Ausgabe 
16.12.1897
 
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Gemeinnütziges

VepnMehtes

Essen beobachten kann. Die Art und Weise, wie ein Mann seine täglichen Mahlzeiten einnimmt, ist der untrüglichste Gradmesser für die augenblickliche Beschaffenheit seiner Gefühle. Allerdings ist dies eben nur bei einem Manne zutreffend das weibliche Geschlecht besitzt nach Meinung des galanten Franzosen eine größere Verstellungskunst und empfindet nie ganz so intensiv. Also, um nun zu interessanten Beobachtungen des gallischen Menschenkenners zu kommen, so sollen folgende Anzeigen stets maßgebend sein: Entwickelt ein Mann einen ganz enormen, ungewöhnlichen Appetit, dann befindet er sich im ersten Stadium einer neuen großen Leidenschaft. Er hatsie" kennen gelernt, ist Feuer und Flamme und schwebt in beständiger Erwartung,- Erwartung aber macht hungrig. Um zu erfahren, welche Fortschritte er in seiner Liebe macht, hat man nur nöthig, ihn weiter in seinen Mahlzeiten zu beobachten. Erscheint er bald darauf unnatürlich appetitlos, still und zerstreut, so ist ihm etwas Unangenehmes zugestoßen. Ein Anderer ist ihm beiihr" zuvorgekommen- er hat nur noch wenig oder gar keine Hoffnung. Bessert sich sein Appetit bald, so hatte das Unangenehme nicht viel auf sich- die Flamme seiner Gefühle lodert wieder mächtig empor. Je näher er dem Augenblick kommt, da er sich erklären will, desto auffälliger nimmt seine Eßlust ab. Sein Gesicht aber ist stets von einem Schimmer der Verklärung übergossen, seine Augen leuchten und er erröthet bei jeder Kleinigkeit. An dem Tage, da sich sein Schicksal entscheiden soll, ißt er überhaupt nichts.

| Zerstreut spielt er mit Messer und Gabel, zerschneidet sein Fleisch sehr kunstgerecht, und merkt er, daß man ihn ansieht, dann schiebt er schnell die Gabel in den Mund gewöhnlich aber war sie leer. Am nächsten Tage kann nun ein Blinder merken, ob der Freier angenommen wurde oder einen Korb erhalten hat. Im ersteren Falle ißt er entweder sehr viel oder gar nichts, aber bald nimmt sein Appetit wieder normale Dimensionen an, wenn er mitihr" Zank gehabt hat. Doch äußert sich ein derartiges Vorkommniß nach der Erklärung etwas anders als vorher. Ist der glühende Liebhaber tüchtig von seiner Angebeteten abgekanzelt worden und vielleicht gar mit Recht, dann läßt sich der Gekränkte etwas ganz besonders Gutes" serviren und ißt mit wahrer Lust darauf los. Haben sich die Liebenden wieder ausgesöhnt und ist gar sie es gewesen, die ihr Unrecht eingestand und Abbitte leistete, so merkt man dies sofort an der rührenden Gutmüthigkeit, mit welcher der selige Verliebte alles, was man ihm vorgesetzt, ohne Ansehen der Qualität verspeist. Selbst angebranntes Fleisch, kalte Gemüse und harte Kartoffeln erregen sein Mißfallen nicht im Geringsten. Es gibt eine Kategorie Verliebter, die sich fast immer in einem derartigen Stadium befinden und diese Speeies bildet in ihrer absoluten Gleichgiltigkeit in Bezug auf culinarische Genüsse das Entzücken aller Pensions- wirthinnen!

Ueberrasch ung. Junge Frau (kurz nach der Hochzeit): Nicht wahr, Männchen, jetzt brauche ich mich doch nicht mehr so sanft zu stellen, wie vor der Hochzeit?"

Aal s la maitre dhötel. Den abgezogenen Aal schneidet man in Stücke und kocht ihn 20 Minuten in Salz­wasser, worauf man die Stücke abtropfen läßt und sie auf eine warme Schüssel legt. Inzwischen vermischt man in einer Casserole etwas Mehl mit Butter, ohne es jedoch sich bräunen zu lassen, gießt ein halbes Glas Weißwein und ebenso viel Auflösung von Liebigs Flerschextract hinzu, salzt und Pfeffert, gibt die üblichen Küchenkräuter, Champignons sowie einen Kaffelöffel Weinessig bei und läßt Alles eine halbe Stunde still kochen. Dann bindet man di: Sauce mit zwei bis drei Eigelb und schüttet sie über die Aalstücke, zwischen die man in Butter geröstete Brodschnitte legen kann.

