ti ii
ÄmJB’I’T'4
IIpP® NMMDDN MF^M
ZW
WKW
!®|Ö»SW* ■
Äl
MWWW M8WVMU SH1Ü
ragst Du nach den größten aller Frauen?
MM/ Aufwärts nicht, nein, abwärts mußt Du schauen,
In des Lebens tausendfache Noth,
In den Kampf um’S Dasein und um's Brod,
In das Wittwenleid, die Muttersorgen,
In den Gram, der neu an jedem Morgen!
Frauengröße — nicht im Glückesschimmer,
In des Unglücks Nächten such' sie immer! Anna Ecke.
Der Majoratsherr.
Roman von Nataly v. Eschstruth.
(Fortsetzung.)
Der Kies knirschte neben, ihm, und emporzuckend starrte er in das ernste, blasse Gesicht Kränzchens. Ein wunderlicher Ausdruck lag darin, halb Schmerz und Mitleid, halb triumphirende Genugthuung. Er sprang empor und wollte hastig mit kurzem Gruß vorüberschreiten, — sie streckte den Arm aus und sperrte ihm den Weg.
„Vetter Wulff-Dietrich, — bleiben Sie!"
Er biß die Zähne zusammen und hob stolz fragend das Haupt. „Vetter Wulff-Dietrich?" wiederholte er mit gesulchter Stirn.
„Ja, mein Vetter! ich bin Franziska Niedeck und Mr. Luxor und seine Gattin sind meine Eltern, die Erbgrafen von Niedeck."
„Franziska--Onkel Willibald . . ." Er strich
wie ein Träumender über die Stirn: „Ja, ja, ganz recht, nun fang ich an zu begreifen, daß sie Pia Nördlingen ist!"
Kränzchen trat näher, faßte seine Hand und zog ihn zur Bank zurück. „Armer Wulff-Dietrich, wie hat sie Dir so bitter Unrecht gethan!"
Sein Blick belebte sich. Er hob den Kopf. „Hörten Sie es, Cousine Fränzchen?" stieß er leise hervor.
Sie nickte. „Alles- aber nenne mich nicht „Sie", wir sind ja so nahe verwandt und waren seit Anfang an so gute Freunde, seltsam, als hätte ich es empfunden, daß wir zusammen gehören."
„Und Du traust mir nicht eine schlechte, ehrlose Comödie zu, wie — — wie Pia es thut?"
Sie drückte ihm kräftig die Hand: „Nein, bei Gott nicht!
Habe ja selber Niedeck'sches Blut in den Adern, und weiß, daß wir uns zu solch krummen Wegen nicht hergeben würden! Ich habe Dich ehrlich gern! Wulff - Dietrich, Du bist ein redlicher, braver Kerl, und — mein Wort darauf — es hat mich lange nichts so herzlich gefreut, als die Entdeckung, daß Du mein Vetter bist!"
Er schüttelte finster den Kopf, aber seine Hand umschloß die ihre beinahe krampfhaft. „Seltsam, unsere Väter sind seit langen Jahren verfeindet, sie haff-n sich, und ich fürchte, Onkel Willibald hat die Gefühle, welche er gegen den Vater hegt, auch auf mich, den Sohn, übertragen!"
Fränzchen schüttelte energisch den Kopf. „Nein, das hat er nicht, und wäre es auch so gewesen, jetzt, wo er Dich so gut kennen lernte, hat er Dich aufrichtig lieb gewonnen!"
Wieder senkte der junge Graf die Stirn in die Hand. „Niemand hat mich in diesen Tagen wohl so gut kennen gelernt, wie sie," sagte er leise, „und doch beschuldigt sie mich so ungerecht und so falsch, und doch verurtheilt sie mich so grausam hart!"
„Pia hat sich sehr albern benommen!" polterte Fränzchen in ihrem derben Ton, „aber sie hat sich nun einmal in die Idee verbissen, daß Du nicht um sie, sondern nur um ihre sechzehn Ahnen wirbst! — Na, laß sie laufen, Kopf hoch, alter Junge! Es giebt mehr Mädchen in der Welt!"
Wulff-Dietrich preßte die Lippen zusammen und schüttelte stumm den Kopf.
„Hast Du sie denn wahrhaftig so furchtbar lieb?"
Er stöhnte leise auf und bedeckte das blasse Antlitz secundenlang mit den Händen.
Auch Fränzchen seufzte. „Du lieber Gott, ja, ich kann es so gut begreifen, rein toll vor Liebe kann einen das Mädel machen, lieber Wulff, Du rhust mir unbeschreiblich leid!"
Da faßte er jählings ihre beiden Hände und blickte ihr wie ein Sterbender in die Augen.
„Fränzchen, hilf mir — !"
„Dir helfen? Wie das?"
„Du glaubst an mich und an meine Wahrhaftigkeit, Fränzchen, — ach, überzeuget auch Pia davon!" und dann plötzlich sprang er aus, machte eine heftige leidenschaftliche Bewegung und warf stolz das Haupt in den Nacken.
„Nein! nein! thue es nicht! es ist ja doch vergeblich, sie wird ja doch nicht an meine Liebe glauben, so lange ich der Erbe des Majorats bin! — und was sie mir in dieser Stunde angethan, das kann sie nicht wieder gut machen, nicht im Leben — nicht im Tode."
Fränzchen sah ihn mit wunderlich flimmernden Augen an.


