Ausgabe 
19.10.1897
 
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Berliner Modebrief.

Von Minna Wettstein-Adelt.

------- (Nachdruck verboten.)

KO. Früher als in den letzten Jahren müssen wir heute zur Herbstgarderobe greifen.Berlin" ist schon zurückgekehrt in die stillen Villen des Westens, ein Ereigniß, das in den großen Ateliers der Schneiderinnen und Modistinnen nicht so frühe erwartet wurde. Spectell die Modistinnen haben alle Hände voll zu thun, um die Zwischensaison-Hüte, vielfach auch schon die Winterhüte anzufertigen- denn apart elegante Ftlzhüte pflegen sich schon Ende September zu zeigen- als vereinzelte Exemplare fallen sie besser auf.

Wir sahen einige hübsche Modellhüte. Eine Drahtform, länglich rund, mit hohem, schmalem Kopf, war mit schwarzer Seide bespannt, die auf der Krempe fünf Mal gezogen war. An dor linken Seite war die Krempe hochgenommen und wurde durch eine fliederfarbene Seidenschleife festgehalten. Um den Kopf legte sich ein zartgrüner und ein fliederfarbener Seidenstreifen, dem sich an der linken Seite eine sehr reiche und hohe Schlupfengarnitur, ein Busch fliederfarben gefärb­ter Hahnenfedern und ein Zweig EPheu zugesellte.

Die Elegants der Saison sollen uns in den grünen Hüten erstehen, sie werden mit grau garnirt, mit weißen Mövenflügeln oder Straußboas. Daneben gelten flieder­farbene und hellgrüne Hüte als chapeaux de luxe. Schwarzen Hüten, die im kommenden Winter in der überwiegenden Mehrzahl in den Handel kommen, giebt man Rosetten von roth, zartgrün oder fliederfarben bei.

Als Garniturartikel dominiren Strauß- und vor allem Hahnenfedern, Mövenflügel, große Disteln in allen Farben, Sammt am Stück und viele schöne Bandneuheiten, unter denen wir ein breites Moireeband sahen, durchwirkt mit Chenille. Ueberhaupt wird Chenille zu Gallons, Besatz und in Tüchern sehr viel getragen werden.

Als einfacheren Aufputz haben wir Flügel und Gänse­federn in blau, rothgrün, rosaroth und lila, auch gesprenkelte Exemplare.

Der diesjährige Winter setzt die Rose in allen Ehren ein, allerdings Rosen aus Sammt, schwarz und farbig- Velvet­rosen werden besonders zu Oachepeignes genommen. Eine Garniturrose, die auch als Rockausputz Verwendung finden wird, besteht zur Hälfte aus schwarzem Atlas, zur Hälfte aus bunter Seide. Sie ist so gearbeitet, daß sie in zwei von einander streng geschiedene gleiche Theile zerfällt. Die Wirkung ist eine aparte und sehr günstige. Selbstverständ­lich lassen sich auch Rosetten in diesem bunten Gemisch Her­stellen, so daß kleine Band« und Seidenreste eine günstige Verwendung finden.

Die Paillettenstickerei kommt zum Winter ebenfalls wieder ganz auf. Es läßt sich mit geringen Kosten manch hübscher Besatz an langen Winterabenden arbeiten. Die Röcke werden reichlich mit diesem schillernden Schmuck ver­sehen. Auch die so beliebten, an einer modernen Herbst­toilette unerläßlichen Perlpassementerien kann man sich mit ganz geringen Kosten selbst Herstellen. Zu diesem Zweck be­spannt man breite Holz-Knopf-Formen mit etwas Watte und Seide- die Seide wird dicht mit Perlen bestickt. Mehrere solcher bestickten Knöpfe werden miteinander verbunden und ihnen Perlengrelots beigegeben. Mit Geschick und Phantasie lassen sich reizende Sachen Herstellen.

Allerliebst zu den glatten Herbsttoiletten und ihnen etwas Farbe verleihend, ist ein Fichüjäckchen, sehr leicht selbst her­zustellen. Drei Zentimeter breites Sammtband in der Länge von 1,20 Meter wird in der Mitte schnebbig zusammengenäht - dieser Theil kommt auf den Rücken zu liegen. Die unteren Bandenden werden abgeschrägt und das Ganze zu beiden Seiten mit Perlen- oder Goldborte, je nach der Farbe des

Bandes, umrandet. Auf den Achseln wird eine breite Spitze eiugereiht, was den jäckchenartigen Eindruck des Fichus erhöht.

