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selbst ein Schmeichler ist? Nun will ich singen!" und nach einer kühlen Verbeugung gegen ihn begab sie sich zum Clavier.
Sie müßte kein Weib gewesen sein, wenn die Auszeichnung durch einen mächtigen Fürsten, den der Hof feierte, sie ohne Eindruck hätte lassen sollen,- gleichzeitig aber stachelte die Annahme, daß der Nabob sie zum Gegenstände einer spielerischen Schmeichelei machen wolle, ihren Stolz auf. Es befriedigte sie und genügte ihr, daß man sie als ein Glied der guten Gesellschaft behandelte. In diesem Bewußtsein kehrten ihre Gedanken lebhaft wieder zu Arno Fendler zurück, und nur mit Mühe unterdrückte sie in ihrer Seele den innigen Wunsch, daß er eines Tages kommen und seine Werbung um sie erneuern möge.
Am folgenden Tage überbrachte ihr der greise Geheimschreiber des Rajah mit demüthiger Höflichkeit auf Befehl seines hohen Gebieters, mit einer achtungsvollen Begrüßung, ein kostbares Perlenhalsband mit großen vielseitig geschliffenen Diamanten. Bella betrachtete einen Moment bewundernd die prachtvolle Gabe, dann reichte sie dieselbe zurück.
„Ich kann das nicht annehmen," erklärte sie mit ruhigem Ernst. „Es ist sehr gnädig von Ihrem hohen Gebieter, aber eine solche Aufmerksamkeit ist zu kostbar, als daß man sie ohne Bedeutung machte."
„Mein Fürst ist ja so reich," erwiderte der Beamte- „er kann tausende solcher Geschenke machen, als wären es einfache Rosenknospen."
„Dann gießt er sie wohl den Hunderten seiner Frauen, die, so viel ich gelesen habe, den Hausstand orientalischer Fürsten bilden," versetzte Bella, nicht ganz frei von Neugier.
„Mein Gebieter hat kein; einzige Frau, sein Senana ist leer!" versicherte der Geheimschreiber.
Bella blieb indessen beharrlich bei ihrer Ablehnung, und mit betrübtem Gesicht, betheuernd, daß er sich gewiß die Ungnade des Rajah zuziehe, entfernte sich der Ueber- bringer.
Bald darauf trat Lady Agnes freudestrahlend zu ihrer Gesellschafterin.
„Sehen Sie, Liebe, welch prachtvolles Präsent mir der Rajah gesandt hat!" rief sie aus und zeigte einen demjenigen ganz gleichen Schmuck, den Bella zurückgewiesen hatte.
„Ich sollte vorhin einen eben solchen Schmuck erhalten," sagte Bella, „doch mußte ich ihn dankend ablehnen."
Einen Augenblick war Lady Agnes über die Mittheilung frappirt, dann gewann sie ihre Unbefangenheit wieder.
„Daß der Nabob gleich zwei solcher Geschenke machte, beweist, wie reich er ist!" sagte sie. „Und Sie sind so thöricht gewesen, es zurückzuweisen?"
Bella zuckte die Achseln.
„Ich kenne die Absichten dieses Krösus nicht."
„Ich aber kenne sie!" versetzte Lady Agnes eifrig.
„Wissen Sie, daß der Rajah bis zum Wahnsinn in Sie verliebt ist? Das hat er mir sub rosa gesagt! Er wäre im Stande, sein Reich mit Ihnen zu theilen. Ich an Ihrer Stelle ging muthig mit ihm nach Indien. Er ist ja ganz civilisirt."
„Nie, nie werde ich nach Indien gehen!" entgegnete Bella entschieden. „Und ich bedarf einer solchen Bewerbung nicht."
„Ah, ich verstehe!" versetzte die Lady lächelnd.
„Ihr Herz ist bereits engagirt! Aber warum kommt der Mann, dem Sie sich ergeben, nicht und macht Sie frei aus dienender Stellung? Denn eine dienende Stellung ist es doch! Ist er arm?"
„Bitte, Mylady, dringen Sie nicht in mich!" bat das junge Mädchen abwehrend.
„Gewiß nicht, Liebe! Ich achte Geheimnisse des weib, lichen Herzens- doch will ich nur wünschen, daß Ihr teutonischer Stolz nicht getäuscht wird! Männer täuschen oft genug. Ueberlasfen Sie sich nicht zu sehr den Illusionen der Jugend, sonst ist die Ernüchterung allzu schmerzlich."