Liebe Affen. Ein französischer Psychologe, der als äußerst scharfsinniger Beobachter von seinen Bekanten fast gefürchet wird, erklärt, auf den ersten Blick erkennen zu können, ob ein Mann verliebt sei! Weiter behauptet der durchaus nicht zerstreute Gelehrte, im Stande zu sein, sofort mit größter Exaktheit festzustellen, in welchem Stadium seiner Leidenschaft sich der Liebende befindet, wenn er ihn beim

WeihnNcht-bffAeeeien. Honigplätzchen. 500 Gramm Honig, 700 Gramm Mehl, 250 Gramm ungeschälte fein- geschnittene Mandeln, 75 Gramm Citronat, 75 Gramm Pommeranzenschale, 200 Gramm Zucker, 15 Gramm Zimmt, 5 Gramm Nelken, eine viertel Muskatnuß fein gestoßen, eine halbe Citrone abgerieben, 5 Gramm gereinigte Pottasche. Diese Sachen kommen bis auf den Honig in eine Schüssel und werden gut vermischt. Alsdann wird der Honig kochend gemacht und mit vermischt, in kleine Stücke geschnitten und langsam gebacken. Muskatplätzchen. Zwei große Eier werden mit 140 Gramm feinem Zucker eine halbe Stunde gerührt. Die Schale einer halben feingewiegten Citrone, eine Messerspitze Cardamonen und Muscatblüthe, beides fein­gestoßen, sowie 140 Gramm Mehl wird noch dazu gerührt, das Backblech leicht mit Butter bestrichen, mit dem Löffel kleine Plätzchen aufgesetzt, dieselben zwei Stunden stehen gelassen, dann bei mäßiger Hitze gebacken. Diese Plätzchen halten sich lange Zeit. Schwarze Schneeballen. Zwei Eiweiß werden zu Schnee geschlagen, 210 Gramm gesiebter Zucker und 70 Gramm fein geriebene Chocolade darunter gerührt, kleine Häufchen auf Oblaten gesetzt und bei gelinder Hitze langsam gebacken.

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Eine praktische Methode ium Conserviren des Fleisches ist, nach demPractischen Wegweiser" Würzburg, folgende: DaS noch warme Fleisch der frischgeschlachteten Thiere wird in einem zuvor bereiteten innigen Gemenge von einem Theile pulverisirtem Salpeter in 32 Theilen Kochsalz , eingerieben, sodann ringsum mit soviel Kornkleie bestreut, als daran hängen bleibt. Hierauf wird das Fleisch entweder unmittelbar, oder nachdem es zuvor in eine einfache Lage Zeitungspapier eingewickelt worden, in den Rauch gehängt. Das fo. geräucherte Fleisch bekommt ein dem geräucherten Wachse ähnliches Aussehen, schmeckt sehr angenehm und hält sich Jahre lang ohne zu verderben. Um die geräucherten Fleischwaaren beim Anbruch der warmen Jahreszeit vor I Fliegen und Würmern zu schützen, verpackt man dieselben mit durchgesiebter, trockener Holzasche in eine Kiste, die an einem möglichst trockenen Platze aufgestellt wird. Das Ge­räucherte hält sich ganz vortrefflich.

Neid. Frau Müller:Sehen Sie nur den feinen Leichenwagen!" Frau Schulze:So einen kriegt Unser­eins im ganzen Leben nicht!"

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Der schlaue Gläubiger. Gläubiger:Ist Ihr Herr Papa anwesend?" Fräulein (verlegen):Bedaure nein!" Gläubiger:Schade! Men wollte ich bei ihm um Ihre Hand anhalten." Fräulein (schnell freudig): Jawohl, mein Papa ist da!"

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Ein Anhaltspunkt.Sepp, wann seid Ihr eigentlich geboren?"So an die 50 Jahre wären's halt sei, damals hat mei sel'ge Mutta no g'lebt!"

Sebacttot: 8L Scheyda. Druck uud «erlag der Brühl'schen llniverfitätS-Buch« und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.