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am Busen, während ihre dunklen Locken ihr hübsches, blasses Gesicht umwallten.
Godfrey Greylock und Miß Pamela empfingen sie kalt, aber höflich.
„Wie freut es mich," sagte Iris, zu der Letzteren gewandt, „nach so vielen Jahren unsere alte Bekanntschaft zu erneuern! Sie haben indessen sehr gealtert,- ich würde Sie kaum wieder erkannt haben, wenn ich Ihnen anderswo begegnet wäre."
Dann wendete sie sich mit einer zierlichen Verbeugung zu Godfrey und sagte mit halb ironischem Lächeln: „Mein theurer Herr Schwiegervater, ich bin überglücklich, die Friedenspfeife mit Ihnen rauchen zu dürfen. Doch nun, wo ist denn mein Reisegefährte?" Mit kokettem Lächeln hinkte sie zum Baronet, der ihr herzlich die Hand drückte. „Ach, Sir Gcrvase," rief sie- „nie werde ich jene angenehmen Tage zur See vergessen- Ethel weiß es bereits, wie gütig uno aufmerksam Sie auf dem Dampfer gegen mich waren - allein — ich habe cs noch nicht vergessen, daß Sie metnes Geplauders müde wurden und mich so plötzlich am Landungsplatz verließen. Keine Entschuldigung! Zur Strafe dafür sollen Sie heute sehr artig und aufmerksam gegen mich sein."
„Das wird ein Vergnügen, keine Strafe für mich sein," antwortete er galant.
Iris benahm sich kokett wie ein Mädchen von sechszehn Jahren. Bei Tische erhielt sie die Unterhaltung fast allein im Gange. Godfrey Greylock und Miß Pamela beobachteten sie mit stiller Verachtung. Sir Gervase behandelte sie wie ein verhätscheltes Kind.
Ethel sprach während der Mahlzeit nur wenig- beängstigende Gedanken raubten ihr den Appetit. Wenn Regnault jetzt plötzlich unter der Thür erschien- was sollte sie thun? — Was hatte sie zu thun gelobt? Sollte sie aufstehen, mit ihm gehen, und Allem, was ihr so lieb und theuer war, für immer den Rücken kehren? War es nicht an der Zeit, daß sie ihrem Großvater ihr Herz öffnete? „Heute nicht," sagte sie zu sich selbst, vor dem bloßen Gedanken zurückschreckend, „und morgen auch nicht- ich habe in der That keine Veranlassung, mich in der Sache zu überstürzen."
Als die Gesellschaft sich vom Tische erhob, flüsterte Iris hinter ihrem Atlasfächer Ethel die Worte zu: „Besten Dank für die weiteren fünftausend Dollars- ich kann damit einige meiner Schulden decken. Aber pfui! Es scheint mir, als ob Großpapas Pläne zu Wasser werden sollten. Du und der Baronet, Ihr kommt mir wie zwei in entgegengesetzten Richtungen dahin schwimmende Eisberge vor- haßt Ihr denn einander so sehr?" Bevor Iris ihre Pony- Equipage bestieg, sagte sie noch triumphirend zu ihrer Tochter: „Ich werde wiederkommen, so oft es mir beliebt."
So endete der zweite Tag seit der Ankunft des Baronets.
Am dritten und vierten Tage nöthigte Regenwett er Jedermann, zu Hause zu bleiben. Aus Rücksicht für ihren Großvater sang und spielte Ethel und gab sich alle Mühe, dem Gast den Aufenthalt möglichst angenehm zu machen.
Während dieser kurzen, aber zahlreichen Begegnungen unter vier Augen machte Ethel einige Entdeckungen. Der Engländer war ein vorzüglicher Musikkenner- er hatte den Continent und den Orient durchreist, als Freiwilliger in Afghanistan und Südafrika gekämpft und hatte Ehren und Narben mit nach der Heimath zurückgebracht. Er war ein Held, und wenn er auch zurückhaltend erschien, so wußte er doch fließend und mit Verständniß über eine Menge interessanter Dinge zu sprechen. Sie fand in ihm einen vortrefflichen Gesellschafter an den regnerischen Nachmittagen, an denen der Park in Nebel gehüllt war und Holzfeuer in den Kaminen des Herrenhauses prasselten- sie fing endlich sogar an, ihn mit Stolz und Bewunderung zu betrach-en.
