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an das Slug’, das, überwacht,
Noch eine Freude Dir Bereitet,
Denk’ an die Hand, die manche Stacht
Dein Schmerzenslager Dir gebreitet;
Des Herzens denk’, das einzig wund
Und einzig selig Deinetwegen,
Und dann knie nieder auf dein Grund
Und fleh' um Deiner Mutter Segen!.
Annette Droste-Hülshoff.
Der schwarze Panther.
Novelle von Wilhelm Fischer.
(Schluß.)
IV.
Als ich am nächsten Morgen meinen Clienten aufsuchte, hatte ich Vorkehrungen getroffen, die es mir ermöglichten, dem Verhafteten länger als bisher zur Verfügung sein zu können. Mich interesstrte sein Schicksal in ungewöhnlichem Maße, und ich muß gestehen, ich war in der kurzen Zeit unseres Verkehrs dem Unglücklichen Freund geworden. Don Alonso setzte seine Erzählung nach meiner Begrüßung auf meine Aufforderung hin fort ....
„Der Tod des geliebten Vaters hatte auf meine Frau einen tiefen Eindruck gemacht. Kurz nach der Beerdigung theilte mir Consuela ihren festen Entschluß, wieder aufzutreten, mit. Lie Thiere müßten in steter Uebung bleiben; es sei das Vermächtniß des Vaters, die Thiere nicht zu entwerthen) der Werth derselben beruhe in der Dressur) und dann kenne mich kein Mensch in Brüssel. Kurz und gut, sie setzte ihren Willen durch und trat auf. Wissen Sie, was es heißt, das Weib, welches man liebt, auftreten, be jubelt, lorgnettirt, in Tricots zu sehen! Ich war von jeher ein eifersüchtiger Othello, ein Narr in der Liebe. Aber mein Weib in Tricots, machte mich rasend. Ich hörte die Bemerkungen um mich herum, ich kam mir vor, als deute Jedermann auf mich und sage: Seht, dort sitzt er, eine größere Bestie als es ihre Thiere sind, mit denen sie zur Schau, um des Brodes willen prunkt und uns zerstreut. Damals schwur ich mir, eher selbst Thierbändiger zu werden, als noch länger zu dulden, daß sie es bleibe. Ich sah ja selbst ein, wie die Thiere entwerthet würden, falls man sie
in ihrer Kunstfertigkeit vernachlässige, und ein Recht, sie zu jedem Preise zu veräußern, hatte ich nicht. Ich war ja arm. Als ich meiner Frau mittheilte, daß ich mich entschlossen habe, ihren Beruf zu ergreifen, freute sie sich wie ein Kind. Sie unterwies mich sofort in den Geheimnissen ihrer Kunst. Und ich war ein gelehriger Schüler, zudem reizte mich die Gefahr. Ich besaß die Energie, am nächsten Tage
während der Probe mit Consuela in den Thierkäfig zu treten. Der Erfolg dieser Dressurprobe erhöhte mein Selbstbewußtsein. Ich beobachtete stundenlang die Bestien, studirte ihre Neigungen und Launen und gewann ihnen das intimste Interesse ab. Im Erfassen des Thier- characters liegt das Geheimniß unserer Kunst) bei weiser Ausnützung der Neigungen und Leidenschaften jedes einzelnen Thiercs sind Dressurresultate von hoher Bedeutung und Intelligenz zu erzielen. Bei meiner Vorbildung und meinem Glauben an das Wesen und die Wahrheit der Suggestion ist es elklärlich, wie sehr ich bestrebt war, auch an den Thieren die Macht der Suggestion zu versuchen. Das Resultat dieser Versuche war ein überraschendes, ich gewann mir schnell die Zuneigung und das Vertrauen meiner Thiere, und nach wenigen Wochen schon konnte ich zum ersten Mal auftreten) ich hatte großen Erfolg. Und an meinem eigenen Leib sollte ich denn erfahren, wie berauschend der Beifall der Menge wirkt. Ich glaube, man könnte um des Beifalls willen Henker werden und Andere zur Schau und Lust der Menge köpfen, wie es im päpstlichen Rom einst Sitte war. Der Elan trägt immer den Ehrgeizigen) das herostratische Gefühl beherrscht eben die Massenhysterie, an der die Menschheit leidet. Nero wurde Commödiant, und das diente dem Sohne des Herzogs von Melio zum Tröste. Fürwahr, ein seltsamer Trost, aber Trost immerhin, wenn der Herzog zu sehr in mir zuckte. Nach kurzer Zeit war ich vollkommener Herr meiner Thiere, und man wurde auf meine Dreffur- methodc aufmerksam. Ich war eben eigenartig und ging eigene Wege, und wieder war es eine geringe Genugthuung, mein Weib den Blicken der Menge zu entziehen. Ueberdies hatte ich einen Beruf gefunden, der seinen Mann ernährte. Man bot mir Gagen in fabelhafter Höhe. Da setzt man sich über Alles hinweg. J h war König im Reiche der Zigeuner,- im Geldwerthe stand ich so hoch wie der erste Minister der Königin, und da sich einmal die Welt um die Sonne dreht, die Geld verdient und im gewissen Sinne auch heute noch dem Golde der antike Fluch des non ölet anklebt, fo war ich mit mir und meinem Milieu, in dem ich mich bewegte, zufrieden. Ich ersann mit meinen Thieren, denen


