Ausgabe 
31.10.1896
 
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et!"

Meiner Treu! Denn was mir seine Miene und mein Spürsinn nicht verräth, das sagt er mir selber wenngleich auch ohne Bewußtsein."

Wieso?"

Nun, er spricht im Schlafe, und besonders am Morgen, wie es scheint. Wenn ich leise eintrete, Feuer zu machen, höre ich gewöhnlich von ihm, was er am Abend zuvor er­lebt hat."

Schlimm genug für den Herrn Attach« denn Sie scheinen mir ein Schwätzer zu sein, Musjöh!"

Ach, da müßt' ich bitten, Fräulein Barbara! Wenn ich von dem, war ich von ihm höre, Gebrauch machen wollte, so geschähe es nur zu seinem Besten. Mein Herr ist näm­lich in gewiffer Hinsicht ein Bischen schüchtern, wenn ich so sagen soll. Er hat sich, soweit ich ihn kenne, nie was Be­sonderes aus den Frauenzimmern gemacht. Ich glaube, er ist daher nicht im Stande, mit der wünschenswerthen Rasch­heit auf sein Ziel loszugehen, wenn sein Herz doch einmal eine Wahl getroffen hat."

Da hätten Sie ihn vielleicht unterrichten können, wie?"

Fräulein Wetti, ich möchte von Ihnen nicht gerne ver­kannt sein. Ich bin kein Don Juan, wie man da» nennt, aber an der nöthigen Keckheit würde es mir wohl auch nicht mangeln, wenn ich einmal mit einer ernstlichen Herzentzündung umgehen sollte."

Ja, das glaub' ich Ihnen."

Und wer weiß, ob sich nicht einmal eine Gelegenheit fände, meinem Herrn in einer ähnlichen Sache zu Hilfe zu kommen."

Ignaz blickte das Mädchen dabei mit einem so schalk­haften Augenblinzeln an, daß die Kleine abermals lächelte.

Sie thun ja gerade so, al» befänden Sie sich schon mitten in einer solchen Gelegenheit, Herr . . ."

»Ignaz heiß' ich oder wenn Sie wollen: Nazi; da» würde ich au» Ihrem kleinen Munde besonders gern hören-"

Gehen S' weiter, Sie Süßer!" wehrte die picante Wienerin kokett ab.

Also hören Sie! Ich hätte wirklich Lust, Herrn v. Fröden zn zeigen, daß ich mich auf noch mehr verstehe als aus's Rafiren und Stiefelputzen. Ihre Gnädige, das muß ein wahrer Ausbund von Liebenswürdigkeit fein, denn mein Herr scheint sie gestern doch zum ersten Male gesehen zu

Gräfin."

So so ein Graf?" m

Graf Norbert v. Degenstein. Da» ist ein schöner Name, nicht wahr?" , l

Hol' ihn der Teufel! Diesen Grasen Degenknops liebt sie also, Ihre Gnädige?" r

Bärbchen überlegte eine Weile, ehe sie sich zu der stolzen Mittheilung entschloß:

Wir lieben überhaupt keinen Mann."

Sie auch nicht, Fräulein Wetti, Sie wirklich auch nicht?

Keine Seitensprünge! Jetzt reden wir von Fräulein Adele. Und da will ich Ihnen meinetwegen gestehen, daß ihre Verbindung mit dem Grasen keine Liebe»heirath sein wird. Ich glaube, sie nimmt ihn nur, weil ihre Mutter e, will. Na ja, sie kann ja doch nicht so, wie sie eigentlich möchte am liebsten wäre sie ja Malerin; und ihr liegt jetzt vor Allem nur daran, au» diesem Hause fortzukommen, wo ihr die gnädige Frau Mama manchmal da» Leben recht sauer macht, und dazu ist ihr der Degenstein noch der An- nehmbarste. Ueberdie» war ja seine erste Frau einst ihre intimste Freundin."

War. der Gras war schon einmal verheiratet?

Er ist seit füns Jahren Wittwer."

Et der tausend! Und Baroneß Adele war die Freundin der verstorbenen Gräfin?" ,

Ja, aus dem Pensionat her. Denn, als die Eine eben heirathete, scheint man sich mehr aus den Augen gekommen zu sein. Die Gräfin war aber nicht gerade glücklich in ihrer Ehe, wie man sagt; der Gemahl war ein lockerer Cumpa«, ein Verschwender ..." ,, ,,

Und trotzdem entschloß stch Ihr Fräulein, seine zweite Frau zu werden?"

