Ausgabe 
9.11.1897
 
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^KU er trau auf Gott doch auch auf eig'ne Kraft;

Gott s-gnet nur, was Du Dir selbst gerafft

Ernsthaft streben,

Heiter leben,

Vieles schauen, Wen'gen trauen Deutsch im Herzen, Tapfer und still, Dann mag kommen, Was da will! I. V. v. Scheffel.

Der Mnjoratsherr.

Roman von Nataly v. Eschstrnth.

(Fortsetzung.)

Capitel 12.

Das Jagdschloß Rauenstein liegt wunderbar schön im Gebirge. Auf freiragender Felsgruppe erbaut, an drei Seiten von mächtigem, uraltem Hochwald eingeschlossen, ge­währen die Frontfenstcr den Blick weit über die Berge, bis fern hin, wo sich das dunkle Wipfelmeer in blaue Schlerer hüllt und die zarten Linien der Gebirgsscheitel nebelgrau in den Wolken verschwimmen. Rauenstein seiber ist ein alter, Pittoresker Bau ohne Stil und Einheitlichkeit- die Laune eines längst verewigten Herrschers hat ihn aus dem Schutt einer Burgruine neu erstehen lasten, und anfänglich ganz in der Art des winkligen, spitzgiebligen Felsennestes gehalten, alsdann hat der Geschmack anspruchsvollerer Zeiten verschiedentlich daran herumgeändert und geflickt, hat hie und da einen Thurm oder einen kleinen Seitenflügel ange­baut, und mehr dem Inneren wie dem Aeußeren Rechnung getragen.

Dennoch sieht Rauenstein mit seinem grauen Zimmer­werk und den ungleichen Fensterchen und spitzen Giebeln un­vergleichlich malerisch und schön aus, zumal wenn der regierende Fürst sein Domicil darin uufschlägt, in den so wildreichen Waldgrünven zu jagen.

Dann klingt und schmettert das Hüfthorn durch die klare Bergluft, dann stampfen und wiehern die Rosse und traben die rothröckigen Reiter stolz über die knarrende Zugbrücke.

Die Meute tobt an den Riemen und von dem Thurm flattert das Banner, weit über die Lande hin sichtbar.

Im Sommer kann es kaum einen schöneren und idyllischeren Aufenthalt geben, als dieses alte Jagdschloß, im Winter aber gleicht es der verzauberten Königsburg, so weltvergessen und einsam liegt es im Todesschlaf unter weißem Bahrtuch und schön ist es auch dann, schön für Menschen, welche nicht der rauschenden Freuden, der betäubenden Abwechslung des Faschings bedürfen, um glücklich zu sein.

Wer in sich den Himmel findet kann die Erde leicht verschmähen und wer an Gottes herrlicher Natur seine Freude hat, wer die Musen und die Wissenschaft zu sich zu Gaste bittet, der wird nie, selbst in dem verschneiten Berg­schloß einsam und gelangweilt sein.

Graf Wulff - Dietrich liebte seinen alten Rauenstein im Winter ebenso wie im Sommer und er hatte selten mit einem so nachdenklich ernsten, beinahe tro urigen Gesicht am Fenster gestanden wie heute, wo der Schneesturm einen un­durchdringlichen Vorhang vor Berg und Thal hängte und die dunklen Tannen zur Seite des Schlößchens beinahe zu- sammcnbrachen unter der wetßglitzernden Last ihres Winter­schmuckes.

Wulff-Dietrich hielt einen Brief in Händen und der Inhalt, welchen er schon zum öfteren gelesen, stimmte ihn ganz besonders ernst.

Seine Mutter berichtete ihm über den Hofball, welchen er so unbegreiflicherweise versäumt habe, denn der verstauchte Fuß würde sich doch per Wagen haben transportiren lassen, und seine Pflege dürfte im Elternhause wohl eine sorgsamere sein, als wie in dem alten Krähennest Rauenstein!"

Und dann hatte die Gräfin in geradezu überschweng­lichem Entzücken von Pia berichtet, von ihrer Schönheit, Anmuth und Klugheit, welche geradezu Sensation erregt habe!

Endlich einmal ein. Mädchen mit sechzehn Ahnen, welches nicht allein um dieser willen geheirathet zu werden braucht! Für Pia muß man sich begeistern, und Hartwig ist bereits der Schatten der schönen Schwägerin in spe! Wo bleibst Du, Wulff, um Dir diese Perle zu sichern? Mensch, ahnst Du nicht, was Du Dir eventuell entgehen läßt. Aber ganz abgesehen von ihrer Persönlichkeit, bedenke, mein Sohn, daß Du keine Wahl hast und Pia auf jeden Fall heirathen mußt. Dein Fernbleiben scheint die Nördlingens aber verstimmt zu haben, denn sie haben sowohl meinen, wie Hartwigs Besuch nicht angenommen, und die Eltern markirten recht verschnupfte Stimmung. Das gold­lockige Töchterchen ist unverändert bezaubernd--lieber