Damit ruhte das angeschlagene Thema. Durch den
Hinweis auf Bellas dienende Stellung und schwache Aussichten war diese herb gestimmt worden. Ihr Selbstgefühl war tief verletzt, und der ganze Trotz ihres Wesens wurde lebendig. Der Rajah machte wiederholt Besuche im Hause der Lady Agnes, aber geflissentlich vermied es Bella, in ein Zwiegespräch mit ihm zu kommen.
Der Mensch denkt, die Vorsehung lenkt, oft genug zu ungeahnten Verhängnissen. Oberst Colt trat eines Tages in das Boudoir seiner Gemahlin und theilte ihr mit, sein ganzes Vermögen sei durch ihr verschwenderisches Gebühren aufgezehrt, er stehe am Rande des finanziellen Abgrundes und habe sich zum Dienste in Indien gemeldet. Schon in allernächster Zeit werde er sich in Sherneß mit einem nach Indien gehenden Regiment einschiffen. Er stellte Lady Agnes frei, mit ihm zu gehen oder in England zu bleiben. Es gab eine heftige Scene, die Lady aber sah, daß ihre glänzende Rolle ausgespielt war.
„Eine nette Wahl, die dem Zwange gleichsieht!" ries sie verzweifelt. „Was soll ich in England ohne Reichthum? Mich demüthig verstecken? Also was bleibt mir übrig, als den Trümmern meines Glückes den Rücken zu kehren und mit Dir als arme Soldatenfrau nach dem verhaßten indischen Bratroste zu gehen?"
Eine Stunde später machte sie ihrer bestürzten Gesellschafterin die Mittheilung, daß sie ihren Hausstand auflöse und der Dienste Bellas nicht länger bedürfe. Ihr Gemahl sei nach Indien commandirt, wohin sie ihn begleite.
Ein Blitz aus heiterem Himmel, der Bella mit heftigem Schlage traf! Nun wurde sie abermals auf den ungewissen Kampf um's Dasein angewiesen! O, wenn jetzt der geliebte Mann gekommen wäre, um sie von der Pein der Lebensnoth zu erlösen! Aber er wanderte ja höchst wahrscheinlich noch in den unwirthlichen Zonen des schwarzen Erdtheils und sie selbst hatte ja den Pfeil der Entsagung in seine Brust gedrückt ! Während sie noch über neue Schritte zur Aufsuchung einer Stelle nachsann, ließ sich ihre frühere Wirthin Mrs. Smith bei ihr melden und überbrachte ihr einen Brief mit dem Poststempel Hainburg. Bella erkannte an der Aufschrift die etwas ungelenkige Hand ihres ehemaligen Kammermädchens Sally. Nachdem sie die Ueberbringerin belohnt hatte, zog sie sich in eine stille Nische ihres Zimmers zurück, um Sallys Schreiben zu lesen. Sally hatte Bella viel geschrieben und wunderte sich über den glatten, unterhaltenden Stil. Ein anstelliges Mädchen war diese immer gewesen, aber eine solche Gewandtheit im Schreiben hätte sie ihr nicht zugetraut. Daß das Mädchen, infolge eines kleinen Kunststückes der Cabinets- räthin Müller, geborenen von Hertzberg, in deren Dienst getreten war, stand nicht in dem Briefe- ebensowenig, daß ihre neue Gebieterin ihr den ganzen Brief dictirt hatte. Für eine Verrätherin hielt Sally sich im Grunde nicht, aber sie wußte doch, daß ihre Gebieterin eine Feindin von Bella Kranzler gewesen war und deshalb scheute sie sich, über ihre neue Dienststellung Mittheilung zu machen. Daß die listige Dame sie als Werkzeug einer boshaften Jntrigue benutzte, dafür hatte sie keine Verständniß. „Ich hindere Dich durchaus nicht, Deiner früheren Herrin Anhänglichkeit zu bewahren," hatte sie scheinbar gütig zu Sally gefaßt; „sie ist jetzt im Unglück, da muß man Mitleid mit ihr haben. Schreibe ihr also immerhin! Aber Du bist am Ende nicht sehr geschickt mit der Feder- komme, ich werde Dir helfen und den Brief biedren!"
Plötzlich, mitten im Lesen von allerlei Klatsch, erblaßte Bella und ihre Hand begann zu zittern. Da stand, anscheinend ganz harmlos: „Viel Neues, was Sie interessiren könnte, ist bei uns nicht passirt, daß Herr Arno Fendler, sammt Ihrem Herrn Bruder, von seiner Afrikareise heimgekehrt ist und sich verlobt hat, werden Sie wohl schon erfahren haben. Seine Brant, Röschen Pfeil, das Moosröschen, wie sie hier wegen ihrem vielen (Selbe genannt wird, kennen Sie ja auch. Die Verlobung ist ja auf Herrn Feudlers


