Der Majoratsherr.
Roman von Nataly v. Eschstruth.
(Fortsetzung.)
Rüdiger tobte und Gräfin Melanie bekam Nervenkrämpfe, aber Beides konnte dem Ruin des Speculanten keinen Einhalt thuu.
Noch einmal wandte sich der Kammerjunker an den Vetter.
Er erhielt den Brief zerrissen zurück.
Und da mochte Wohl Haß und Verzweiflung einen Plan in ihm gereift haben, dessen ungeheuerliche Ausführung soeben von Kuhnert berichtet worden war.
Noch war der Bankerott des Commerzienrathes kein offizieller, noch galt Rüdiger in der Residenz für den Besitzer von Millionen, — Willibald allein wußte durch den brieflichen Bericht des Vetters, wie die Dinge lagen.
Der Kammerjunker aber schien die kostbaren Tage, da die Welt ihn noch für reich hielt, benutzen zu wollen, um sich auf Kosten des Majoratsherrn vor dem Untergange zu retten.
Ihn, den Besitzer eines fabelhaften Vermögens, hielt kein Mensch für fähig, aus persönlicher Geldgier nach dem Majorat des Vetters zu trachten.
Er handelte einzig auf Drängen und Bitten der Bürger von Angerwies, welche das Treiben des Geisteskranken nicht länger mit anfehen konnten.
Nun war Rüdiger als Vater des Erben geradezu verpflichtet, für das bedrohte Besitzthum einzutreten.
Dieser Plan war so sein und raffinirt ersonnen, daß er seinem Meister Ehre machte. Graf Willibald hob das vergrämte Antlitz und sein Blick schweifte hinauf zu dem
1897. - Rr. 122.
Dienstag den 18. Oktoter ß
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Frida Schanz.
Denn auch vergessen ist verschwenden.
ie klug ist Der, der aus der Lebenssahrt Des Glückes schöne, raschverwehte Spenden Erinnernd sich zusammenspart!
Was Du als wahr erkannt, Verkünd' es sonder Zagen, Nur trachte, Wahrheit stets Mit mildem Wort zu sagen.
mondhellen Nachthimmel. Er preßte die Hände krampfhaft zusammen. Ja, der Plan ist schlau und klug erdacht, droben aber wacht einer über die Schicksale der Menschen, der kann auch den meisterlichsten Anschlag zu nichte machen und die Hände über ein gehetztes Wild breiten! Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken —!
Capitel 6.
Theuer ist mir der Freund, doch auch den Feind kann ich nützen, Zeigt mir der Freund was ich kann, lehrt mich der Feind, was ich soll.
Schiller.
Das Tagesgespräch im ganzen Herzogthum bildete den Fall Niedeck. Man hatte diese Wendung der Dinge eigentlich längst erwartet, denn das Gerücht bezeichnete Graf Willibald seit Jahren bereits als geisteskranken Mann.
Nun war die Geduld seiner Patronatszugehörigen gerissen.
Man erzählte sich, daß der Bürgermeister von Angerwies sich mit dringenden Vorstellungen an Graf Rüdiger gewandt habe. Dieser sei infolge dessen in Begleitung seiner Gemahlin nach dem Städtchen abgereist, um sich unter der Hand von der Lage der Dinge zu überzeugen.
Die Ergebniffe der Revision seien geradezu entsetzliche gewesen.
Der Majoratsherr leiste die unerhörtesten Narrheiten. Allem Anschein nach sei eine Gehirnerweichung bereits in vollem Gange, was bei dem außerordentlichen dicken Waffer- kopf des Degenerirten kaum erstaunlich sein konnte. Daß unter solch einem unzurechnungsfähigen Herrn die ganzen Besitzungen ruinirt würden, sei klar, und darum könne man es dem Vetter nicht im Mindesten verdenken, wenn er rechtzeitig Schritte thue, das bedrohte Erbe für den Sohn zu retten.
Sehr überrascht war man daher, als die Kunde auftauchte, Graf Willibald sei in der Residenz angekommen, um sich eines der ersten Rechtsanwälte zu vergewissern und — wie man erzählte — sich gegen die bösartigen Verleumdungen, welche über ihn erfunden seien — unter den persönlichen Schutz der Herzogs zu stellen.
Man war auch erstaunt, den Grafen in offener Equipage zeitweilig durch die Straßen fahren zu sehen; er war elegant und modern gekleidet und machte durchaus nicht den verkommenen und geistesschwachen Eindruck, wie man sich erzählt hatte.
Sicherlich war auch dabei stark übertrieben, wenngleich gerade diese Art von Menschen besonders mißtrauisch und


