so zutraulich, so lieb, so nett, - hätte ich das gewußt, hätte ich darauf gedrungen, daß mir mein Mann zwischen der standesamtlichen und kirchlichen Trauung einen Canarien- vogel gekauft hätte. Oder vielleicht als Hochzeitsgeschenk meiner Schwiegermutter, — da wär' die billig weggekommen.
Kurz und gut, der Bogel und ich waren bald die besten Freunde. Ich redete ihm gut zu, — er that den Schnabel nicht auf- ich erzählte ihm, daß er nur unter der Bedingung gekauft sei, daß er Früh, Mittags und Abends mit einem niedlichen Singsang aufzuwarten habe, — er blinzelte mich vergnügt an und schleuderte mit kräftigem Schnabelhieb eine Wolke leergefressener Mbsenschalen ins Zimmer. Ein Ton war nicht aus ihm herauszukriegen.
Wir hielten Familieneonferenzen ab, ich wandte mich an meine beste Freundin, mein Mann sicherte mir jeden Tag zu, er werde morgen den Thierarzt mitbringen, — dem Bogel war das vollkommen gleichgültig, er fraß und — sang nicht. Aber lieb war er, zutraulich, beinahe aufdringlich, er zerzauste mir das Haar und — — —, ich habe daS vor meinem Mann nie sehen lassen, — er küßte mich. Wahrhaftig, er setzte sich auf die Schulter und wartete nur auf den Augenblick, in welchem meine Lippen unbeschäftigt waren.
Zwei Verliebte! Der Vogel in mich und ich ... .?
Da kam 'mal mein Schwager zum Mittagessen. Wir saßen eben beim „Nachtisch mit Knackmandeln und Apfelstrudel". Es war später geworden denn sonst und deshalb glaubte ich, der Bogel würde jetzt anfangen, sich auSzuschlafen. Aber plötzlich — schwirrrr — saß er auf meiner Schulter, im nächsten Augenblick auf dem Tisch, da pickte er Brotkrumen auf und dann unternahm er einen Angriff auf das Apfelgebäck.
„Habt Ihr denn auch so'n zahmes Canarien-Mädchen?" fragte mein Schwager. „Wenn die erst mal alte Jungfern sind, dann sind sie geradezu aufdringlich."
„Ich muß sehr bitten," fiel ich ihm ins Wort, „das ist weder ein Canarien-Mädchen, noch eine alte Canarien- Jungfrau, das ist ein Canarien - Herrchen, wie er im Buche steht."
„So, Jo," meinte mein Schwager nachdenklich, „das glaube ich nicht so recht. Ein Canarien-Herrchen — singt er denn?"
Diese Frage brachte mich etwas in Verlegenheit. „Nein," erklärte ich dann schlankweg," „der Bogel hat noch nie gesungen, 'ne Indisposition, man kann ja nicht wissen ...."
Da kam das Thierchen schon wieder angeflattert und ließ sich dicht vor meinen Schwager nieder. Der betrachtete genau das Gefieder, die Augen, den Kopf. „Das ist 'ne „Sie," erklärte er dann mit tödtlicher Sicherheit, — „so faul, so dumm, so gefräßig ist ein Männchen nie."
„Ich will von den anderen Eigenschaften dieses Thieres ganz absehen," mischte sich mein Mann ins Gespräch, „aber ich bin auch der Ueberzeugung, daß das was Weibliches ist, denn . . .
„Piep, piep," — machte da der Bogel mit heiserer Stimme,--der erste und der letzte Laut, denn ich von
ihm gehört habe.
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Seit langen Jahren ist die Canarienvögelin meine Familiengenossin. Ich habe nicht zugegeben, daß man sie in eine „Hecke" steckt. Ich Haffe jeden Zwang und will auch meine Thierchen zu einer Ehe nicht zwingen.
„Jetzt ist meine „Sie" in die „Mauser" gekommen. Schwanzfedern, — pfutsch, — rechte Flügelschwinge, — pfutsch, — Kopftolle, — pfutsch. Von Federn ist bald an dem ganzen Thier nichts mehr dran.
Ich werde verspottet ob der sorgfältigen Pflege, die ich meinem Gelblinge angedeihen lasse.
