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die Monarchen grüßten dankend nach allen Seiten. Als der König aber Katharina bemerkte, glitt ein freudiges Lächeln über sein ehrwürdiges Antlitze er nickte ihr mit größter Herzlichkeit zu und rief ihr ein „Leben Sie wohl!" hinüber.
Wenige Minuten später machte sich Katharina auf den Weg, um sich das Andenken des Königs abzuholen. Alle Thüren öffneten sich ihr und als sie jetzt, das zweite der vom König bewohnt gewesenen Gemächer betretend, sich dem Arbeitstisch näherte, sah sie auf diesem eine soeben erblühte, prachtvolle rothe Rose liegen.
Mit seufzender Seele ergriff sie die Rose, drückte einen Kuß auf sie und steckte sie sich an die Brust. —
Eine Reihe von Jahren war vergangen. Katharinas Schwester hatte längst geheirathet, Katharina selbst jedoch eine ganze Schaar von Freiern liebenswürdig abgewiesen. Sie war übrigens noch immer schön wie früher, ja vielleicht noch schöner- und wenn sie gewollt hätte, so hätte sie auch sitzt noch die glänzendsten Partien machen können. Aber sie wollte nicht und lebte ihr stilles, jungfräuliches Leben im Hause der Eltern weiter.
Der große Krieg war inzwischen vorübergebraust und König Wilhelm deutscher Kaiser geworden. Oft genug hatte Katharina den Wunsch geäußert, nach Berlin zu reisen und den Kaiser zu sehen- aber der Vater erlaubte es nicht.
Da las man eines Tages in der Zeitung, daß der Kaiser bei Gelegenheit der großen Manöver in Rostock das Hoflager halten würde — und nun wurde es wieder im Hause des Medicinalrathes X. lebendig. Katharina konnte kaum den Tag der Ankunft des Kaisers erwarten - und als der Tag herangekommen war, trieb es sie hinaus, weil sie den Einzug des verehrten Kaisers miterleben wollte.
Der Jubel des Volkes war groß und auch Katharina schwenkte ihr Tüchlein wacker. Doch der Kaiser, abgelenkt von Anderem, bemerkte sie nicht, und es that ihr wehe, daß er sie nicht bemerkt hatte.
Nicht gerade verstimmt, aber doch in gedrückter Stimmung kehrte sie nach Hause zurück.
„Nun, hast Du den Kaiser gesehen?" rief ihr die Mutter strahlend entgegen.
„Ja."
„Und hat er Dich gesehen?"
„Nein."
„Aber er hat Dich nicht vergessen. Sieh' hier!" Und sie nahm von einem Tischchen ein Couvert, welches den Stempel des Hofmarschallamts trug und drei Karten enthielt — Einladungen für die am Abend im Theater stattfindende Galavorstellung.
Die gedrückte Stimmung Katharinas wich nun der gehobenen, und am Abend sah Katharina inmitten der glänzenden Gesellschaft so schön aus wie vielleicht nie zuvor.
In der großen Pause wurden Tochter und Mutter zum Kaiser befohlen, der sich huldvoll mit ihnen unterhielt und den Wunsch äußerte, Katharina am nächsten Abend beim Festball in Heiligendamm wiederzusehen.
Der Wunsch durfte natürlich nicht unberücksichtigt bleiben, und sobald die Damen wieder nach Hause zurückgekehrt waren, wu e Alles in Bewegung geatzt, um Katharinen ein neues, prächtiges Ballkleid zu schaffen. -
'm nächsten Vormittag traf ein herrliches Perlenhals- ban. ,ür Katharina ein, das die Seligkeit Katharinens fast in's Maßlose steigerte.
Zur rechten Stunde hatte die Schneiderin das Ballkleid fertig und hochschlagenden Herzens fuhren Mutter und Tochter nach Heiligendamm. Dort begaben sie sich sofort in den Bällsaal, wo bereits eine ausgewählte Gesellschaft von Damen und Herren versammelt war. Nicht lange darauf erschien der Kaiser mit seiner glänzenden Umgebung, theilte nach links und rechts Grüße aus und suchte mit den Augen so lange nach Katharina, bis er sie gefunden hatte. Er trat
auf sie zu, begrüßte sie, reichte ihr seine Hand zum Kusse hin und ließ sich ihren Dank für das kaiserliche Geschenk gefallen. Dann sorgte er dafür, daß der jungen, schönen Freundin einige Offiziere vorgestellt wurden, mit denen sie sich während des Balles auf's Beste unterhielt. Immer wieder jedoch schweifte ihr Blick zum Kaiser hin, der mit stiller Freude allen ihren Bewegungen folgte.
