Ausgabe 
17.7.1897
 
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Alleen erglühten von farbigen Lichtern. Die Fvutainen spielten und schimmerten wie farbige Regenbogen und der Sommervollmond erhellte Gärten und Park mit seinem silbernen Scheine. Das Herrenhaus selbst erstrahlte vom Dach bis zur Erde herab in einer Fluth vielfarbigen Lichtes; seine hohen braunen Mauern und der massive, viereckige Thurm boten in der vereinten Glorie des Mondscheins und der chinesischen Laternen einen imposanten Anblick dar. Ein großes Zimmer war zum Tanzsaal eingerichtet worden/ der war glatt gebahnt, und die Wände waren mit Spiegeln und Festons behangen. Equipagen rollten unaufhörlich die Alleen herauf und führten eine Menge Gäste bis vor die weit geöffneten Thüren/ ein Specialzug brachte eine große Gesellschaft aristokratischer Herren und Damen von New-Jork.

Godfrey Greylock hatte weder Geld noch Mühe gespart, um diesen Ball seines hochgeborenen englischen Cousins, zu dessen Ehren das Fest stattfand, würdig zu gestalten.

Ohne Zweifel versteht man sich in Ihrem Lande besser aus diese Dinge," sagte Ethel Greylock, als sie unter einer sammetnen Portiere bei Sir Gervase stand und über den mit tropischen Pflanzen decorirten Corridor hinüber nach dem Speisesaal blickte, der von Gold- und Silbergeschirr, Wachslichtern, Krhstall, Porzellan und großen mit Kupfer und Stahl beschlagenen Buffets aus Ebenholz wie ein Feen­palast schimmerte.

Oh, nicht doch!" antwortete der Baronet. Er blickte nicht auf die Pracht und die Herrlichkeit des Hauses, sondern auf dieses Mädchen unter der Portiere, auf diese liebliche Gestalt, die ihm in ihrem Gewände von crömefarbigem Atlas und Gaze, ihrem goldenen Haare, ihrem schneeweißen, mit Perlen geschmückten Halse, ihren leuchtenden Veilchenaugen wie eine wundervolle Vision von Schönheit und Jugend erschien.

Großpapa ist in allen Dingen ein Brite," sagte sie, indem sie ihre langen Handschuhe zuknöpfte/allein mein schlimmster Feind kann mich der Vorliebe für Ihre Nation nicht zeihen. Ihr Engländer seid zu steif, zu schwerfällig, zu blöde; Ihr fürchtet Euch zu sehr vor dem Popanz, den Ihr schlechten Geschmack nennt."

Sir Gervase lächelte.

Sie überhäufen uns mit Vorwürfen," sagte er/läßt sich denn gar nichts zu unseren Gunsten anführen?"

Ich habe keine Zeit, darüber nachzudenken," erwiderte sie lachend, als das in einer Blumenlaube aufgestellte Orchester eben zu spielen begann,denn jetzt nimmt der Ball seinen Anfang/ Sie tanzen doch?"

Leider nicht," antwortete der Baronet mit trübseliger Miene auf ihre Frage.

Einem Ball beizuwohnen und nicht zu tanzen, geht über die Qualen des Tantalus. Adieu!"

Sie nickte ihm spöttisch zu und ließ sich von einem hübschen jungen Manne zum Tanze führen.

Weder Doctor Vandine noch Iris Greylock waren auf dem Ball erschienen/ allein bald nach dem Beginn der Festlich­keit erschien Hannah Johnsohn mit ihrem braunen pocken­narbigem Gesicht an der Thür des Greylock'schen Dienstboten­quartiers.

Ich will mir die noblen Herrschaften auch ansehen, sagte sie zu der alten Hopkins,sagen Sie Miß Ethel, daß sie mir einen Platz im Soupersaal anweist, wo ich Gelegen­heit habe, Alles zu sehen."

Das werde ich hübsch bleiben lassen," antwortete die alte Hopkins entrüstet.Miß Ethel tanzt jetzt, und es fallt mir nicht ein, sie in ihrem Vergnügen zu stören. Es dürfen nur farbige Dienstboten den Soupersaal betreten/ Ihr kommt auf keinen Fall hinein, das steht fest."

Wirklich?" rief Hannah Johnson zornig.Wir wollen doch sehen/ ich bin von so großer Wichtigkeit wie irgend Jemand in diesem Haus. Versteht Ihr mich?"