Allerliebst sieht auch ein Stehkragen mit Ecken aus. Der eigentliche Kragen wird mit Taffetband bezogen und erhält vorn als Cravatte eine große, aufgesetzte Schleife. Zwei große weiße Zacken hängen über, sie können aus Moiree, Leinen oder Spitze angefertigt werden. Am elegan­testen wirkt dieser Schmuck aus weißem Band mit farbigen Zacken.

Die Berlinerin giebt viel auf moderne Frisuren, obgleich eine alle Augenblicke veränderte Frisur der Person jede Characteristik raubt. Rollen sind an der Tagesordnung und leider mit ihnen das Unterlegen von Wolle. Das gesammte Haar wird mit dem Welleisen gebrannt und drei übereinander liegende Rollen am Hinterkopf ziemlich hoch plazirt. Bei rundem Gesicht giebt man den Rollen zwei hochstehende Haar­ösen zu, die das Gesicht länger erscheinen lassen. Die Stirn bleibt frei, während auf die Schläfen und die Ohren dichte Locken fallen.

Recht apart ist der elegante neue SchleierVeloutine", bestehend aus einem Grundgewebe aus Tüll MalineS, über dem ein leichter Gittertüll ausgespannt ist, durch Chenille­tupfen scheinbar an dem unteren Gewebe festgehalten. Der Grundtüll ist in allen erdenklichen Farbentönen vorräthig, während der obere Schleier stets weiß oder schwarz ist, allzu grelle Farben dadurch mildernd.

Gemeinnütziges.

Zur Hebung der Häuslichkeit. Für die bevor­stehenden längeren Feierabende unsere Leser auf einen ebenso harmlosen, wie herzerfreuenden Zeitvertreib aufmerksam zu machen, ist uns eine angenehme Pflicht. Der Zeitvertreib ist wohl so alt wie die Gründung bleibender Wohnstätten er heißt: Hausmusik. Aber das Instrument, das wir dazu empfehlen möchten, ist noch jung: die Accordzither. Zu billigem Preise erhältlich, leicht zu handhaben, spielend zu erlernen, hat sich die Accordzither schon so eingebürgert, daß eine ganze Reihe von Fabriken darin wetteifern, den steigenden Bedarf zu decken und das Instrument immer mehr zu vervollkommen. Für den Kenner besteht indeß kein Zweifel, daß die sogenannte Müller'sche Accordzither ihre Rivalinnen an Solidität des Baues und Süßigkeit des Tones weit übertrifft. Sie ist bei Hrn. Ern ft Challier (Rudolphs Nachf.) in Gießen, Neuenweg 9, erhältlich und ein reizendesAccordzither-Büchlein" versendet die Fabrik I. T. Müller in Dresden-Striesen auf Verlangen an Jeder­mann gratis und franco.

Blumenkohl vis in's Frühjahr hinein frisch zu erhalten. Man schneide ihn ab, ehe er von der Kälte ge­litten hat, beraube jedoch ihn nicht seiner oberen Blätter, womit er sich schließt und die Blumen bedeckt, sondern binde sie zusammen, damit die Luft den von ihnen eingeschlossenen Blumen nicht so leicht schaden kann. Die Stauden werden sodann mit dem unteren Theil in Sand gesteckt und zwar sehr nahe aneinander in eine hölzerne Kufe im Keller, ohne aber den Kohl zu bedecken. Man kann auch die Pflanzen, mit den Wurzeln nach oben gerichtet, im Keller aufhängen. Der obere Theil der Blätter wird entweder geknickt und über die Blume gebogen, um diese zu bedecken, oder er wird auch weggeschnitten, so weit nämlich, daß die Blätterstummel einen Kranz um die Blume bilden.

Kohlravi-Pasteten. Gute, nicht holzige Kohlrabi werden geschält und ausgehöhlt. Man kocht sie zunächst in Salzwasser weich und nimmt sie sodann vorsichtig heraus, damit sie nicht zerfallen. Darauf werden sie auf einer mit Petersilie garnirten Schüssel angerichtet und mit Ragout fin gefüllt. Hat man nicht Hühnerfleisch zum Ragout vorräthig, so nimmt man für dasselbe klein geschnittenes Suppenfleisch-

Redactionr Ä. Scheyda. Druck uud Verlag der Brühl'schen UuiversttätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in ®'t6en-