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mit leiser, heiserer Stimme.

Willst Du nicht selber

lesen?"

dem dunklen Hintergrund ab. Sie hat das Köpfchen zurück­geneigt wie in schwärmerischer Sehnsucht, den Blick zum Himmel hebend.

Kränzchen blickt schweigend zu ihr auf, sie weiß, an wen die Freundin denkt- nach jener bangen Stunde, in welcher man die Bewußtlose, Wulff-Dietrichs Brief in der Hand, emporhob und zu ihrem Lager trug, hatte sie vor Kränzchen und Tante Johanna kein Geheimniß mehr.

Damals aber hatte sich der Liebe ganze hoffnungsvolle Leidenschaft in ihrem thränenüberströmten Antlitz gespiegelt, und heute lag eine so friedliche Ruhe auf demselben eine Entsagung.

Fränzchens Herz erbebt, noch einmal blitzt fern, ganz fern ein Sternlein der Hoffnung, noch einmal wallt die ge­glättete Flmh ihrer Empfindung auf, als habe ein Windstoß sie jäh getroffen.

Pia sieht nicht mehr unglücklich aus!

Leise, zaghaft legt die Kleine ihre starkknochige Hand auf dre sammetweiche Rechte der Cousine.

//Pia!"

Fräulein von Nördlingen erfaßt die Hand mit herzlichem Druck, fragend wendet sie das Antlitz.

Freust Du Dich auf Niedeck?"

Unaussprechlich!"

Hartwig hat maßlose Schulden hinterlassen, von welchen kein Mensch eine Ahnung hatte. Sollen sie bezahlt werden, ist sein Vater ruinirt. Es scheint, der leichtsinnige Bengel ist grade zur rechten Zeit gestorben, ehe er noch mehr Unheil anrichten konnte und selber kläglich zu Grunde gmg!"

Entsetzlich! welch ein Glück, daß Wulff-Dietrich einst als Majoratsherr für seine Eltern sorgen kann! Siehst Du, Fränzchen, schon darum dürfte er nie den sündhaften Ge­danken hegen, den Besitz an die Krone abzutreten, dieses Opfer würde ich erst recht nicht annehmen, lieber sterben."

Fränzchen neigte den Kopf abermals sehr tief.Ja, die Dinge liegen plötzlich sehr, sehr fatal!" Sie seufzte fätoer auf:Hartwigs Schulden kommen höchst unglück- "ch' aber . . Du mein Gott! Wulff hat doch seine schone Anstellung als Oberförster. Der Herzog würde ihm für den Verlust von Niedeck sicherlich eine schnelle CarriZre sichern "

//Fränzchen !" Pia sprang mit entsetztem Gesicht empor:Gott verhüte es, daß Ihr solch ein Unheil plant! es hieße mich zum Aeußersten treiben! Glaubst Du, daß ich jemals ein solch ungeheures Opfer von einem Manne annehmen würde, welches mein ganzes Leben lang als un­ertragbare Schuld auf mir lasten würde? Nie! es hieße mein Glück durch centnerschwere, quälende Vorwürfe zermalmen!"

Fränzchen drehte mechanisch die Daumen in ihrem Schooße zusammen und schüttelte den gesenkten Kopf.Nein, nein, beunruhige Dich nicht, es ist gar keine Möglichkeit mehr, daß Wulff - Dietrich freiwillig auf Niedeck verzichtet, wenngleich es ein Unfug ist, denn das Majorat liegt so wie so in den letzten Zügen. Außer Dir giebt es keine vorschriftsmäßige Frau mehr für den Majoratsherrn von

Nein!" das klang sehr kurz und energisch.

Nun, die Sache war sehr einfach. Hartwig stürzte in Hoppegarten und Onkel Rüdiger und Tante Melanie reisten auf die Depesche hin sofort ab. Wulff-Dietrichs Brief ward ohne Adresse nach Berlin gesandt, fa-id den Graf - welcher bei Freunden logirte, nicht auf und ward fälschlicher­weise nach Niedeck zurückdirigirt. Dort glaubte man, das Schreiben sei an Pia gerichtet und schickte es ihm nach. - Du siehst, welche eine Verkettung der Umstände nöthig war, um das unglückselige Papier just in Deine Hände zu spielen. Wulff-Dietrich schreibt übrigens sehr verzweifelt."

Verzweifelt? Warum das?"

