Ausgabe 
8.4.1897
 
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lich auf die Schulter. Wie viel mehr sagte ihr doch diese einfache Liebkosung als alle Worte!

Kaum war man glücklich unter Dach gelangt, als ein Gewitter mit voller Heftigkeit losbrach. In der Kinderstube tranken die Kleinen ihre Abendmilch, welche Christinchen ihnen brachte. Regine stand am Fenster und folgte den zuckenden Blitzen mit den müden Augen. Bei einem besonders heftigen Donnerschlage setzte Hans Max die erhobene Tasse erschrocken hin und klammerte sich an Christinchen:

Höre nur, wie schrecklich das donnert!"

Die Alte nickte bestätigend.Ja, ja, Junkerchen, der liebe Göttchen schilt!"

Weil wir unartig waren?" fragte Karin schuldbewußt.

Regine wußte es besser. Mochte des Himmels Grollen nicht mit mehr Recht der pflichtvergessenen Mutter gelten?

(Fortsetzung folgt.)

Herrschaften und Dienstboten.

Viele mögen wohl glauben, es sei eine höchst überflüssige Sache, nochmals über die bereits vielbesprochene Dienstbotenfrage zu schreiben, und doch ist dem nicht so. Die Oeffentlichkeit findet noch immer viel an dem Verhältnisie zwischen Herrschaften und Dienstboten besonders in größeren Städten auszu­setzen und dank der Preffe, die ja heute ettft Weltmacht ist, wird dieser sociale Mißstand, wie so viele andere, die wie Rechtens ohne Rücksicht ans Licht gezogen werden, nach und nach sich verringern, wenn erst der Sitz des Nebels erkannt und demselben tüchtig zu Leibe gegangen wird. Hört man heute zuweilen von der guten alten Zeit sprechen, so zieht man die Achseln in die Höhe, lächelt ungläubig und denkt mit Recht, daß jede Zeit ihre Mängel ihre socialen Schäden gehabt habe, ebenso wie ihre Vorzüge. Eines aber steht fest, wenn anders wir den mündlichen wie schriftlichen Überlieferungen unserer Vorfahren Glauben schenken dürfen, daß das Verhältniß zwischen Herrschaften und Dienstboten ein besseres, aus­dauerndes, ja in gewissem Sinn innigeres war als heute. Woher diese tiefgreifende Veränderung? Ganz leicht ist die Antwort darauf nicht zu finden, allein es ist unzweifelhaft, daß, wenn zwei auf einander angewiesene Gesellschaftsklassen nicht zufrieden mit einander sind, jede derselben Bedingungen und Ansprüche stellt und erhebt, die der Andere nicht erfüllen kann oder will. Es liegt in der Natur der socialen Verhältnisse, daß ein großer Theil der ärmeren Klassen genöthigt ist, sein eigenes Heim, schon meist in zartem Alter, zu verlassen, sich in fremdem Haushalt jeglicher verlangten Arbeit zu unterziehen, um dafür Kost, Wohnung und Lohn als Gegenleistung zu empfangen. Daß es nicht ganz leicht ist, jeden Tag und zu jeder Stunde dem Willen fremder Menschen unterthan zu sein, bedarf wohl kaum der Erwähnung, und es ist nur recht und billig, daß die, denen das Geschick die Gewalt in die Hände ge­geben, dieselbe nicht mißbrauchen, vielmehr dem minder begün­stigten Nebenmenschen das Joch des Dienens erträglich machen.

Es ist erstaunlich, mit welch vorzüglichen Eigenschaften manche Hausfrau (es sei hier nur von dem Verhältniß zwischen Hausfrauen und deren weiblichem Dienstpersonale die Rede), und sollte sie in dieser Hinsicht bereits reiche Erfahrungen gemacht haben, sich das neu engagirte Mädchen ausgestattet wünscht,' daher kommen selbstverständlich die unangenehmsten Enttäuschungen und beständiger Wechsel, der weder für Frau noch Mädchen eine Empfehlung ist, ist die Folge davon.