Ah, jetzt ist der Mann solide geworden, das weiß man! Und überdies ist Fräulein Adele der Meinung, daß auch das Meiste, was man von seiner schlimmen Ehe erzählt, nur Verleumdung ist. Gewisse Leute ärgern stch, daß der Grat seine Frau sie war eine Bürgerliche, aber ungeheuer rech beerbt hat und denen nicht Recht ließ, die da behaupteten, er werde mit dem Vermögen in ein paar Jährchen fertig sei«. Meine Baroneß trotzt allen Klatschereien, und ich fllau« wirklich, je mehr man ihr von dem Grafen abrathen würde, um so fester würde ihr Widerspruchsgeist auf der Verbindung bestehen. Sie ist eben eine aparte Natur, immer ganz andere als alle Welt. Mein Geschmack wäre der Graf allerding auch dann nicht, wenn es ausgemacht wäre, daß er eine Frau auf Händen trägt." , ,

Da hätten Sie also nichts dagegen, wenn äus d-r Heirath nichts würde? Famos I Ich hoffe, daß es doch JJ Mittel geben wird, die Baronesse von ihrem SntsM' abzubringen. Eine Ehe ohne Liebe kann nicht gut tyu«, daß weiß ich bestimmt!" . r

Nun ja, aber gesetzt auch den Fall, daß die Verlobung

haben und schon ist er . . . Können Sie reinen Mund halten? mein Herr ist in Ihre Baroneß bis über die Ohren verliebt - auf Ehr' und Seligkeit! Ich hab's heute srüh raus- gekriegt, und als er mir dies Album übergab, da «ar ich larüber völlig im Klaren. Wie wär's also, wenn Sie Ihre Vertrauensstellung bei dem Fräulein dazu benützen würden..."

Ihr da» zu sagen?" fragte Wetti entrüstet.

Gott bewahre 1 Aber auszukundschaften, ob mein Herr nicht Hoffnungen hätte ..." t .

Nein, Herr Ignaz," fiel die Zofe da schroff ein: mein Fräulein ist Braut."

Nazi prallte sörmlich zurück. n

Donnerwetter!" Nach einer keinen Weile strahlte aber

sei« verblüfftes Gesicht wie unter einer inneren Erleuchtung. Ah, jetzt begreife ich erst ganz und gar . . .! Darum seufzt mein armer Attache so herzbrechend und ist niedergeschlagen und launenhaft . . . O Gott! Diese Baronesse! Also wirk­lich verlobt rettungslos verlobt?"

Im Herbst ist die Hochzeit. Wir heißen dann Frau

das Päckchen in Empfang zu nehmen. Aber Ignaz wollte die Aussicht auf eine längere Unterhaltung mit demreizenden Käfer" nicht so leicht aufgeben.

Nein, sehr verehrte Fräulein Babette oder Wetti, da» geht nicht so einfach. Ich habe den Auftrag, da» Ding der Baronesse selbst oder nur einer dlrecten Vertrauensperson der Dame auszuliefern."

Das bin ich," entgegnete die Kleine schnippisch.Das Fräulein hat kein Geheimniß vor mir."

Ach! allen Respect! Da kennen Sie sie also sehr genau?"

Ich denke. Ich bin schon vier Jahre bei ihr."

Das Fräulein muß sehr interessant sein ; . ."

Zu gütig. Woraus schließen Sie dar? Kennen Sie sie denn?"

Noch nicht, aber mein Herr, der Gesandtschaftsattach« Emmerich v. Fröben. Sehen Sie, bei dem nehme ich auch eine vollkommene Vertrauensstellung ein; ich war ihm schon zugethan, als ich noch Friseurgehilfe war und ihn in dieser Eigenschaft bedienen mußte. Dann, beim Militär, war er Offizier in meinem Regiment, ich trat als Bursche bei ihm ein, und als wir Beide unseren Abschied nahmen, folgte ich ihm auch auf der diplomatischen Laufbahn."

Jetzt hatte Fräulein Wetti die Gewogenheit, über den munteren Burschen zu lächeln und ihren Ton etwas sreund- licher zu stimmen.

Der Attache ist also ein angenehmer Herr?"

Oh, ein lieber Kerl, sag' ich Ihnen! Für den ging ich durch Feuer und Wasser! Und ich kann wahrhaftig auch sagen, daß er kein Geheimniß vor mir hat."