//Fu, ich habe die Antwort auf mein Schreiben erhalten mrt welchem ich ihm seinen eigenen Brief, den er an seine Eltern gerichtet, übersandte. Er löst das Räthsel, wie dieses Schreiben an Pia gelangen konnte." - Fränzchen sprach

. "Wenn er nun nicht Majoratsherr wäre . . wenn Niedeck an die Krone fiele?!"

. "Das kann nicht geschehen, so lange ein Niedeck lebt, und Wulff- Dietrich ist der letzte seines Stammes. Warum mir mit solch unnöthigen Dingen das Herz schwer machen, Fränzchen? Heber meine Liebe ist das Urtheil gesprochen und ich habe mich dem Spruch gefügt! Will denn Dein ^eues, liebes, redliches Herz noch immer gegen sein eigenes Empfinden ankämpfen? - Laß gut sein, Du braves Kind' Awelß ia, daß in Dir kein Falsch ist, daß Du mir das Glück nicht gestohlen hast, Gott selber gab es Dir!

Hast Du neuerdings Nachricht von ... von ihm?" . Fränzchen war tief in sich zusammengesunken und hatte den Kops so sehr zur Brust geneigt, daß man ihr Antlitz nicht erkennen konnte, sie war hastig zurückgewichen, als Pia sich neigte, um sie voll Innigkeit zu küssen, und sie bebte leise zusammen, als die Lippen des jungen Mädchens zärtlich ihren Scheitel berührten.

Es wird sehr einsam sein, vielleicht langweilst Du Dich?" Ich sehne mich nach Ruhe!"

Weil Du noch krank bist! Sowie Du aber neue Kräfte gesammelt hast, und die alte Lebenslust wiederkehrt, wirst Du Dich nach Zerstreuung sehnen!"

Nein, Fränzchen, ganz gewiß nicht, ich hoffe, daß Onkel mich nach Persien mitnimmt, dort kann ich ohne jeden lästigen Zwang fernab von allem Verkehr leben!"

Pia, Du wirst die Erinnerung überwinden, wirst heirathen und glücklich sein!" Wie beschwörend blickten die dunklen Augen zu ihr auf.

Sie schüttelte sehr ernst und ruhig den Kopf.Nein, niemals- ich gehöre zu den Mädchen, welche den Blumen gleichen. Für uns giebt es nur einen Lenz, nur einen Origen holden Frühlingstraum. Fällt ein Raureif, so sterben wir daran. Nur nicht so schnell wie die Blaublümlein, nicht über Nacht. Bei uns Menschenblumen trifft der Todes­frost nur das Herz, und das steckt so tief verborgen, daß kein Menschenauge es sieht. Auch Du wirst darüber hinwea- sehen, Fränzchen, und wirst es den Rosen auf meinen Wangen nicht glauben, daß sie über einem Grabe blühen, wenn wir uns dereinst im Leben froh und guter Dinge Wiedersehen!"

Fränzchen senkte den Kopf sehr tief.Sage mir wahr und wahrhaftig, wirst Du Wulff-Dietrich nie vergessen?"

Nie, aber ich werde ihn ohne Groll und Bitterkeit an der Seite einer Anderen glücklich sehen."

Und wenn nun zu Dir ein Anderer käme, der Dich sehr, sehr lieb, ganz unaussprechlich lieb hätte?"

Das würde ich tief beklagen, denn er würde unglück­lich werden wie ich."

Ist das Dein heiliger Ernst? könntest Du Deine Ansicht nicht doch noch ändern? wenn . . . nun . . . wenn ich nun zum Beispiel ein Mann wäre! Du kennst mich so gut, Du hast mich doch lieb, würdest Du mich dann auch nicht heirathen?" *

Pia lachte, zum ersten Mal lachte sie leise auf. Welch ein Gedanke! Gott sei Lob und Dank, daß Du ein Mädchen bist, denn als Mann würdest Du ja in erster Linie Ma;oratsherr von Niedeck sein, und Du weißt"--xhte

Summe erbebte plötzlich und ihr Antlitz war sehr ernst - "'ch 9a6e es mir geschworen, nie und nimmer den Majorats- Herrn zu heirathen!" K

Fränzchen lachte auch, aber etwas eonvulsivisch.Un- meinte nur, daß es vielleicht doch noch Menschen und Manner geben könnte, die Du lieb haben würdest! Wenn nun Wulff-Dietrich doch noch einmal käme ..."

Still, still von ihm!

Und wie löst er es? Erzähle mir! Es regt mich gewiß nicht mehr auf."