Das ist mir wirklich etwas Neues!" sagte die alte Hopkins.

Nach einem weiteren Wortwechsel begab sich die alte Haushälterin, die den Frieden über Alles liebte, in den Ball- aal und flüsterte Ethel während einer Pause zu, daß Jemand sie für einen Augenblick zu sprechen wünsche.

Die junge Erbin trat in ein Nebenzimmer, wo Hannah Johnson auf sie wartete. Die Haushälterin trug ihr das Begehren der Braunen vor.

Es ist unmöglich, Hannah," sagte Ethel kalt,Du darfst den Soupersaal nicht betreten/ Großpapa würde sehr zornig werden, wenn er Dich dort erblickte/ ich rathe Dir, hm nicht unter die Augen zu kommen."

Hannah fuhr zornig auf und rief:Sie erfüllen die Wünsche Ihrer Mama, warum nicht auch die meinigen? Es ist an der Zeit, daß ich ebenfalls meinen Antheil an Ihrer Gunst erhalte. Mir haben Sie es mehr als irgend Jeman­dem zu verdanken, daß Sie die Erbin dieses Mannes ge­worden/ ich lasse mich von Niemandem unter diesem Dache beleidigen. Wenn ich wollte, könnte ich Ihrem stolzen Groß­papa eine Geschichte erzählen, bei der er die Augen weit aufreißen würde."

Hannah war außer sich vor Wuth.

Ethel warf ihr einen vernichtenden Blick zu.

Du bist sehr unverschämt," sagte sie mit dem Tone einer Königin/Mama hat Dich verhätschelt/ kehre jetzt sofort nach der Rosen-Villa zurück!"

Mit diesen Worten verließ Ethel ruhig das Zimmer.

Die alte Hopkins öffnete die Thür und hieß Hannah gehen, und da die übrige Dienerschaft sich jetzt um sie drängte, so hielt die Braune es für das Klügste, dem Befehl nach­zukommen.

So wahr mich Gott hört!" ries sie im Gehen mit einem Blicke, der die alte Hopkins erbeben machte,der Grünschnabel soll mir das büßen! Möge das Vöglein tanzen ich werde es seiner schönen Federn berauben/ ich werde es wieder hinschicken, wo es her kam!"

Die Mitternachtsstunde schlug, der Mond stand hoch am sternbesäten Himmel, und Flöten und Violinen ließen im Ballsaal ihre berauschendste Musik ertönen/ der weite Raum war übervoll von schönen Gesichtern und strahlenden Toi­letten/ Licht, Hitze und Parfüm wirkten überwältigend.

Meine Lungen verlangen nach frischer Luft," sagte Ethel mit erzwungenem Lachen/bitte, führen Sie mich hinaus!"

Sie richtete diese Worte an den Baronet, der ihr den Fächer und das Bouqet hielt und ziemlich gelangweilt drein blickte. Er warf ihr rasch einen Shaw! um die Schultern/ sie schritten hinaus durch eine Glasthür auf die breite Piazza, und bald wandelten sie unter den grünen Bäumen dahin. Sie kamen zu einem glatt geschorenen, vom Mondlicht er­hellten Rasen, in dessen Mitte eine Fontaine plät'chene.

Einige Gartenstühle standen umher/ sie ließen sich in der Nähe der Fontaine nieder.

Sie tanzen wohl gern?" fragte Sir Gervase.

Ja," antwortete Ethel/diese Schwäche ist mir an­geboren. Haben Sie nicht bemerkt, wie famos ich den letzten Walzer tanzte?"

Eine zerdrückte Rose fiel aus ihrem Haar.

Sir Gervase hob die Blume auf und drückte dieselbe an die L<ppen.

In dem furchtbaren Gewühl da drinnen," antwortete er,war es mir unmöglich, Sie zu sehen / den ganzen Abend bekam ich Sie nur ein paar Mal, und selbst dann nur auf wenige Augenblicke, zu Gesicht / allein ich zweifle nicht daran, daß Sie vorzüglich tanzen."

Wissen Sie nicht, daß ich einst in Gefahr war, eine Ballet-Tänzerin zu werden?"

Der Baronet blickte die junge Dame erstaunt und be­troffen an.

Eine um Verzeihung was sagten Sie?"

Ethel lachte laut auf.

Eine Ballettänzerin! Das war ja Mamas Beruf