Als der Kaiser das Zeichen zum Aufbruch gab, näherte er sich Katharinen noch einmal und sagte: „Ich danke Ihnen, daß Sie mir die Freude gemacht haben. Ich bin ein alter Mann und werde Sie wohl zum letzten Male gesehen haben. Werden Sie glücklich — glücklicher als eine Andere — die ebenso schön war wie Sie." Eine tiefere Bewegung schien sich seiner Seele zu bemächtigen — dann winkte er ihr zu und verließ den Saal, in welchem die kleine intime Scene viel besprochen wurde.
Und wieder waren Jahre vergangen, ohne daß Katharina ihren geliebten Kaiser wiedergesehen hatte. Da fiel ihr eines Tages ein Bildniß der Prinzessin Elise von Radziwill in die Hände, jener Prinzessin, welche Prinz Wilhelm einst so leidenschaftlich und so unglücklich geliebt hatte. Sie stutzte und trat zum Spiegel und verglich Zug um Zug ihr Gesicht mit dem der Prinzessin. Jetzt wurde cs ihr klar, warum sie die Aufmerksamkeit des Kaisers erregt, seine Sympathie erworben hatte.
Katharinens Augen füllten sich mit Thränen, aber sie wußte selbst nicht genau, ob es Thränen des Mitgefühls für das Unglück ihrer edlen Doppelgängerin und deren Geliebten, oder Thränen des Schmerzes waren darüber, daß der Kaiser in ihr nur das Echo seiner Jugendliebe gesehen hatte.
Gemeinnütziges.
Was ist „Hausmannskost"f — Die Frage, welcher Begriff diesem Worte beizulegen sei, wird, wie wir hören, gegenwärtig in zahlreichen Frauenkreisen erörtert. Sie ist „brennend" geworden infolge des Umstandes, daß die von der Liebigs Fleisch - Extract-Compagnie ausgeschriebene Preis- concurrenz für Kochrecepte die ausgesetzten Prämien von 20 bis 250 Mk., zum Gesammtbetrage von 4000 Mk. in baar, wesentlich auf „Hausmannskost" Gewicht legt. Die Damen, die sich die näheren Bedingungen der Preisconcurrenz haben verabfolgen lassen, dürften bereits orientirt sein: Hausmannskost, „die einfache Küche des bürgerlichen Mittelstandes", kommt in erster Linie in Betracht, sie ist im ausdrücklichen Gegensatz zu der feineren Küche gebracht und die Recepte sind auf je fünf Personen (kleine Familie) zu berechnen. Schon dieser Umstand weist darauf hin, daß es sich um nahrhafte und wohlschmeckende Gerichte handelt, die um mäßigen Preis zu beschaffen sind. Diese drei Anforderungen sind füglich an Hausmannskost zu stellen. Mögen ihnen recht viele Einsendungen entsprechen, das darf schon im Interesse unzähliger Hausfrauen erhofft werden.
Hninsvistisches.
Angewandtes Sprichwort. Sie: „Heute hab' ich mich aus Langeweile selbst an's Kochen gemacht!" — Er (brummend): „Ja, ja, Müßiggang ist aller Laster Anfang!" * *
Gläubiger-Abschreckungs-Th ürschild. „Bitte vor dem Eintreten die Cigarre ausgehen zu lassen, da ich mit Dynamit experimentire. Sind, ehern. Schlaumeier." * * *
Eisenbahnunglück. Richter: „Wie kamen Sie dazu, die junge Dame im Tunnel zu küssen?" — Angeklagter: „Der Kuß ist mir in der Dunkelheit eben so — so entgleist !"
Redaction; K. Ech-Yda. — Druck und «erlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.