Viele Frauen verlangen, daß das Mädchen ohne jeglichen Characterfehler sei: sie soll verträglich, reinlich, fleißig, erfahren in allen Hausarbeiten, moralisch, nachgiebig, gehorsam, anhäng­lich, mitfühlend, ehrerbietig, ja selbst männerscheu sein, kurz eine Musterkarte von allen Tugenden! Hand aufs Herz! Ist das nicht ein wenig zu viel verlangt, werthgeschätzte Frauen, und sind

denn Ihre eignen Töchter, wenn Sie welche besitzen, so muster­haft erzogene Wesen, von denen man trotz ihrer gewiß höheren Bildung nicht einmal solche Vollendung verlangen könnte, wenn dieselben durch irgend ein widriges Geschick gezwungen würden, ihr bequemes Heim zu verlassen und das saure Brod der Dienst­barkeit wenn auch in höherer Stellung, zu essen? Allerdings nimmt man an, daß ein Dienstmädchen drei Cardinaltugenden besitzen soll: strenges Sittlichkeitsgefühl, Gewissenhaftigkeit (die ja auch die Ehrlichkeit in sich schließt) und Gehorsam. Besitzt ein Mädchen dieselben, dann findet sich alles andere von selbst, und eine einsichtsvolle und humane Frau wird die weitere Character- entwickelung ihrer Untergebenen mit Energie und Geduld in die Hand nehmen und gewiß erfreuliche Resultate erzielen. Vor Allem suche sich die Herrschaft die Achtung ihrer Dienstboten zu erwerben. Vielen Dienstboren imponirt freilich schon der äußere Schein, den Rang, Reichthum, schöne Kleider, kostbare Mobilien, glänzende Gesellschaften u. dgl. um manche Familie verbreiten, aber bald wird eine nicht ganz beschränkte Person auch außer der glänzenden Schale auf den inneren Kern achten lernen, d. h. welch ein Ton unter den Familiengliedern selbst herrscht, welche Achtung sie von außen genießen, wie sie sich gegen ihre Untergebenen benehmen u. s. w. Ohne unpassende Vertraulichkeit komme die Frau dem Mädchen freundlich und aufmunternd ent­gegen, versage nicht die Anerkennung für eine gute Arbeit und rüge wohl ernst, auch je nach Umständen strenge die Fehler, doch hüte sie sich, h ein fortgesetztes Nörgeln oder gar unwürdiges Schimpfen zu verfallen, was nur ihr Ansehen schädigen wird. Ebenso wenig zeige die Frau eine launenhafte Veränderlichkeit ihres Wesens: lobe heute nicht übermäßig, und tadele morgen nicht ohne Ursache. Eine Herrschaft, die sich nicht um das moralische, physische oder auch ökonomische Wohl ihrer Unter­gebenen kümmert, ihnen nur Pflichten aufgebürdet, ohne ihre Rechte anzuerkennen, die keine Rücksicht auf körperliche Zustände oder geringere geistige Fähigkeiten nimmt, ihnen nicht reichlich Speise und Trank gewährt, die Arbeitsstunden des Tages häufig noch bis in die Nacht hinein verlegt und ihnen die vorausbedungene kärglich freie Zeit noch abzukürzen sucht solcher Herrschaft, deren Einsicht, Gerechtigkeit und Menschenge­fühl in sehr trübem Lichte erscheint, gehört von Rechtswegen qar kein Dienstbote und sie sollte ihre Arbeit selbst verrichten.

(Schluß folgt.)

Hninsvistisches.

Gut gewählter Vergleich. Bekannter Millionär (zu einem Bettler):Machen Sie, daß Sie fortkommen, aber augenblicklich, sonst lasse ich Sie hinauswerfen!" - Bettler

Na, na, Männeken, man nich so heftig! Der ;anze Unter­schied zwischen Sie un mich besteht doch man blos dadrm, det Sie dabei sind, Ihre zweete Million zu machen, un xa arbeete noch an meine ersckte."

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Bedingte Großmuth. Soldat:Ich bitte um einige Tage Urlaub." Wachtmeister:Unsinn, giebt r nid)t!" Soldat:Herr Wachtmeister, für jeden Tag eme fette Wurst!" Wachtmeister:Gut, wie viel Tage? Soldat:Zehn." Wachtmeister:Unsinn, nehmen S zwanzig, damit's lohnt." * *

Lohn und Strafe. Vater:Karlchen, wenn Du heut' schön brav bist, darfst Du die Kisten auspacken- wenn Du aber bös bist, mußt Du sie auspacken/

* *

Aus dem Examen. Professor:Sagen Sie mir, aus wie viel Theilen besteht das preußische Landrecht? Candidat:Ja, das ist verschieden, je nachdem man 1)

einbinden läßt!"

Redaction: 8L Echeyda. Druck und Vertag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und

Siemdruckerei (Pietsch L Sch-Yd») in Gieß-«.