Ausgabe 
9.2.1897
 
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Das Haus der Schatten.

Roman von Robert Kohlrausch.

(Fortsetzung.)

Caroline wurde nachdenklich, schob die kupferne Kasserolle bei Seite, an der sie noch geputzt hatte, und wischte sich die Hände an ihrer Schürze ab.Das wäre mich denn doch zwei Mal über 'n Spaß!" sagte sie.Aber Du bist Dich auch man bloß 'ne Bangebüchse, un eh' ich dem Geist nich selber gesehen habe, glaube ich nich an ihm."

Sie griff hinter ihren umfangreichen Nähkasten, der auf dem Küchentische stand, und holte eine weiße Flasche hervor, in der eine goldhelle Flüssigkeit glänzte. Ein starker Spiri­tuosengeruch strömte daraus hervor, als Caroline den Kork herauszog, sich von dem Kinde abwandte und einen tüchtigen Schluck in ihren Mund fließen ließ.Ich trinke ihm nicht vor Plaisirvergnügen, Hanne," sagte sie, indem sie die Flasche an ihren Platz zurückstellte,das mußt Du nich glauben. Sondern vielmehr einmal wegen dem schwachen Magen, dem meine Mutter mich zurückgelassen hat auch Groß­mutter selig hat immer an trockene Kolik gelitten un denn, in so 'ne Lebensmomente, da is mich das 'ne bedürftige Stärkung."

Muß ich auch mitgehen?" fragte Hannchen leise.

Wenn Du Dich alleine hier in die Küche bleiben willst," begann Caroline, doch das Kind ließ sie nicht zu Ende reden. Nein, nein, nicht allein! Ich gehe mit Ihnen und stelle mich hinter Sie und mache die Augen zu- Wenn ich dann so recht bete, nicht wahr, dann thut er mir nichts?"

Beten is gut," sagte Caroline überlegend,aber ob sich einem Geiste viel darum kümmert, das is mich zweifelhaft. Na, vor allen Dingen komm her, un der liebe Gott sei alle Christenmenschen gnädig!"

Dienstag de« 9. Februar,

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enn selber vom Glück getragen, ' Man Andere leiden sieht,

Dann ist es so leicht, zu sagen: Du bist Deines Glückes Schmied!"

Doch wechselt deS Schicksals Waage Und trifft auch Dich das Leid, Dann lautet die lästernde Klage: Das ist der Götter Neid!"

Sie traten vor die Küchenthür hinaus, und in der linken Wand des Corridors, der vom anderen Ende her durch eine kleine Petroleumlampe beleuchtet wurde, zeigte sich die matt erhellte, grünliche Fläche, die das Fenster in der Thür zum Zimmer des Verstorbenen bezeichnete. Offenbar war Licht darin, denn sonst erblickte man nur die spiegelnde Fläche der Scheiben, und nach einem ersten Zögern der Ueberaschung und des Schreckens ging Caroline muthig darauf zu, von Hannchen gefolgt, die angstvoll ihre Hand umklammert hielt.

Die Riffe im Vorhang erlaubten einen Einblick in das Zimmer, freilich nur in beschränktem Maße. Die Farbe des Stoffes tauchte Alles in einen grünlichen Schimmer, und das Gesichtsfeld war klein. Aber doch vermochte Caroline zu erkennen, was ihr die Kniee beben machte: dort am Schreib­tisch, von den Falten des Schlafrocks aus schwarzem Sammet umwallt, saß die Gestalt eines Mannes. Nein, keines Mannes! Der wiedergekehrte Schatten des Verstorbenen war es, der die Stätte seines einstigen Lebens heimsuchte, weil ihm die Ruhe im Grabe versagt war. Sie hatte ihn gekannt und sie erkannte ihn auch jetzt. Von der matten Flamme eines Lichtes beleuchtet, saß er bewegungslos da, den Kopf halb zur Seite geneigt, so daß das Profil vor dem dahinter stehenden Licht einer schwarzen Silhouette gleich sich abzeichnete.

Du lieber Gott," flüsterte Caroline, bei der die Rührung allmälig den Schrecken überwog,es is meinem Herrn, es is meinem armen seligen Herrn!" Die Thränen quollen ihr hervor, so stark und reichlich, daß sie zur Schürze greifen mußte, um ihre Augen zu trocknen. Als sie dann aber wieder aufblickte, war das Zimmer dunkel und die Erscheinung verschwunden. Es schien ihr noch, als schwebe eine schwarze Gestalt zwischen der Thür und der matterleuchteten Fläche des einen Fensters dahin, dann aber war Alles verweht und verstoben. Auch kein Geräusch kam aus dem finster gewor­denen Raume hervor, nur der Wind heulte laut um das Haus.

Die Beiden gingen in die Küche zurück, besprachen wieder und wieder, was sie eben gesehen hatten, Hannchen hatte nur ein einziges Mal die Augen aufgemacht und nichts als den Lichtschein erblickt und redeten sich immer tiefer in eine bebende Angst hinein. Auch die muthige Köchin hatte ihre Fassung verloren und theilte der Kleinen mit, in welcher Tracht sie begraben zu werden wünschte, wenn die Erscheinung Unheil und Tod für das ganze Haus bedeuten sollte.

Nach und nach fanden sich auch die drei übrigen abend­lichen Insassen Ser Küche ein: das Stubenmädchen, der Kutscher und der Diener. Jedem Einzelnen wurde, nachdem