Ausgabe 
31.12.1896
 
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Apfelwetubowle. Von vielen Kennern wird der Apfelwein zur Bereitung von Bowlen dem Moselwein oder anderen leichten Weinen vorgezogen, weil hierbei das feine Fruchtaroma und die angenehme, durch den Zusatz von Zucker gemilderte Fruchtsäure so recht zur Geltung kommt. Eine vorzügliche Bowle von Apfelwein bereitet man, indem man /j bi» 8/i Wund Zucker in 3 Liter Apfelwein auflöbt, den Saft einer Apfelsine hinzufügt und das Ganze einige Minuten bedeckt ziehen läßt. Kurz vor dem Servirsn gießt man noch zwei Flaschen Selterswasser hinzlu

Rirrder-Coteletts auf Wiener Art. Aus einem Rippenstück werden 3 bis 4 zwei Finger dicke Scheiben ge­schnitten und, nachdem der Knochen ausgelöst ist, mit der flachen Seite des Hackmesser» breit geklopft. In Mehl gewälzt, mit Pfeffer und Salz bestreut, brät man sie in einer Eier- kuchenpfanne mit Butter schnell auf beide« Seiten braun, legt sie in einen breiten Topf nebeneinander und füllt soviel mit Liebig« Fleisch-Extract hergestellte Brühe darüber, daß sie von von dieser bedeckt sind. Weiter fließt man einige geschnittene Zwiebeln, Wurzelwerk nebst einem Peterstlienbündel hinzu, schließt den Topf und läßt die Coteletts langsam dämpfen. Sobald sie weich find, nimmt man sie au« dem Fand, entfettet denselben und verkocht ihn mit Mehl, einem Glase Weißwein, einigen Löffeln voll Kapern und Liter guter, saurer Sahne zu einer seimigen Sauce, mit der die in Scheiben tranchirten Coteletts, von einem Kranze gebratener Kartoffeln umgeben, angerichtet werden.

Um das lästige Ausdünsten der Vogelkäfige zu verhiuderu, streue ich auf den Boden zuerst eine Schicht Gpps und darauf den Sand. Dieser Verfahren hat sich auch bei Hühnerställen und Taubenschlägen vorzüglich bewährt. Zugleich erhöht es auch den Werth de» Düngers.

Eiu altes, aber sehr gutes Reeept zur An­fertigung einer Geschirr» und Lederschwärze ist folgende»: Hammeltalg 60 Gramm, Bienenwachs 180Gramm, weißer Zucker 180 Gramm, weiche Seifen 60 Gramm, ge« pulverter Indigo 30 Gramm. Ist Alles zusammengeschmolzen und gut durcheinandergemischt, so fügt man 120 Gramm Terpentin hinzu.

Verhaltungsmaßregeln für den Winter. Eine immer winterlichere Beschaffenheit nimmt das Wetter an, und immer gemüthlicher wird es am warmen Ofen im Zimmer. Aber gerade, wenn die Zimmertemperatur wirklich gemüthlich und auch gesund erhalten werden soll, dann ist es nöthig, die Befolgung zweier Regeln sich zur Pflicht zu machen: Erstens nicht zu viel zu Heizen, und zum andern die Wohnung oft, womöglich ständig, zu lüften. Die Zimmerwärme soll nie 15 Grad übersteigen; eine Wärme von 14 bis 15 Grad ist für Jedermann ausreichend. Was darüber ist, das ist vom Nebel. Sodann, das ist die andere Bedingung des Wohlbefindens, sorge man für genügende Zufuhr von frischer, reiner Luft, indem man ein oberes, kleines Fenster dauernd offen hält oder doch öfter des Tages die Luft im Zimmer erneuert. Es ist sehr empfehlenswerth» bei neben einand er liegenden Wohnräumen die Zwischenthüren ständig offen zu lassen, um die Zimmer gleichmäßig warm zu bekommen. Auch in dem Schlafzimmer halte man die Fenster den Tag über offen, und wenn man, was sehr empfehlenswerth ist, zwischen Schlaf« und Wohnzimmer de» Nachts die Thüre offen läßt, dann lüfte man das Wohnzimmer, ehe man zu Bette geht, noch einmal recht gründlich. In einem kühlen, gut gelüfteten Schlafzimmer ist der Schlaf doppelt erquicklich und gesund. Man braucht kein Abhärtungsfanatiker zu sein; man bewahre aber stch und die ©einigen vor Verzärtelung und Verweichlichung; denn das ist der beste Schutz gegen da- leichte Erkälten und gegen Krankheit.

Moderne Erziehung. Mutter:O glauben Sie, mein bester Herr von Tann, was meine Clementine alles kann, da« ist enorm - ich sag es ohne Prahlen! Fürs erste kann ste singen, fechten, malen, kann dichten, rudern, spielt auch gut Clavier, fitzt stolz im Sattel wie ein Cavalier, und kann auch sieben Sprachen fließend sprechen!" Herr von Tann:Sonst hat das Fräulein weiter kein Gebrechen?"

Passender Name. Bummel:O, diese herrlichen Römerhelden! Schade, daß mir mein Alter nicht irgend einen altrömischen Namen gegeben hat!" Spund:Zum Beispiel Pumpejus, nicht wahr?"

