix von Winterfeldt hat auf seiner Rom- Reise keinerlei Damenbekanntschaft mehr gemacht.

Das Stützen -er Obstbünme geschieht leider meist nicht in dem Umfange, wie es geschehen sollte. In der Regel werden nur solche Aeste gestützt, von welchen man annimmt, daß sie unter ihrer Last brechen könnten. Das genügt aber für den Baum noch lange nicht. Das zu sparsame Stützen hat nämlich auch andere Nachtheile, als das wirkliche Brechen oder Aufschlitzen der Aeste, denn es kommt nicht nur die Krone des Baumes durch das Herabziehen der Aeste aus der ursprünglichen Form und Richtung, sondern der Baum wird durch das zu starke Biegen auch an seiner Gesundheit geschädigt, indem die Saftkanäle an der unteren Längslinie des Astes durch das Biegen zusammengepreßt und die oberen, auf der Biegung befindlichen Zellen gedehnt oder gesprengt werden, wodurch die Saftcirculation wesentlich gehemmt und erschwert wird, was zur Folge hat, daß die Bäume nach reichen Obst­jahren ost nicht nur nicht tragen, sondern auch häufig kränkeln und sogar eingehen. Beim Steinobst ist diese Erscheinung besonders hervortrctend: dort findet man häufig an den Biegungsstellen kleine oder größere sogenannte Harzperlen, welche durch die gesprengten oder gepreßten Saftkanäle aus­getreten sind. In der Regel gehen solche Aeste das Jahr darauf ein. Es ist daher Pflicht eines jeden Baumbesitzers, um unsere so theuer und mühsam erzogenen Obstbäume gesund zu erhalten, dieselben zu stützen oder deren Aeste in die Höhe zu binden, sobald sich dieselben unter ihrer Last zu neigen beginnen.

* * *

Die Zeit -er Stachelbeeren ist -a. Wie aus allen Gebieten des Obstbaues beginnt auch die Zucht der Stachel­beeren einen mächtigen Aufschwung zu nehmen. Man will sich mit den kleinen, unaromatischen Stachelbeeren, wie sie ja heute noch vielfach geerntet werden, nicht mehr begnügen; einer Bewegung folgend, die von England ausging, strebt man auch bei uns in Deuischland nach großen, wohlschmeckenden Beeren. Auf dem letzten deutschen Pomologen-Congreß wurde nach den Vorschlägen des um die deutsche Stachelbeerzucht hochverdienten Herrn Maurer in Jena zuerst ein für deutsche Verhältnisse passendes Stachelbeersortiment zusammengestellt, in dem die einzelnen Sorten auch deutsche Namen erhielten. Um seinerseits auch zum Anbau großfrüchtiger Sorten anzu­spornen, veranstaltet der practische Rathgeber im Obst- und Gartenbau" seit mehreren Jahren einen Stachelbeer-Wett­bewerb: wer an die Reduktion im Laufe des Sommers die schwerste Stachelbeere einschickt, erhält einen Humpen mit silbernem Deckel im Werthe von 50 Mark. Welche practische» Folgen das hat, zeigen am besten die erzielten Gewichte: während eine gewöhnliche Stachelbeere 12 bis 15 Gramm wiegt, wurde im Jahre 1894 der Preis auf eine Beere gegeben, die 39,8 Gramm wog und die Größe eines kleinen Apfels hatte. Wer sich näher für den originellen Wettbewerb interessirt, lasse sich die neueste Nummer despractische» Rathgebers" kommen, die gern umsonst von der Verlagsbuch­handlung Trowitzsch L Sohn in Frankfurt a. Oder zugeschickt wird.

Redaktion: S. Kchiyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Univerfitiits-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Schehda) in Gießen.