„Himmel," sagte mir gestern ein Herr von der geschäftlichen Facultät meines Mannes, „so was halten Sie im Käfig? Das hat ja überhaupt keine Federn mehr —."
Und ein Anderer mischte sich sofort ein: „Ich würde, gnädige Frau," meinte er bedächtig, „nicht Frösche fangen, die nackt ausziehen, und dann ins Vogelbauer setzen. Ein Frosch ist doch noch kein Canarienvogel, am allerwenigsten eine Canarien-„Sie"!"
Dem Menschen habe ich gar nicht geantwortet, — aber wenn ich auch Zeit meines Lebens den Gesang eines Canarienhahnes vermissen sollte, ich bin schon zufrieden mit meiner „Sie"!"
Gemeinnütziges.
Geflügelzucht. Wenn die warme Witternng zunimmt, so muß den Hühnern genügend Grünzeug gegeben werden. Die Ställe des Geflügels sind gut zu lüften und ganz besonders rein zu halten, da bei zunehmender warmer Witterung Ungeziefer leichter entsteht und sich rasch vermehrt. Die Märzkücken, welche jetzt nach dem Geschlecht gesondert werden, eignen sich am besten zur Zucht, denn sie legen frühzeitig, die späteren verwende man zum Schlachten. Hühner sind jetzt auf Krätzbeine zu untersuchen. Junge Enten läßt man jetzt nicht mehr ausbrüten. — Den Canarienbruten ist die größte Aufmerksamkeit zu schenken. Die früh eingerichteten Hecken können jetzt, nachdem die dritte Brut beendet ist, aufgehoben werden. Die fremdländischen Vögel nisten im größten Eifer, es ist auch für die zarten Arten jetzt der glücklichste Monat, um die Jungen aufziehen zu können. Gedörrte Ameiseneier werden in Vorrath beschafft.
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Dar beste Mastfutter für Truthühner ist grob ge- schrotener, in Magermilch geweichter Mais. Mehl von Bohnen, Gerste, Buchweizen, ungekochte Kartoffeln, zu einem lauen Brei vermischt, sind auch recht dienlich. In den letzten Wochen stopft man den Thieren außer dem freiwillig genommenen Futter noch täglich einige Nudeln von Gerstenmehl oder gekochtem ganzem Mais ein.
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Sauerampfersuppe. Vorzugsweise ist der Sauerampfer als Gemüse und Suppenkraut in Frankreich beliebt, wo man seinen erfrischenden, angenehmen Geschmack sehr zu schätzen weiß. Gleich dem Spinat ist der Sauerampfer am besten im zeitigen Frühjahr. Zu einer wohlschmeckenden Suppe Pflückt man drei reichliche Hand voll von den Stielen, wäscht die Blätter gut, läßt sie trocken ablaufen, dünstet sie mit Butter in ihrem eigenen Saft weich, streicht sie durch ein Sieb, vermischt sie mit zwei Löffeln Mehl, gießt zwei Liter kräftige Fleischbrühe an, kocht die Suppe unter fleißigem Umrühren kurze Zeit durch, würzt sie mit Salz und einer Messerspitze Muscatnuß und richtet sie über gerösteten Weckwürfeln an.
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Gedämpfter Häring. In einer genügend großen Bratpfanne macht man Backfett heiß, legt ein großes Stück Pergamentpapier hinein, auf dieses die vorbereiteten Fische und schlägt es über den gesalzenen Häringen zusammen, so daß sie ganz davon eingehüllt sind. Man stelle die Pfanne in einen Backofen und bäckt die Fische 10 bis 15 Minuten. Jndeß röstet man Mehl in Butter gelb, verkocht dies mit leichter Fleischbrühe, etwas Weißwein und Citronensaft zu seimiger Sauce, fügt eine Messerspitze Fleischeptract hinzu, würzt mit Paprika und gewiegter Petersilie und läßt in ihr die aus dem Papier genommenen Häringe noch einige Minuten dämpfen. Sie werden mit Salzkartoffeln gereicht.
Redaktion: 8L Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen llniversitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Schcyda) in Hiejen.