Offenes Geständniß. Erster Kannibale:Du kriegst jetzt doch einen Europäer zum Schwiegersohn, vor fünfundzwanzig Jahren haben wir diese Kerls alle noch aus« gefressen." Zweiter Kannibale:Offen gesagt, mir wäre er auch gebraten lieber."

Literarisches

Jubiläums-Preisausschreibung für Damen. Wie wir schon berichteten, eröffnet die »tßiettet Mode» zur Feier ihres 10jährigen Bestandes eine Preisausschreibung mit Preisen im Gesammt- werthe von 10,000 Kronen. Das Programm zur Concurrenz für weib­liche Handarbeiten (Preise 4000 Kronen) ist im eben erschienenen Heft 7 publizirt worden. Auch die mit großen Preisen dotirten Con- currenzen literarischer und artistischer Natur sind ausschließlich Frauen zugänglich. Sogar die wirthschastlichen Fähigkeiten der Damen sollen zu einer Preisbewerbung zugelassen werden und zwar durch Einsendung von Kochrecepten, Haushaltungsvortheilen rc. Das Programm dieser Concurrenzen erscheint in den nächsten Heften derWiener Mode". Mit dem eben erschienenen Heft 7 derWiener Mode", das in allen Buchhandlungen zum Preise von 45 Pfg. sammt der Gratisbeilage Wiener Kinder-Mode" und einem Schnittmusterbogen erhältlich ist, be­ginnt ein neues Quartal. Preis 2,50 Mk.

Reform" ist das Schlagwort unserer Zeit! Die Reform­kleidung der Frau hat denn auch in dem eleganten Modenjournal Modenwrtt» mit bunter Fächervignette (Verlag: John Henry Schwerin, Berlin W. 35) gerechte Würdigung gefunden, nicht in den jetzt beliebten Extremen, sondern in den Grenzen eines gewählten Geschmacks. Auch findet man da: Eislauf- und Masken- costüme, Gesellschaftsroben, auch farbig als Stahlstich-Modencolorits, Morgen- und Hausröcke, Matinäes, Jupons (u. a. Mieder-Corset mit anzuknöpfendem getheilten Unterrock), Hüte, Fächer,. Wäsche und Häkeleien rc. Eine Extra-Handarbeitenbeilage, eine illustrirte Belletristik (Heiberg, Kretzer, Nataly von Eschstruth, E. Vely u. a.), illustrirte, practische HausfrauenbeilageFrauen-Leben und Wirken", ein großer, doppelseitiger Schnittbogen zu jeder 14tägigen Nummer liegen demselben bei. Neu hinzutretende Abonnenten erhalten gegen Einsendung der Abonnementsquittung pro 1. Quartal 1897 schon jetzt die herrlichsten Festgeschenke zu Vergünstigungsprcisen, als: Jllustrirtes Prachtwerk Weibliche Hände" (mit 50 farbigen Bildern über Stickereien und Lieb­haberkünste) für nur 60 Pfg.,Monogramm-Album" (552 Monogramme) für nur 50 Pfg.,Selbstanfertigung des Christbaumschmucks" (mit ca. 100 Bildern) für nur 30 Pfg. Abonnements auf dieGroße Moden­welt" für nur 1 Mk. vierteljährlich bei allen Buchhandlungen und Post- anstalten. Erstere und der Verlag liefern auch Gratisprobenummern.

Mexikanische Lederarbeit. Noch sehr wenig beachtet und angewandt ist die mexikanische Art der Leder-Bearbeitung, wie wir sie auf Reitsätteln, Kleidungsstücken und vielem Anderen, in größeren Museen bewundern können. Sie stellt jedenfalls die einfachste Welse dar, aus dem Leder gefällige Muster herauszuarbeiten und sie muß daher unbedingt als eine der dankbarsten Kunst-Beschäftigungen empfohlen werden. Die mexikanische Lederarbeit besteht in nichts Anderem als m dem Niederdrücken des Grundes um ein vorher ausgezeichnetes Muster herum, so daß letzteres, ohne modellirt zu werden, sich plastisch vom Grunde abhebt. Die Arbeit ist so einfach, daß sie unbedingt Jedem gut gelingt. Immerhin kann man sich an einem kleinen Gegenstand, vielleicht einem Servietten-Ring rc., erst versuchen, bevor man ani eine größere Aufgabe denkt. Das Verfahren selbst findet eine genaue, durch besondere Illustration anschaulich gemachte Beschreibung in dem neuesten Hefte der weitverbreiteten und in ihren Bestrebungen täglich wachsenden illustrirten Familienzeitschrift »Zur Sitten Stunde» (Berlin W. 57, Deutsches Verlagshaus Vong & Co., Preis des Vierzehntagsheftes 40 Pfg.), welche durch die Fülle und unerreichte Vielseitigkeit ihrer Darbietungen sich den ersten Platz in der deutschen Journalliteratw errungen hat. Auch dieses neueste Heft legt wiederum beredtes Zeugmß für den Werth der Zeitschrift ab.

Redaktion: A. Gcheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen UniverstkRS.Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Schehda) in Gießen.