Am Nachmittage des vierten Tages ereignete sich ein Zwischenfall. Der Regen ergoß sich in Strömen herab -
der Wind fegte heulend die Alleen auf und nieder. Godfrey Greylock hatte den Baronet nach dem Billardzimmer ge< nommen und Ethel wanderte unmuthig im Salon hin und her - sie wünschte, daß Sir Gervase zurückkommen und mit ihr plaudern möchte, denn sie fühlte sich gelangweilt.
Plötzlich ging die Thür auf und Doctor Vandine trat herein- er hatte Miß Pamela, die mit einem Anfall von Neuralgie behaftet war und ihr Zimmer hütete, einen ärztlichen Besuch abgestattet.
„Wie gütig Sie sind, daß Sie an mich denken, Doctor!" sagte Ethel mit bezauberndem Lächeln- „an einem solchen Tage darf man sich glücklich schätzen, irgend Jemanden zu sehen."
Doctor Dick fühlte sich durch diese Bemerkung nicht sehr geschmeichelt- sein Gesicht wurde merklich länger.
„Wann denke ich nicht an Sie ?!" rief er aus - „keine Stunde, keinen Augenblick lang verliere ich Sie aus meinen Gedanken!"
Ethel ergriff eine Feuerzange und beschäftigte sich damit, die brennenden Holzklötze in dem offenen Kamin zu rütteln.
„Das ist wahrhafiig mehr als ich verdiene," antwortete sie lachend- allein mit erröthenden Wangen- „ich sollte eigentlich meine arme Tante Pamela unterhalten, anstatt meine Zeit hier mit Nichtsthun sie zu vergeuden- allein sie duldet mich nie um sich, wenn sie einen Anfall von Neuralgie hat. Regenwetter ist für die Bewohner von Grehlok Woods etwas Schreckliches- wir sollten in dieser Einsamkeit beständigen Sonnenschein haben."
Doctor Dick näherte sich ihr. Sie warf die Feuerzange weg und machte sich mit den chinesischen Vasen aus dem Kamingesims zu schaffen.
„Wo ist Ihr englischer Liebhaber?" sagte er.
„Sie meinen wohl Sir Gervase? Er ist nicht mein Liebhaber," antwortete sie- doch schon im nächsten Augenblick bereute sie ihre Worte.
Das Blut kochte wie flüssige Lava in Vandines Adern, und herausplatzten seine Worte mit leidenschaftlicher Gewalt:
„Gott sei Dank! Nun denn, da Srr Gervase mir nicht im Wege steht, sehe ich nicht ein, warum ich länger schweigen sollte. So lassen Sie mich Ihnen denn gestehen, daß ich Sie liebe! Ich wäre ein Feigling, wenn ich weniger sagte — wenn ich ein Dutzend Zungen hätte, könnte ich Ihnen nicht mehr sagen!"
Ethel lehnte sich erschrocken an das Kamingesims. Nichts konnte ihr unwillkommener sein, als diese Erklärung.
„Es thut mir leid um Sie, Doctor Vandine," antwortete sie traurig- „allein ich kann Ihnen nichts als Erwiderung für Ihre Liebe bieten — nicht einmal Hoffnung."
Plötzlich ging dem armen Doctor ein Licht auf. , „Ich verstehe," stöhnte er- „Sie lieben einen Anderen?
„Ja," schluchzte sie - „Gott helfe mir — ja!"
Wer hatte die Thür geöffnet? Wer stand auf der Schwelle? Ethels Herz pochte gewaltig und drohte dann still zu stehen. Doctor Dick ergriff seinen Hut und schoß mit Blitzeseile an dem Eindringling vorüber, zur Thür und zum Hause hinaus.
Sir Gervase blickte Ethel an.
„Verzeihen Sie mir, wenn ich Sie überraschte," sagte er mit gesuchter Höflichkeit- „ich glaubte, Sie wären allein.
Er hatte Alles gehört.
„Es ist keine Ueberraschung — durchaus keine," antwortete sie mit glühenden Wangen, worauf sie, von einem unerklärlichen Schrecken ergriffen, ihm den Rücken wandte und plötzlich das Zimmer verließ.
Der fünfte Tag nach der Ankunft des Baronets war Sonntag- Jedermann begab sich zur Kirche. Der sechste ^ag war Zeuge großartiger Vorbereitungen im Hause und u« das Haus her. Am Abend des siebenten fand ein Ball stat , der erste, der seit vielen Jahren in Greylock Woods gegeben wurde.
Der Rasen und das Strauchwerk, sowie die laubig


