Ausgabe 
5.10.1897
 
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LU as Glück ist ein Gast von wenig Rast.

Hat einer etwas dumm gemacht, Kannst Dn darüber dann nur lachen, Wenn Du es schon bewiesen hast, Daß Du weit besser es kannst machen.

Der Majoratsherr.

Roman von Nataly v. Cschstruth.

(Fortsetzung.)

Wer sind die Herren, die das Mahl mit uns theilen tüctbcn

© gnädigste Gräfin sehr feine, sehr anständige Herren, nur Honoratioren der Stadt ! ®a, ist der Herr Assessor Bärning früher in den größten Städten gewesen, der Vater sogar Geheimrath dann der Herr Apotheker ein sehr vermöglicher Herr, dem das große Eckhaus drüben am Markt gehört dann der Herr Kreissyndicus, dessen Mutter sogar vom Adel gewesen, der Auditeur ...

Schon gut! schon gut! Das sind ja höchst re>pectable, ehrenwerthe Herren, mit 'jenen zu speisen ein Vergnügen und ein Vorzug ist, - wollen Sie das den Herren bitte sagen! und uns an ihren Tisch plaeiren, wir kommen sofort!"

Herr Simmel stolperte über die Schwelle zuruck, wie betrunken vor Entzücken. Athemlos kam er in die Gaststube und richtete seinen Auftrag aus:Der Herr Graf und die Frau Gräfin werden hier unten bei Ihnen speisen!

Wie eine Bombe wirkten diese Worte. Der Assessor bekam zwei rothe Flecken auf die Wangen, und sprang empor. Noch zehn Minuten warten! ich muß Toilette machen, wenn wir Damenbesuch erhalten" schrie er und stürzte wie ein Blutvergießen aus dem Zimmer. Ihm nach in wilder Eile die anderen Herren, welche nicht hinter dem tonangebenden Genossen zurückstehen wollten.

Fräulein Clärchen deckte währenddessen den Tisch neu um, lauter frische Wäsche, obwohl es unter Frau Marthes Seepter überall sauber aussah. Sogar ein Strauß von frischem Tannengrüu und Ephen schmückte die Tafel.

Endlich erschienen die Herren wieder auf der Bildfläche,

pomadisirt, rasirt und sonntäglich gekleidet. Der Assessor trug die goldene Uhrkette mit den vielen Berl- ques und den Diamantring am kleinen Finger, der Apotheker hatte über die linke Hand einen Handschuh angezogen, weil er einen schlimmen Finger hatte und der Lappen darum ihm nicht fein genug deuchte. Man stand voll feierlicher Spannung und erwartete die hohen Gäste. Endlich rauschten die seidenen Röcke auf der steilen Holztreppe. Am Arm ihres Gatten betrat die Gräfin das Speisezimmer. Ohne Pelz und Hut sah sie noch schöner aus und dem Assessor wallte das Blut zum Herzen, wie von süßer Erinnerung an bessere Zeilen an eleetrisches Licht, Professoren­bälle und den ganzen Zauber großstädtischer high hfes!

Die stahlblaue, schwere Seide umspannte tadellos die schlanke und doch üppige Figur, die blonden Haare schimmerten matt über der weißen Stirn, und wenn auch das Gesicht bei näherer Betrachtung nicht sehr frisch und nicht regel­mäßig oder anziehend in seinem Ausdruck war, so wirkte es doch geradezu verblüffend vornehm.

Diese letzte An war auch dem Grafen in hohem Maße eigen. Er sah aus wie ein Diplomat. Im Grunde genommen schienen seine Züge und Augen kalt, berechnend, seelenlos wie ein Stein, aber wenn er mit seiner lei en, ein­schmeichelnden Stimme sprach, legte sich das farblose Gesicht in die liebenswürdigsten Falten, und es hatte geradezu etwas Berauschendes, wenn dieser sichtlich sehr verwöhnte, kluge Mann voll gewinnendster Höflichkeit die Meinungen seiner Tischgenossen anerkannte und jedem der Herren etwas An­genehmes zu sagen wußte. Sein Haar war leicht ergraut und schon etwas gelichtet, aber der Schnurrbart noch tief­schwarz und auf das Eleganteste gekräuselt, das machte ihn interessant. Schmale, bleiche Hände mit langgebogenen Nägeln verriethen den Aristokraten. Die Gräfin war steifer und einsilbiger wie ihr Mann, aber sie ward lebhafter, als ihr Nachbar, der Assessor, alle alten Künste des Courmachens heraufbeschwor und die schöne Frau in allen Tonarten an­schmachtete.

Ein paar Mal stand ihm schier das Herz still, in süßer Wonne, als Frau Melanie in ihrer nachlässigen Weise ein ganz klein wenig mit ihm kokettirte und als sie schließlich einen Apfel schälte, ihn mit den diamantglitzernden Händchen graziös zertheilte und den Teller bei den Herren in die Runde schickte, wäre wohl ein Jeder für sie durch das Feuer gegangen.

Namen und Wohnort hatte man noch nicht erfahren und wagte es auch selbstverständlich nicht, zu erforschen.