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3®®senn ^rber Zorn das Herz entflammt, Äjgjff5 Wie schnell ein Wort den Freund verdammt; ÖSF Sind wir zur Einsicht dann gekommen —
Wie langsam ist's zurückgenommen.
Anna Nitschke.
Der Majoratsherr.
Roman von Nataly v. Lschstrnth.
(Fortsetzung.)
Pia fühlt es, wie ihre Knie zittern, sie hört es nicht mehr, was die Stimmen neben ihr sprechen, es saust und braust vor ihren Ohren wie Regenschauer, welche der Wind gegen die Fenster peitscht.
Die Hände vor das Antlitz schlagend, sinkt sie auf den Stuhl, welcher neben ihr steht, nieder.
Finden sich die Menschen neben ihr wirklich erst in' diesem Augenblick? that sie Onkel und Tante Unrecht mit ihrem Verdacht? — Vielleicht — ach vielleicht auch ihm?
Seine Worte lügen in diesem Augenblick nicht, nein, beim Himmel nicht! sie fühlt es! ihr Herz schreit plötzlich wild auf in Scham und Reue.
Und dann hört sie es wie im Traum, — fern, ganz fern her, wie Onkel Willibald sagt: „Ja, Fränzchen hat uns Alles erzählt, Alles, mein armer Junge, und beklage ich es doppelt, daß Dich die unselige Trouernachricht grade jetzt nach Hause ruft! Das Mißverständniß, welches zwischen Dich und Pia getreten ist, muß sich aufklären, und wenn auch nicht augenblicklich — sodann doch später!"
„Nein, augenblicklich !" will Pia voll alles vergessender Leidenschaft rufen, will jählings aufspringen und zu dem Geliebten eilen, ihm die Hände entgegenzustrecken und zu rufen: „verzeih mir, — vergieb mir — ich . . --
sie will sich wankend erheben, ihre Augen leuchten wie im Fieber.
„Nein, Onkel, nicht jetzt, nicht später!" klingt Wulff- Dietrichs Antwort tonlos, aber sehr bestimmt, „zwischen Pia und mir ist Alles aus, — für jetzt und immerdar."
„Aber, bester Junge, welch ein Pessimismus! Eine Mädchenlaune! — Du weißt, daß die Ansichten der schönen Frauen wie Aprilwetter wechseln!"
Er schüttelt finster das Haupt. „Die ihren vielleicht - die meinen nicht. Glaubst Du, Onkel, daß mein Stolz weniger empfindlich ist, wie der ihre? Die Anklage, welche Pia mir entgegenschleuderte, die ungeheuere Verdächtigung, durch welche sie mich kränkte, kann ich nicht entkräften- wodurch? da ist kein Beweis, den ich ihr entgegenstellen könnte, und meinen Worten allein glaubt sie nicht. Solange wie ich der Majoratsherr von Niedeck bin, kann und darf ich Pia nicht wieder von Liebe reden, ohne meine Ehre unter die Füße zu treten! Und Hartwigs Tod bürdet mir rettungslos die Last des Erbes auf, welches sechzehn Ahnen von meiner Gemahlin verlangt. — Du bist selber ein Niedeck, Onkel, Du kennst unsere Devise, welche kein Hauch auf blankem Schilde duldet. — Pias Mißtrauen würde aber Flecken auf dem Schilde sehen, welche keine Macht der Welt je löschen kann. Konnte sie in dieser Stunde selbst an der j Wahrheit meiner Liebe zweifeln, so wird sie es ewig thun, ; solange der Majoratserbe um ihre Hand wirbt. — Wollte i ich auch — ich könnte es nicht. — Sie selber hat mir den l Weg zu ihrem Herzen abgeschnitten und Hartwigs Tod hat 1 vollends eine Kluft zwischen uns aufgerissen, welche alle Liebe der Welt nicht mehr überbrücken kann."
Pia war auf ihren Platz zurückgesunken. Ein Zittern rann durch ihren Körper und wie eine Schlange, kalt, eiskalt, kroch es nach ihrem Herzen.
Sie wollte aufschreien in unaussprechlicher Qual, sie konnte es nicht, — sie wollte die Hände auf die Lippen des Geliebten presfen, damit sie das Entsetzliche nicht aussprechen möchten, — umsonst, wie gelähmt, bleischwer, versagten ihre Glieder den Dienst.
Und drinnen sprachen sie weiter- — Tante Johannas weiche Stimme tröstete mit wunderbaren Fügungen Gottes, — und Onkel Willibald kam auf Hartwigs Tod und Wulff-Dietrichs Abreise zurück.
Freunde wollten sie bleiben! Der Neffe sollte als lieber Gast nach Niedeck kommen, — im Herbst, wenn Willibald noch einmal auf kurze Zeit nach dort zurückgekehrt, — und während der junge Graf voll herzlicher Dankbarkeit verspricht, der Einladung zu folgen, wird die Thüre aufgestoßen und Fränzchen stürmt herein.
„Wolff - Dietrich! Gott sei Dank, daß ich Dich noch finde, — ich suchte das ganze Kurhaus nach Dir ab! Hast Du Dich den Eltern zu erkennen gegeben? — Ach ich sehe es ja Euren Gesichtern an, daß hier Frieden geschlossen wurde! — Ach, wie bin ich so glücklich darüber, Wulff — so glücklich!" — Sie wirft sich in ihrer stürmischen Weise


